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Auto

Abgasaffäre

Renault drohen 3,5 Milliarden Euro Strafe

Nicht nur VW soll bei Abgastests mit einer Motorensoftware betrogen haben. In Frankreich erhebt eine Behörde schwere Anschuldigungen gegen Renault. Die wichtigsten Fakten zur Affäre.

AFP
Von und Stefan Simons, Paris
Donnerstag, 16.03.2017   13:45 Uhr

Wie lauten die genauen Vorwürfe gegen Renault?

Die französische Antibetrugsbehörde (DGCCRF) wirft dem Hersteller vor, eine illegale Software in seinen Modellen installiert zu haben. Diese soll die Arbeitsweise des Motors bei offiziellen Abgastests verändern, um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide (NOx) zu verringern. Nur so erhalten die Fahrzeuge die notwendige Typgenehmigung. Im Alltag blasen die Autos dann mehr NOx aus.

Nach der VW-Abgasaffäre im Herbst 2015 hatte die DGCCRF auf Betreiben der französischen Regierung begonnen, auch einheimische Autos zu untersuchen. Die französische Tageszeitung "Libération" hatte am Mittwoch aus dem 39 Seiten umfassenden Dossier zitiert. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, gleicht das Vorgehen von Renault den Betrügereien von Volkswagen.

Wie viele Autos sind betroffen?

Nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministeriums könnte die Betrugssoftware in bis zu 900.000 Wagen im Gesamtwert von 16,8 Milliarden Euro verbaut worden sein. Die Praktiken seien laut eines ehemaligen Renault-Technikers seit 1990 angewendet worden. Auch Modelle mit Benzinmotor sollen betroffen sein. Benziner stoßen generell deutlich geringere Mengen NOx aus als Diesel-Fahrzeuge.

Renault

Der aktuelle Renault Clio

Welche Modelle sind betroffen?

Der Bericht der Antibetrugsbehörde macht keine Angaben zu Modellen. Laut "Libération" stünden vor allem aber der Mini-SUV Captur und das Massenmodell Clio im Fokus der Untersuchungsbehörden. Ihre Stickstoff-Emissionen übertreffen demnach den zulässigen Wert um 377 Prozent und um 305 Prozent.

Wie reagiert Renault auf die Vorwürfe?

Das Unternehmen weist jedes Fehlverhalten zurück. Keine der Abteilungen habe gegen nationale oder europäische Regeln verstoßen, die die Typenzulassung betreffen, heißt es aus der Konzernzentrale. "Es gibt keinen Schmu", sagte Unternehmenschef Carlos Ghosn.

REUTERS

Carlos Ghosn, Chef der Renault-Nissan Allianz

Welche Vorstände sind in den Skandal verwickelt?

In Frankreich gibt die Antibetrugsbehörde Justizkreisen zufolge Renault-Chef Carlos Ghosn die Verantwortung für mutmaßliche Schummeleien bei Dieselemissionen. Das gehe aus dem Untersuchungsbericht hervor. Ghosn habe als Unternehmenschef selbst die Strategien zur Motorenkontrolle genehmigt und diese zu keiner Zeit delegiert. Seit April 2005 ist Ghosn Chef von Renault.

In die Affäre soll aber die gesamte Führungsriege des Autoherstellers verstrickt sein. Laut Antibetrugsbehörde reichen die Abgasmanipulationen bis 1990 zurück und könnten somit auch die ehemaligen Vorstandschefs Raymond Lévy und Louis Schweitzer belasten. Letzterer gilt als Vater der Allianz mit Nissan und der Renault-Billigmarke Dacia, die weltweit große Erfolge feiert.

Welche Strafen drohen Renault jetzt?

Mehre Autoklubs und Verbraucherverbände haben angekündigt, sich als Zivilkläger an einem möglichen Verfahren zu beteiligen. "Libération" zitiert einen Pariser Fachanwalt, bei dem bereits mehrere Dutzend Klagen von betroffenen Autobesitzern eingegangen seien. Die Verbraucher-Vereinigung "Que Choisir" fordert exemplarische Strafen und hat sich als Zivilkläger dem Verfahren angeschlossen. Sollten sich die Vorwürfe als juristisch stichhaltig erweisen, droht Renault eine Strafe von bis zu zehn Prozent seines Umsatzes - rund 3,5 Milliarden Euro. Der Staat ist mit 20 Prozent an Renault beteiligt und hatte den Hersteller bereits aufgefordert, die nötigen Nachbesserungen an den betroffenen Fahrzeugen vorzunehmen.

Fotostrecke

Abgasskandal bei Renault: Das französische Dieselgate

Sind noch andere Hersteller im Visier der französischen Behörden?

