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Autonomes Fahren

Ethikkommission warnt vor Totalüberwachung

Selbstfahrende Autos können Unmengen Daten über Fahrer und Passanten sammeln. Die vom Verkehrsminister eingesetzte Ethikkommission hat laut einem Zeitungsbericht 20 Regeln gegen solche Risiken verfasst.

AP

Selbstfahrender Audi Q5

Dienstag, 20.06.2017   07:04 Uhr

Es dürfte noch Jahrzehnte dauern, bis sich selbstfahrende Autos auf deutschen Straßen durchgesetzt haben - doch Forscher warnen schon jetzt vor eklatanten Risiken: Die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Ethikkommission zum autonomen Fahren etwa fürchte eine Totalüberwachung des Menschen, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf den Abschlussbericht der Kommission, der am Dienstagmittag vorgestellt werden soll.

"Eine vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Fahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur ist ethisch bedenklich, wenn und soweit sie Risiken einer totalen Überwachung der Verkehrsteilnehmer und der Manipulation der Fahrzeugsteuerung nicht sicher auszuschließen vermag", heißt es demnach in dem Dokument. Das Verkehrsministerium hat die Inhalte des Berichts bislang nicht bestätigt.

Die 14-köpfige Kommission um den Verfassungsrechtler Udo di Fabio hat laut "Handelsblatt" außerdem 20 Regeln aufgestellt, um den Schutz persönlicher Daten und die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten. "Der Schutz von Menschen hat Vorrang vor allen anderen Nützlichkeitserwägungen", heißt es demnach in dem Dokument.

Fahrzeughalter und -nutzer müssten "grundsätzlich über Weitergabe und Verwendung ihrer anfallenden Fahrzeugdaten" entscheiden dürfen. "Einer normativen Kraft des Faktischen, wie sie etwa beim Datenzugriff durch die Betreiber von Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken vorherrscht, sollte frühzeitig entgegengewirkt werden."

"Die Zulassung von automatisierten Systemen ist nur vertretbar, wenn sie im Vergleich zu menschlichen Fahrleistungen zumindest eine Verminderung von Schäden im Sinne einer positiven Risikobilanz verspricht", heißt es weiter im Regelwerk. So müssten Sach- und Tierschäden bei Unfällen immer Vorrang vor dem Personenschaden haben. Grundsätzlich müssten die Systeme so programmiert sein, dass es nicht zu Unfällen komme.

Bei unausweichlichen Unfallsituationen müsse jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt werden, fordern die Ethikexperten. Auch eine Aufrechnung von Opfern dürfe es nicht geben. Eine allgemeine Programmierung auf eine Minderung der Zahl von Personenschäden könne vertretbar sein.

Die Kommission hatte im Herbst ihre Beratungen aufgenommen. Ihr gehören Wissenschaftler sowie unter anderem Vertreter von Autobranche, Verbraucherschützern und vom Autofahrerclub ADAC an. Computer dürfen in Autos in Deutschland künftig Fahrfunktionen übernehmen - der Mensch am Lenkrad muss aber immer wieder eingreifen können. Der Rechtsrahmen dafür war im Mai verabschiedet worden.

