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Kooperation in Indien

Volkswagen stoppt Pläne für Billigauto

VW arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt an einem Billigauto, nun sind die Pläne mit dem indischen Autobauer Tata geplatzt. Angeblich sind schärfere Abgasgesetze schuld.

DPA
Donnerstag, 10.08.2017   15:09 Uhr

Ein Billigauto für Indien wird es vorerst von Volkswagen nicht geben. Der Konzern, der derzeit wegen des Dieselabgasskandals massiv unter Druck steht, hat Verhandlungen über eine Partnerschaft mit dem indischen Autobauer Tata eingestellt. Beide Unternehmen seien zu dem Schluss gekommen, dass sich die erwünschten Kostenvorteile nicht erzielen lassen, teilten die für das Projekt zuständige VW-Tochter Skoda und Tata Motors am Donnerstag mit.

Damit scheitert das zaghafte Bündnis der beiden Partner nach nur einem halben Jahr. Erst im März hatte VW angekündigt, die Anstrengungen bei der Entwicklung von gemeinsamen Fahrzeugteilen bis hin zu kompletten Modellen bündeln zu wollen und eine langfristige Partnerschaft mit Tata anzustreben.

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VWs Budget Car: Rückschlag in einem umkämpften Markt

Tata besitzt in Indien den Nano, einen 3000 Dollar teuren Familienwagen. VW ist im Segment von Billigautos bis 5000 Euro für Schwellenländer blank. Seit mehr als einem Jahrzehnt verfolgt VW das Projekt eines sogenannten Budget Cars - erfolglos.

VW entgeht ein gigantisches Geschäft in Schwellenländern

"Wer in der Preisklasse unter 5000 Dollar nichts anzubieten hat, verzichtet auf gut 15 Prozent des Weltmarktes", sagte Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer damals im März, als VW in einer strategischen Absichtserklärung die Kooperationspläne mit Tata öffentlich machte. Dem Konzern entgeht also ein gigantisches Geschäft in den Schwellenländern.

Die hohe Nachfrage nach Kleinwagen in Indien bedienen vor allem Maruti Suzuki und der koreanische Autobauer Hyundai Motor, die zwei Drittel des Absatzes beherrschen. Bei 1,3 Milliarden Einwohnern kommen gerade einmal 25 Autos auf 1000 Menschen, die Zukunftschancen für Autohersteller dort sind wegen der Untermotorisierung gigantisch. Allerdings gilt der Markt als schwierig. Auch VW-Rivale General Motors stellt nach zwei Jahrzehnten ihr Indien-Geschäft Ende des Jahres ein.

Volkswagen scheitert mit einer geplanten Kooperation für Billigautos nicht das erste Mal. Ein Bündnis mit Suzuki, für das VW 2010 ein milliardenschweres Aktienpaket an dem japanischen Hersteller erwarb, endete im Streit. Auch Suzuki kaufte damals 1,5 Prozent Anteile an VW.

Einen detaillierten Grund für die geplatzten Kooperationspläne mit Tata nannte die VW-Tochter Skoda nicht. Nach einem Bericht des manager magazin online sei die von Tata angebotene Plattform zu teuer gewesen. In Indien wurden zuletzt die Abgasnormen deutlich verschärft. Nur mit erheblichem Aufwand wäre die Tata-Plattform für strengere Abgasnormen tauglich gewesen, berichtet manager magazin online mit Verweis auf VW-interne Quellen.

Für künftige Gespräche zeigten sich die Unternehmen aber offen. Tata Motors ist in Europa durch die zugekauften Nobelmarken Jaguar und Land Rover bekannt.

mhu/beb/Reuters/dpa

insgesamt 67 Beiträge
henry.miller 10.08.2017
1.
Mein Fahrer in Indien hat 50? im Monat verdient und mit seinen Eltern und Kindern in einem Zimmer gelebt. Für ein eigenes Auto reicht das wohl kaum. Strengere Abgavorschriften tun not. An einer indischen Hauptstrasse bekommt [...]
Mein Fahrer in Indien hat 50? im Monat verdient und mit seinen Eltern und Kindern in einem Zimmer gelebt. Für ein eigenes Auto reicht das wohl kaum. Strengere Abgavorschriften tun not. An einer indischen Hauptstrasse bekommt man Atemprobleme
hegri 10.08.2017
2. Wer ein ganzes Jahrzehnt
an einem einfachen Fahrzeug "herum"entwickelt und das Projekt dann einzustellen hat den Eintritt in dieses Marktsegment wohl nie ernsthaft gewollt.
an einem einfachen Fahrzeug "herum"entwickelt und das Projekt dann einzustellen hat den Eintritt in dieses Marktsegment wohl nie ernsthaft gewollt.
entropist 10.08.2017
3. Vorgeschoben
Das scheint mir doch ein vorgeschobener Grund zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Zusammenarbeit mit indischen (Automobil-)Unternehmen äußerst schwierig sein kann, um es mal höflich auszudrücken.
Das scheint mir doch ein vorgeschobener Grund zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Zusammenarbeit mit indischen (Automobil-)Unternehmen äußerst schwierig sein kann, um es mal höflich auszudrücken.
melancholeo 10.08.2017
4. Dudenhöffer
Wann schafft es die deutsche Medienwelt endlich mal jemanden anderen nach dem Thema Automobil zu fragen als Herrn Dudenhöffer! Das Ganze wirkt stets wenig ausgewogen
Wann schafft es die deutsche Medienwelt endlich mal jemanden anderen nach dem Thema Automobil zu fragen als Herrn Dudenhöffer! Das Ganze wirkt stets wenig ausgewogen
vish 10.08.2017
5. Wozu auch?
Weshalb sollte VW auch ein preiswertes Auto bauen wo es doch trotz Skandalen, Betrug und dramatischer Bevorzugung des ausländischen Marktes mehr als genug Idioten gibt, die Premiumpreise für minderwertige Stangenware bezahlen.
Weshalb sollte VW auch ein preiswertes Auto bauen wo es doch trotz Skandalen, Betrug und dramatischer Bevorzugung des ausländischen Marktes mehr als genug Idioten gibt, die Premiumpreise für minderwertige Stangenware bezahlen.

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