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Auto

Abgasaffäre

Behörde droht VW-Kunden mit Stilllegung manipulierter Dieselautos

Als erstes sind Amarok-Besitzer dran: Wer seinen manipulierten VW-Diesel nicht fristgerecht umrüsten lässt, muss eine Stilllegung durch das Kraftfahrt-Bundesamt befürchten. Zuvor hatte schon der TÜV Druck gemacht.

VW

VW Amarok

Mittwoch, 26.07.2017   16:38 Uhr

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) drängt die Besitzer von VW-Dieselfahrzeugen mit illegaler Abschalteinrichtung zur Nachrüstung und droht ihnen mit Entzug der Zulassung. Es werde "dringend empfohlen", an der Rückrufaktion "sehr zeitnah" teilzunehmen, heißt es in einem Schreiben des KBA an Besitzer des VW-Modells Amarok, das AFP vorlag. Der Pick-up-Truck war Ende Januar 2016 das erste Modell von VW, das wegen der Abgasaffäre in den Werkstätten nachgerüstet wurde.

Zunächst hatten die "Zeit" und "Focus Online" über das KBA-Schreiben berichtet. Besitzer eines Amarok mit illegaler Abschalteinrichtung haben laut dem Brief bis zum 28. August noch Zeit, ihren Wagen in die Werkstatt zu bringen und umrüsten zu lassen. Wer dies trotz Aufforderung des Herstellers noch nicht getan hat oder bis dahin nicht tun wird, muss demnach damit rechnen, dass die örtliche Zulassungsbehörde den weiteren Betrieb auf öffentlichen Straßen untersagt. "Solche Maßnahmen sind zudem in der Regel gebührenpflichtig", warnt die Behörde.

Kanzlei stellt Eilantrag

Per Eilantrag wollen Anwälte das KBA nun daran hindern, Daten der Halter noch nicht umgerüsteter Autos an die zuständigen örtlichen Behörden weiterzuleiten. Der Antrag sei beim Gericht eingegangen, bestätigte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Freiburg am Mittwoch. Nach Angaben der Kanzlei Stoll & Sauer soll mit dem Eilantrag verhindert werden, dass die Behörden noch nicht umgerüstete Dieselautos stilllegen.

Laut der Kanzlei ist es dem Halter eines Amarok derzeit nicht zuzumuten, sein Auto umrüsten zu lassen, weil er gleichzeitig ein Zivilverfahren gegen VW am Landgericht Freiburg führt. Im Rahmen einer Begutachtung solle der Zustand vor und nach dem Update geprüft werden; werde das Update zwangsweise aufgespielt, erschwere dies die Begutachtung.

VW spricht von rund 150 betroffenen Amarok-Besitzern

Ein VW-Sprecher erklärte, die Zahl der insgesamt betroffenen Amarok sei klein. Die Halter wurden den Angaben zufolge teils mehrfach angeschrieben. Insgesamt geht es Schätzungen nach um höchstens 150 Autos, wobei unklar ist, ob diese noch alle angemeldet und auf der Straße sind. Insgesamt sei bei 1,82 Millionen von rund 2,6 Millionen in Deutschland betroffenen Autos das Software-Update aufgespielt.

Das KBA teilte mit, sich zu laufenden Verfahren nicht zu äußern. Grundsätzlich gelte, dass der Rückruf verbindlich sei, teilte die Behörde mit. Nicht umgerüstete Fahrzeuge könnten außer Betrieb gesetzt werden. Je nach Freigabedatum des Software-Updates hätten die Halter aber genug Zeit für die Umrüstung. Nach Ablauf dieser Zeit informiere das KBA die zuständige Zulassungsbehörde, falls ein Fahrzeug noch nicht in der Werkstatt gewesen sei.