Im Zuge des Dieselskandals bei Volkswagen hatte eine Expertenkommission in Frankreich Abgastests an zahlreichen Autos vorgenommen. Bei vielen Fahrzeugen wurde eine deutliche Überschreitung der zulässigen Grenzwerte festgestellt, unter anderem bei Renault, Volkswagen und Fiat Chrysler. Auch gegen den französischen Autohersteller Peugeot Citroën (PSA) hatte die Antibetrugsbehörde Untersuchungen eingeleitet.

Mitte Februar teilte das zuständige Wirtschaftsministerium mit, dass die DGCCRF das Ergebnis zu PSA ebenfalls der Justiz übergeben habe. Sollte Renault tatsächlich im großen Stil bei der Abgasnachbehandlung betrogen haben, könnte der Skandal auch andere Hersteller treffen. Denn Frankreichs größter Autohersteller entwickelt und produziert nicht nur gemeinsam mit den Allianz-Partnern Nissan und Daimler gemeinsam Motoren, sondern verkauft darüber hinaus nach eigenen Angaben auch Aggregate an Fiat oder Opel.

Renault bildet mit Nissan seit 1999 ein Bündnis. Über Aktienanteile sind beide Unternehmen miteinander verbunden. Auf Anfrage des SPIEGEL teilte Nissan mit, dass es selbstverständlich sei, "die Gesetze und Vorschriften einzuhalten - in jedem Markt, auf dem das Unternehmen tätig ist". Auch Daimler hält Anteile an beiden Herstellern und setzt bei seinen Kompaktmodellen Renault-Motoren ein. Mercedes bietet Kunden der A, B, CLA und GLA-Klasse (160d, 160 CDI, 180d und 180 CDI) einen Werkstattaufenthalt an, um den Abgasausstoß im realen Fahrbetrieb zu verbessern. "Das Kraftfahrtbundesamt hat uns jüngst auch schriftlich darüber informiert, dass die betroffenen Fahrzeuge die Grenzwerte einhalten und durch die freiwilligen Service-Maßnahmen die Stickoxid-Emissionen (...) reduziert werden. Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass die aktuellen Ermittlungen gegen Renault Auswirkungen auf die Daimler AG haben", so ein Sprecher. Bei Messungen waren auch Mercedes-Fahrzeuge mit Renault-Motoren mit sehr hohen Stickoxid-Werten aufgefallen.

mit Agenturmaterial

insgesamt 51 Beiträge
joG 16.03.2017
1. Euro 3,5 Milliarden.....
.....besagt, dass der Betrug so groß nicht gewesen sein kann. Das ist nun wirklich nicht viel, wenn man bedenkt. Was die Regulierung uns alle kostet besagt doch, dass der Schaden, der entsteht ohne Regulierung ungeheuer sein [...]
.....besagt, dass der Betrug so groß nicht gewesen sein kann. Das ist nun wirklich nicht viel, wenn man bedenkt. Was die Regulierung uns alle kostet besagt doch, dass der Schaden, der entsteht ohne Regulierung ungeheuer sein muss. So kann der Schaden und somit der Betrug nicht groß gewesen sein, wenn eine Strafe von Euros 3,5 Milliarden genügt.
Flari 16.03.2017
2.
Wenn Renault die 3,5 Mrd gerade nicht hat, können die ja Opel an VW verkaufen.
Wenn Renault die 3,5 Mrd gerade nicht hat, können die ja Opel an VW verkaufen.
ingnazwobel 16.03.2017
3.
Foristen die kundtun "Ich kaufe mir kein Auto der Betrüger aus Wolfsburg und ihrer Tochtermarken" kann ich nur empfehlen in Zukunft mit dem Zug zu fahren.....wobei Strom durch Kohle..vielleicht doch besser Fahrrad Bei [...]
Foristen die kundtun "Ich kaufe mir kein Auto der Betrüger aus Wolfsburg und ihrer Tochtermarken" kann ich nur empfehlen in Zukunft mit dem Zug zu fahren.....wobei Strom durch Kohle..vielleicht doch besser Fahrrad Bei den Abgaswerten haben alle mehr oder weniger betrogen.
latrodectus67 16.03.2017
4. Die relevanten Fakten
finden sich imho in "Die Anstalt" vom 07.03.2017, in der ZDF Mediathek. Alles von NEFZ über die "Werte" und "Richtlinien" wird da sehr schön erklärt. Wie wir von vorne bis hinten, aber immer [...]
finden sich imho in "Die Anstalt" vom 07.03.2017, in der ZDF Mediathek. Alles von NEFZ über die "Werte" und "Richtlinien" wird da sehr schön erklärt. Wie wir von vorne bis hinten, aber immer "legal", verschaukelt werden. Sehenswert.
achterhoeker 16.03.2017
5. Ach was?
Französische PKW und LKW haben immer nur Lavendelgeruchabgase gehabt und französische AKW sind so gut, da musste Deutschland einfach die hier betriebenen AKW abschalten.
Französische PKW und LKW haben immer nur Lavendelgeruchabgase gehabt und französische AKW sind so gut, da musste Deutschland einfach die hier betriebenen AKW abschalten.

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