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Dieselaffäre

Behörden misstrauten Porsche schon länger

Die SPIEGEL-Recherchen erhärteten einen Verdacht, den Behörden offenbar schon länger hatten: dass Porsche eine Betrugssoftware verwendet. Die anstehenden Nachuntersuchungen könnten für den VW-Konzern teuer werden.

Getty Images

Heck eines Porsche Cayenne

Von , und
Freitag, 16.06.2017   18:22 Uhr

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und seine Beamten haben sich seit Ausbruch des Dieselskandals nicht unbedingt als harte Aufklärer profiliert. Stattdessen zeigten das Verkehrsministerium und das ihm unterstellte Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erstaunlich viel Verständnis dafür, dass die Autohersteller die Abgasreinigungsanlagen von Dieselfahrzeugen systematisch lahmlegten. Doch diese Milde scheint vorbei (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL).

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Erst bezichtigte Dobrindt vor zwei Wochen Audi, in bestimmten Modellen des A8 und A7 eine "unzulässige Abschalteinrichtung" zu verwenden. Erstes Indiz für einen Stimmungswandel im Ministerium: Statt, wie zuvor, lediglich eine freiwillige Nachbesserung zu empfehlen, ordneten die Beamten auf Dobrindts Geheiß eine amtliche Umrüstung an. Der Druck auf Audi ist so höher: Erfüllen die Maßnahmen des Herstellers zur Verbesserung des Abgasverhaltens die Anforderungen des KBA nicht, müsste Audi die Fahrzeuge im schlechtesten Fall zurückkaufen.

Die jüngste Recherche des SPIEGEL hat die Stimmung im Ministerium seitdem nicht verbessert: Bei Messungen auf dem Prüfstand des TÜV Nord hatten sich deutliche Hinweise auf ein Schaltprogramm im Porsche Cayenne ergeben, das den Wagen im Labortest die Grenzwerte einhalten lässt. Experten sind sich einig, dass es sich dabei um eine illegale Abschalteinrichtung handelt. Porsche teilte auf Anfrage hingegen mit, die Tests des SPIEGEL könne man "plausibel nicht nachvollziehen". Der Wagen verfüge nach Informationen des Unternehmens über keine unzulässige Abschalt- oder Umschalteinrichtung. Zudem kooperiere man "voll umfänglich mit allen Behörden".

Die Geduld ist am Ende

Doch das scheint nicht zu stimmen: Dobrindts Beamte trauen den Porsche-Leuten in Wahrheit schon länger nicht über den Weg. Nach SPIEGEL-Informationen haben sie den Cayenne über Monate hinweg untersuchen lassen, weil sie dessen Abgaswerte irritierten. Obwohl sie zunächst keine Erklärung für das Abgasverhalten des SUV fanden, legten sie den Ermittlungsfall nicht zu den Akten, sondern hielten ihn offen - ungeachtet dessen, dass hochrangige Manager des VW-Konzerns versicherten, der Wagen verfüge über keine illegalen Abschalteinrichtungen.

Die vom SPIEGEL vergangene Woche veröffentlichten Messergebnisse deuten auf das Gegenteil hin, und Verkehrsminister Dobrindt will sich anscheinend nicht weiter verschaukeln lassen: Das KBA nimmt seine Untersuchungen am Cayenne wieder auf. Und nicht nur das: Dobrindts Beamte wollen auch weitere Porsche-, Audi- und VW-Modelle auf weitere Schummeleien hin untersuchen.

Wenn die Flensburger Fachleute den Verdacht einer illegalen Abschalteinrichtung bestätigen könnten, droht neben dem Verkaufsstopp der Fahrzeuge auch der Entzug der Zulassung. Das haben die Beamten von Dobrindt dem VW-Konzern so auch mitgeteilt.

Diese Maßnahme würde den Konzern empfindlich treffen: Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercor ISI schätzt, dass das auffällige Getriebe im VW-Konzern in bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr verbaut worden sein könnte. In einem Report über die SPIEGEL-Recherche warnt er internationale Investoren vor erheblichen Konsequenzen für den Konzern, sollte sich das Getriebeschaltprogramm als illegale Abschalteinrichtung herausstellen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 36 Beiträge
Rubyconacer 16.06.2017
1. Konzern VW
Porsche gehört zum VW-Konzern. Das aktuelle Geschehen deutet für mich erneut daraufhin, dass wirklich niemand (außer den Verursachern) von diesen Softwareteilen wussten. Die Realität ist, dass eine einmal freigegebene Software [...]
Porsche gehört zum VW-Konzern. Das aktuelle Geschehen deutet für mich erneut daraufhin, dass wirklich niemand (außer den Verursachern) von diesen Softwareteilen wussten. Die Realität ist, dass eine einmal freigegebene Software so bleibt und immer wieder verwendet wird. Da guckt nur noch der Entwickler/Lieferant hinein, falls es etwas nachzubessern gibt.
Jérôme1F 16.06.2017
2. Misstrauen
Misstrauen ist gut, Kontrolle ist besser - in Abwandlung eines Lenin zugeschriebenes Zitat. Aber was soll den ganze Eiertanz. Die Autos müssen ihre Abgaswerte im Normalbetrieb, also auf der Strasse bringen. Tun sie das nicht, [...]
Misstrauen ist gut, Kontrolle ist besser - in Abwandlung eines Lenin zugeschriebenes Zitat. Aber was soll den ganze Eiertanz. Die Autos müssen ihre Abgaswerte im Normalbetrieb, also auf der Strasse bringen. Tun sie das nicht, erfüllen sie die Norm nicht. Da braucht es gar keinen Beweis einer "illegalen" Abschalteinrichtung: Betrugssoftware würde ich das nennen.
thomhein 16.06.2017
3.
nicht das KBA soll den Fall untersuchen, sondern die Staatsanwaltschaft. Betrug ist ein Straftatbestand.
nicht das KBA soll den Fall untersuchen, sondern die Staatsanwaltschaft. Betrug ist ein Straftatbestand.
denker_2 16.06.2017
4.
Mein Gott. Tut es nicht weh, solch einen Quatsch zu schreiben? Alles deutet darauf hin, dass die Abgas-Betrügereien im VW-Konzern von ganz oben beauftragt wurden und dass Tausende Ingenieure davon wussten bzw. daran [...]
Zitat von RubyconacerPorsche gehört zum VW-Konzern. Das aktuelle Geschehen deutet für mich erneut daraufhin, dass wirklich niemand (außer den Verursachern) von diesen Softwareteilen wussten. Die Realität ist, dass eine einmal freigegebene Software so bleibt und immer wieder verwendet wird. Da guckt nur noch der Entwickler/Lieferant hinein, falls es etwas nachzubessern gibt.
Mein Gott. Tut es nicht weh, solch einen Quatsch zu schreiben? Alles deutet darauf hin, dass die Abgas-Betrügereien im VW-Konzern von ganz oben beauftragt wurden und dass Tausende Ingenieure davon wussten bzw. daran arbeiteten. Selbstverständlich wird eine solche Software permanent an neue Anforderungen angepasst bzw. verbessert.
dbrown 16.06.2017
5. Wird am Müller
abprallen, so wie alles andere auch. Nur ist die Klientel von Porsche ein etwas anderes Kaliber als der Golf-Fahrer, auch wenn beim Cayenne der Verbrauch in der Regel überhaupt keine Rolle spielt.
abprallen, so wie alles andere auch. Nur ist die Klientel von Porsche ein etwas anderes Kaliber als der Golf-Fahrer, auch wenn beim Cayenne der Verbrauch in der Regel überhaupt keine Rolle spielt.

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