TÜV und EU pochen ebenfalls auf Umrüstung

Bereits im Februar hatte der TÜV Nord Konsequenzen angekündigt, sollten vom Abgasbetrug betroffenen VW-Kunden dem Rückruf nicht fristgerecht nachkommen. "Eine TÜV-Plakette wird nicht erteilt, wenn ein Autofahrer nicht nachrüsten lässt", sagte TÜV-Nord-Sprecher Rainer Camen damals der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zuletzt hatte auch EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska Druck auf VW und die Verkehrsminister der Mitgliedstaaten gemacht: "Ich erwarte von Volkswagen eine Rückrufquote von 100 Prozent", schrieb Bienkowska laut Medienberichten kürzlich an die Minister. Sie forderte, manipulierte Pkw radikal aus dem Verkehr zu ziehen, sollten sie nicht rechtzeitig nachgerüstet worden sein.

Endlich verständlich

cst/dpa/Afp

insgesamt 211 Beiträge
mr.nett 26.07.2017
1. Taffe Frau!
Nachdem seit langem klar ist, dass die Nachrüstaktion bei VW für alle Besitzer zwingend ist und die Verweigerer keine TÜV-Plakette bekommen und womöglich vorher noch aus dem Verkehr gezogen werden kommt Frau Bienkowska und [...]
Nachdem seit langem klar ist, dass die Nachrüstaktion bei VW für alle Besitzer zwingend ist und die Verweigerer keine TÜV-Plakette bekommen und womöglich vorher noch aus dem Verkehr gezogen werden kommt Frau Bienkowska und fordert, dass aller Fahrzeuge zwingend umzurüsten und ggf. stillzulegen seien... Die ist hart! Bestimmt steht sie auch jede Nacht auf ihrem Balkon und fordert, dass die Sonne am nächsten Morgen wieder aufgeht? Aber radikalst!
pefete 26.07.2017
2. Ich dachte mal
es geht nach dem Verursacher Prinzip. Aber das gilt wohl nicht mehr, seit die Konzerne einige Tausend Lobbyisten haben.
es geht nach dem Verursacher Prinzip. Aber das gilt wohl nicht mehr, seit die Konzerne einige Tausend Lobbyisten haben.
ecki in mexico 26.07.2017
3. Aufstehen...
und dem den Buerger staendig bevormundenden Staat endlich Einhalt gebieten. Der Staat kassiert genug ab dafuer, das man in Deutschland Autofahren darf. Die Luft ist sauber genug und der "Klimawandel Weltuntergang" [...]
und dem den Buerger staendig bevormundenden Staat endlich Einhalt gebieten. Der Staat kassiert genug ab dafuer, das man in Deutschland Autofahren darf. Die Luft ist sauber genug und der "Klimawandel Weltuntergang" findet nicht statt. Wenn die deutsche Industrie und deren Arbeitsplaetze erst platt gemacht sind und dieses "Stueck Freiheit Autofahren" auch erledigt ist, wird es ja wohl irgendwann einmal so weit sein, dass es zu buergerlichen Unruhen kommt, die eine Aenderung der Politik erzwingen.
pierrotlalune 26.07.2017
4.
Was ist eigentlich mit den steuerklassen bei den Autos, es handelt sich ja bekanntlich um geplanten Betrug. Doch sinddieautos wahrscheinlich steuerlich günstiger eingestuft worden als eigentlich der Fall gewesen wäre. Wer kommt [...]
Was ist eigentlich mit den steuerklassen bei den Autos, es handelt sich ja bekanntlich um geplanten Betrug. Doch sinddieautos wahrscheinlich steuerlich günstiger eingestuft worden als eigentlich der Fall gewesen wäre. Wer kommt dafür auf, vw? , der Steuerzahler mal wieder, wird der steuerbefreit von dobrindts bewusst nicht angegangen? Betrug am Kunden, Steuerzahler,Gesellschaft autorisiert und genehmigt. Andere kleinsünder werden bestraft
fox69 26.07.2017
5.
Deshalb muss der Hersteller ja auch eine Umrüstung anbieten. Der Verursacher der Emmissionen ist das nicht umgerüstete Auto, deshalb darf das hier demnächst nicht mehr benutzt werden.
Zitat von pefetees geht nach dem Verursacher Prinzip. Aber das gilt wohl nicht mehr, seit die Konzerne einige Tausend Lobbyisten haben.
Deshalb muss der Hersteller ja auch eine Umrüstung anbieten. Der Verursacher der Emmissionen ist das nicht umgerüstete Auto, deshalb darf das hier demnächst nicht mehr benutzt werden.

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