ssu

insgesamt 115 Beiträge
wrkffm 20.06.2017
1. Wie altmodisch und rückständig !
Die Leute gucken zu viel Science-Fiction-Filme. Man könnte fast meinen, das was in solchen Filmen gezeigt wird, es mittlerweile als realistisch und machbar gilt, so zu sagen richtungsweisend ist. Selbstfahrende Autos, wie [...]
Die Leute gucken zu viel Science-Fiction-Filme. Man könnte fast meinen, das was in solchen Filmen gezeigt wird, es mittlerweile als realistisch und machbar gilt, so zu sagen richtungsweisend ist. Selbstfahrende Autos, wie altmodisch und rückständig ! Die Zukunft der Menschheit liegt in selbstfliegende Personen-Gleiter, auch SPG´s genannt.
demokratie-troll 20.06.2017
2. Barbarei der Maschine
Die Maschine darf grundsätzlich nicht zum Feind desjenigen werden, der sich in ihre Hand begibt, auch nicht aus statistischen Erwägungen heraus. Sie darf den, der sich in ihre Hand begibt, nicht opfern, um andere Ziele zu [...]
Die Maschine darf grundsätzlich nicht zum Feind desjenigen werden, der sich in ihre Hand begibt, auch nicht aus statistischen Erwägungen heraus. Sie darf den, der sich in ihre Hand begibt, nicht opfern, um andere Ziele zu verfolgen, als die, die dessen Überlebensinteresse entsprechen. So wie es ja auch keine Pflicht geben kann, sich für irgendwen oder was zu opfern, außer im Krieg, der bekanntlich die Barbarei an sich beinhaltet, die Antizivilisation, die die Menschenwürde zu Grabe trägt. Es kann auch nicht verboten sein, dass der Besitzer seine Maschine für Gefahrensituationen auf Selbsterhalt programmiert, statt auf Selbstmord für eine höhere Sache. Grundsätzlich ist das gemeinsame Interesse des Kartells der Internetgeschäftemacher, die Bevölkerungen systematisch gemeinschaftlich auszuschnüffeln. In diesem Sinne begeben wir uns schnurstracks in eine totalitäre Schnüffelgesellschaft, deren menschenverachtende Überwachungsmacht auf unser aller Manipulation und Erniedrigung zum Objekt privater Herrschaft zielt. Wer das Schnüffeln zum obersten Geschäftsprinzip erklärt, ist ein Feind der Freiheit und eine öffentliche Gefahr.
varlex 20.06.2017
3.
Gab es solch eine Ethikkommission auch bei der Einführung des Smartphones? Denn sind wir doch mal ehrlich, die Totalüberwachung mittels Smartphone ist doch jetzt schon realisierbar (z.T. realisiert) und deutlich totaler, als [...]
Gab es solch eine Ethikkommission auch bei der Einführung des Smartphones? Denn sind wir doch mal ehrlich, die Totalüberwachung mittels Smartphone ist doch jetzt schon realisierbar (z.T. realisiert) und deutlich totaler, als bei einem Fahrzeug, dass im Schnitt 1h/Tag bewegt wird... Und he, die Möglichkeiten der Überwachung freut doch den Staat, so wie man die Innenminister der Länder so tönen hört...
joking_hazard 20.06.2017
4. Mobile Überwachungsanlagen
Das Auto der Zukunft wird über Kameras, Radar und etliche andere Sensortechnik verfügen - und NATÜRLICH mobilen Internetzugang haben. Die perfekte mobile Überwachungsanlage, und als solche wird sie auch genutzt werden. Nun [...]
Das Auto der Zukunft wird über Kameras, Radar und etliche andere Sensortechnik verfügen - und NATÜRLICH mobilen Internetzugang haben. Die perfekte mobile Überwachungsanlage, und als solche wird sie auch genutzt werden. Nun wäre es ja nicht schlimm wenn Verkehrsverstösse wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, zu wenig Abstand usw. in Echtzeit an die Verkehrüberwachung weitergeleitet werden - wenn schon nicht die eigenen - keiner muss sich selbst belasten - dann die der anderen Verkehrsteilnehmer. Es wird disziplinierter werden auf der Strasse, entweder weil sich keiner mehr traut seine PS in egoistischer Absicht einzusetzen, oder weil die Unbelehrbaren in kurzer Zeit keinen Führerschein mehr haben werden. Aber schließlich braucht doch keiner mehr einen Führerschein, das Auto fährt doch autonom. Das liebste Kind des Deutschen wird aber noch viel mehr verraten: Bewegungsprofile, wo wer wann einkauft oder tankt, bis hin zur flächendeckenden Fahndung nach Personen werden normal sein. Die Wirtschaft freut sich schon auf ein Riesengeschäft wenn sie ihnen durch ihr Auto gleich noch die frohe Botschaft über Angebote in ihrer Nähe mitteilen kann. Die Versicherungen werden sich freuen, wenn die KI des Autos auf 'minimale Schäden' - für die Versicherung natürlich - programmiert werden kann. Also lieber das Kind totfahren statt mehrere andere schwer Verletzen, ein Querschnittsgelähmter kostet ja ein Leben lang, ein Toter nur einmal. Tolle Sache. Die Frage die ich noch nirgends lesen konnte ist: Können Passanten durch die langfristige, dauerhafte und intensive Bestrahlung durch aktive Sensoren, wie Radar, Gesundheitsschäden erleiden? Was passiert wenn Kinder, Schwangere, Senioren oder sonstwer täglich und dauerhaft dem neuen Elektrosmog ausgesetzt sind? Aber ich will die neue Technik ja nicht schlecht machen. Verkehrspolizist, Personenfahnder, Versicherungsagent, Konsumberater, Chaffeur und Entertainmentmachine in einem - unser Auto der Zukunft. Teile dieses Kommentars sind satirisch gemeint.
Ein_denkender_Querulant 20.06.2017
5. gefährliches Spiel
Das Grundproblem ist richtig erkannt und beschrieben. Der Datenmengen, die Betreiber von autonomen Flotten z.B. der Firma Uber in Zukunft sammeln werden, sind bedrohlich und gefährlich. Einhalt zu gebieten ist trotzdem [...]
Das Grundproblem ist richtig erkannt und beschrieben. Der Datenmengen, die Betreiber von autonomen Flotten z.B. der Firma Uber in Zukunft sammeln werden, sind bedrohlich und gefährlich. Einhalt zu gebieten ist trotzdem zweischneidig, weil daran unsere Automobilindustrie schwer geschädigt werden kann. Seit Zahrzehnten schotten wir als Technologievorreiter unseren Markt mit ziemlich wilkürlichen Sicherheits-, Abgas- und sonstigen Gesetzgeungen ab. Das funktioniert bisher ziemlich gut, die Konkurrenz aus Japan, Korea, China und Indien schläft aber nicht und setzt immer mehr neue Impulse, hinter denen wir auf einmal hinterher hinken, gerade im Bereich Elektromobilität und autonomen Fahren. Wenn wir wie bisher unseren Markt einfach nur abschotten, z.B. mit sehr strengen Datenschutzbestimmungen, dann verhindert das in Europa eine zügige Entwicklung der neuen Techniken. Ein gefährliches Spiel.
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