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Auto

Abgasaffäre

Test offenbart verdächtige Werte bei fast allen Herstellern

Bei der Untersuchung des Kraftfahrt-Bundesamts sind nach SPIEGEL-Informationen bei 56 von 58 Dieselautos verdächtig hohe Stickoxidwerte gemessen worden.

DPA

Auspuff eines VW Tiguan

Freitag, 15.04.2016   18:08 Uhr

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat nach SPIEGEL-Informationen im Zuge des Abgasskandals von VW auch Auffälligkeiten bei fast allen untersuchten Dieselmodellen anderer Hersteller gefunden. 56 von 58 getesteten Fahrzeugen hätten auffällige Stickoxidwerte aufgewiesen, heißt es aus dem Umfeld der Kommission, die Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzt hatte. Nur zwei Fahrzeuge, darunter ein BMW-Modell, seien unauffällig gewesen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 16/2016
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Bereits im November vergangenen Jahres hatte das zuständige KBA mitgeteilt, dass auch die Abgaswerte anderer Hersteller Fragen aufwerfen. Seitdem herrschte jedoch Stillschweigen seitens Dobrindts und der Behörde. Das Gremium des Verkehrsministers befragt derzeit die Hersteller zu den gemessenen Werten, um herauszufinden, ob der Grund dafür Abschaltautomatiken wie bei VW sind.

Fragwürdige "Thermofenster"

Die meisten Autobauer scheinen die Stickoxidreinigung abzuschalten, wenn eine bestimmte Außentemperatur, häufig um die zehn Grad, unterschritten wird. Mercedes hat so eine Technik für seine C-Klasse bereits zugegeben. Mindestens ein Opel-Modell soll laut den Tests aber schon unter 17 Grad abschalten.

Opel dementiert dies auf Anfrage nicht, sondern verweist darauf, man habe die Motorsteuerung "nicht entwickelt, um zu täuschen und zu betrügen".

Die Kommission ist über die Praxis der Hersteller, intern "Thermofenster" genannt, verärgert. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags halten sie, ebenso wie die amerikanischen Behörden, für illegal. Doch die Autoindustrie vertritt die Auffassung, die Abschaltung bei tieferen Temperaturen diene dem Schutz der Motoren und sei rechtens.

Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer kritisierte in diesem Zusammenhang das Verhalten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) scharf: "Dobrindt ist auch nach über einem halben Jahr des Bekanntwerdens des Abgasskandals nicht in der Lage oder willens, Transparenz zu schaffen und ernsthafte Konsequenzen zu ziehen. Dass der Untersuchungsbericht nun anscheinend schon bei den Autoherstellern liegt, während der Rest der Republik und das Parlament auf ihn warten, ist ein Unding und Missachtung parlamentarischer Rechte", so Krischer.

Die Technik des sogenannten "Thermofensters" könnte eine Erklärung dafür sein, warum gerade an kälteren Tagen in deutschen Städten die Stickoxidgrenzwerte überschritten werden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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