Schrift:
Ansicht Home:
Auto

Fahrverbote für Diesel

Schadstoffbelastung in deutschen Städten bleibt hoch

Fahrverbote sind nach neuen Schadstoffmessungen in Städten nicht vom Tisch. Das berichtet der SPIEGEL. Die von Herstellern angebotene Umweltprämie hilft da nicht, sondern könnte der Umwelt sogar schaden.

AP

PKW-Verschrottung

Samstag, 12.08.2017   08:17 Uhr

Beim Thema Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zeichnet sich keine Entspannung ab. Im Gegenteil: Neue Zahlen für das Jahr 2016, die das Bundesumweltministerium von Barbara Hendricks (SPD) auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion vorgelegt hat, zeigen, dass die Luft in mehreren deutschen Städten zu dreckig ist. Sowohl die Belastung durch Stickstoffdioxid als auch durch Feinstaub sank 2016 im Vergleich zu 2013 zwar leicht, aber nicht genügend; beim Ozon stiegen die Werte in einigen Orten sogar merklich an. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 33/2017
Alpentraum
Wie sich das bedrohte Paradies wandelt

Beim Stickstoffdioxid liegen mehr als 40 Städte über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt, besonders betroffen sind Stadtteile in Stuttgart (82), München (80), Reutlingen (66), Kiel (65) und Köln (63). In Stuttgart findet sich auch besonders viel Feinstaub in der Luft.

Beim Ozon, das der Lunge schaden kann, verschlechterten sich die Werte stark. Der Wert darf an höchstens 25 Tagen im Jahr überschritten werden, in zehn Gemeinden geschah dies aber an 38 bis 52 Tagen. Am stärksten betroffen waren das Münstertal im Schwarzwald, Oberwiesenthal, Gärtringen, Gersfeld (Rhön) und Glashütten (Taunus).

Zweifel am Sinn der Umweltprämie

Für die Autohersteller sind diese Werte sehr unangenehm, sollten aufgrund des hohen Schadstoffniveaus Fahrverbote verhängt werden, träfe das den Absatz von Dieselfahrzeugen empfindlich. Deswegen hatten Regierung und Industrie beim sogenannten Dieselgipfel Anfang August einen Maßnahmenkatalog beschlossen. Eines der umstrittenen Vorhaben, die sogenannte Umweltprämie, bekommt nun erneut Gegenwind und stößt bei Umweltökonomen auf Ablehnung.

Die Prämie sei unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung fragwürdig, sagt Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

In der Umweltbilanz eines Autos stammten 60 bis 70 Prozent des Ressourceneinsatzes aus der Herstellung, nur 30 bis 40 Prozent aus dem laufenden Betrieb. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Deshalb sei es zumindest aus dieser Perspektive sinnvoll, ein Fahrzeug so lange wie möglich zu nutzen, sagt Wilts. Nach Berechnung des Instituts beträgt das Gewicht des sogenannten ökologischen Rucksacks eines Autos rund 40 Tonnen - das ist die Summe der Ressourcen, die bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung verbraucht werden.

Mit der sogenannten Umweltprämie bieten Autohersteller Rabatte von bis zu 10.000 Euro an, wenn Eigentümer ihre Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4 verschrotten; die Autos sind zum Teil keine zehn Jahre alt. Umweltpolitisch besonders bedenklich findet Wilts, dass VW die Verbraucher zum Kauf eines schweren Touareg-Geländewagens mit 10.000 Euro lockt, es für einen Golf aber nur die Hälfte gibt. Das Vorgehen der Autoindustrie ignoriere das Ziel der Bundesregierung, die Ressourceneffizienz bis 2020 gemessen an 1990 zu verdoppeln, kritisiert Wilts: "Dieses Ziel werden wir nicht erreichen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

mhe

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP