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Auto

Nissan Leaf

Der E-Weltmeister

Kein E-Auto verkauft sich weltweit besser als der Leaf. In Tokio stellte Nissan nun die zweite Generation vor. Sie erhielt mehr Reichweite, fährt teilautonom und soll nicht mehr kosten als der Vorgänger. Das freut nicht jeden.

Nissan
Aus Tokio berichtet Michael Specht
Mittwoch, 06.09.2017   16:48 Uhr

Geht es um vollmundige Ankündigungen in Sachen Elektromobilität mag Tesla-Gründer Elon Musk die Pole Position einnehmen. Immerhin sollen für das kürzlich gestartete Model 3 mehr als eine halbe Million Vorbestellungen auf dem Tisch liegen.

Doch die müssen erst einmal auf die Straße kommen. De facto nimmt ein anderer Hersteller bei E-Autos die Spitzenstellung ein: Der Leaf von Nissan gilt als das erste in Großserie gefertigte Elektroauto, und er hat es trotz seines etwas eigenartigen Aussehens zum Bestseller geschafft. Seit dem Debüt 2010 rollten fast 300.000 Leaf von den Bändern, mehr als von jedem anderen E-Modell. Addiert, so behauptet Nissan, haben alle Leaf-Besitzer rund 3,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt.

Jetzt kommt Generation zwei auf den Markt. In Japan beginnt der Verkauf des neuen Leaf im Oktober. Allein dort werden doppelt so viele Verkäufe erwartet wie zuvor. Nach Deutschland kommt der Stromer, in der Länge um fünf Zentimeter auf 4,49 Meter gewachsen, im Januar. Sein Design bleibt eigenwillig. Käufer von Elektroautos wollen sich schließlich von Besitzern konventioneller Diesel- und Benzinautos abheben. Das Tesla Model S und ein BMW i3 sind hier beste Beispiele.

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Nissan Leaf: Der E-Weltmeister

Unter dem Blech wurde viel verändert. Mit dem Vorgänger teilt der Leaf eigentlich nur noch seinen Namen. Der Motor wurde neu entwickelt und hat jetzt 110 kW/150 PS anstatt wie zuvor 80 kW/109 PS. Das Drehmoment stieg von 250 auf 320 Newtonmeter, was den Leaf deutlich souveräner im Anzug machen dürfte. Wichtigstes Element aber ist die Batterie, beziehungsweise deren Kapazität. Die im Wagenboden platzierten Lithium-Ionen-Zellen kommen jetzt auf 40 kWh. Das soll nach europäischem Fahrzyklus für eine Strecke von 378 Kilometer reichen. In der Realität werden es wohl nur gute 300 Kilometer sein. Dies zeigt in verschiedenen Tests bereits der Renault Zoe, der brutto ebenfalls mit 400 Kilometer angegeben wird.

Nachteil der großen Batterie bleibt die lange Ladezeit. An einer normalen Steckdose zu Hause dauert es beim Leaf 16 Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Wer also abends spät heimkommt und morgens wieder mit komplett geladener Batterie los will, braucht einen stärkeren Anschluss. Vermutlich Ende 2018 soll es einen 60-kWh-Speicher geben, gut für eine Reichweite von mehr als 500 Kilometer - inklusive stärkerem Motor.

Der Leaf dient als Pufferspeicher

Im Innenraum gibt es wenige Überraschungen. Geblieben ist der kleine Joystick auf der Mittelkonsole, um den Gang einzulegen. Der Rest ist mehr oder weniger konventionell gehalten: T-förmiges Armaturenbrett mit einem großen Display in der Mitte und Cockpit hinter dem Lenkrad. Wer genauer hinschaut, entdeckt jedoch einen kleinen Schalter mit der Aufschrift "e-pedal". Auf ihn sind die Entwickler besonders stolz. Wird er gedrückt, lässt sich der Leaf weitestgehend nur über das Fahrpedal bedienen. Beschleunigen, rollen, verzögern. Das Bremspedal kommt nur noch im Notfall zum Einsatz.

Ebenso neu an Bord ist ein teilautonomes Assistenzsystem, genannt ProPilot. Ausprobieren konnte man das Feature bereits in einem Nissan Serena Familien-Van. Das System folgt dem Vordermann brav auch in Kurven, hält die Spur mittig zwischen den Linien, bremst, beispielsweise im Stau, bis zum Stand ab und fährt innerhalb von drei Sekunden auch wieder selbstständig an. In der Sprache des Autonomen Fahrens befindet sich der ProPilot auf dem sogenannten Level 2. Das bedeutet, die Hände müssen am Lenkrad bleiben. Auf den Schoß legen kann der Leaf-Fahrer sie jedoch beim rückwärtigen Einparken. Die gesamte Prozedur inklusive Lenken, Rollen und Bremsen übernimmt der Computer.

Der Leaf lässt sich in Deutschland nur schwer verkaufen

Trotz der größeren Batterie und besseren Ausstattung will Nissan den Leaf preislich auf dem Niveau des Vorgängers lassen. Genannt wird eine Summe von 31.950 Euro (altes Modell mit 30-kWh-Speicher: 31.265 Euro). "Bezogen auf die höhere Batteriekapazität ist der neue Leaf sogar günstiger", sagt Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Center Europe GmbH. Abzüglich der staatlichen Prämie von 2.000 Euro plus 3.000 Euro, die Nissan-Händler derzeit für das alte Modell dazugeben, würde der neue Leaf weniger als 27.000 Euro kosten. Noch ist allerdings offen, ob diese interne Förderung beibehalten wird. Hausch plant, auf maximal 2.000 Euro zu gehen.

Produziert wird der Leaf nach wie vor an drei Standorten: Yokohama in Japan, Sunderland in England und Nashville in den USA. Bei dem kompakten Hatchback soll es nicht bleiben. Im Trend liegen SUVs. Erfolg versprechend könnte also auch ein Elektroauto in Form und Größe des Qashqai sein. Zu hören ist, dass Nissan schon im nächsten Monat auf der Tokyo Motor Show hierzu ein Concept Car vorstellen will.

So gut und technisch fit sich der neue Leaf auch zeigt, Besitzer eines alten Modells dürften das mit gemischten Gefühlen sehen, wird es für sie doch zunehmend schwieriger, ihren Stromer zu verkaufen. Das Gebrauchtwagen-Portal mobile.de ermittelt hier von Monat zu Monat die durchschnittlichen Standzeiten. Während der Nissan Leaf momentan 217 Tage beim Händler verweilt, bevor ein Kunde kauft, kommt der e-Golf auf 171 Tage. Am meisten nachgefragt in diesem Segment ist derzeit der BMW i3. Er stromert nach durchschnittlich 92 Tagen vom Hof.

insgesamt 93 Beiträge
vomDeich 06.09.2017
1. Wow ganze 300 Km fahren
dann 16 Stunden tanken, das ganze bei 35.000.- Euro, da kann man bestimmt auch noch einen Wohnwagen mit ziehen...und echt günstig für so einen Arbeitnehmer der mit seinem aktuellem Auto die Luft verpestet und da der meist auch [...]
dann 16 Stunden tanken, das ganze bei 35.000.- Euro, da kann man bestimmt auch noch einen Wohnwagen mit ziehen...und echt günstig für so einen Arbeitnehmer der mit seinem aktuellem Auto die Luft verpestet und da der meist auch noch einen befristeten Arbeitsvertrag hat, zahlt die Bank sofort einen Kredit aus. Okay, kein Geld mehr für Miete und Essen aber (an alle Ökolisten) fährt sauber mit einer Batterie deren Erzeugung ein menschlicher.- und Ökologischer Wahnsinn ist. Gratulation, das sind wahrlich echte Lösungen....
Muttimörkel 06.09.2017
2. Umdenken gefordert!
Die Elektromobilität kommt gerade erst in Schwung und die Entwicklungssprünge werden am Anfang gewaltig sein! Das Auto wird daher einen ähnlichen Weg gehen, wie es die PCs in den 90ern erfahren haben. Nach 3-4 Jahren sind sie [...]
Die Elektromobilität kommt gerade erst in Schwung und die Entwicklungssprünge werden am Anfang gewaltig sein! Das Auto wird daher einen ähnlichen Weg gehen, wie es die PCs in den 90ern erfahren haben. Nach 3-4 Jahren sind sie obsolet und technisch vollkommen veraltet. Klar kann man sie dann noch weiter benutzen, wer aber das geld dafür hat, wird sich was neues kaufen! Vermutlich werden in Zukunft daher weniger Menschen ein Bar bezahltes Auto selbst besitzen, sondern es wird eher auf ein Miet-, Leasing- oder Carsharingmodell hinauslaufen. Auch um das Recycling muss man sich Gedanken machen!
seven21 06.09.2017
3. Blinder Aktionsimus
Dieser ganze Hype um E-Mobilität ist blinder Aktionismus, der aktuell Probleme nicht löst, sondern nur verschiebt. Womit bitte wird den der Großteil des Stroms produziert? Mit Kohle, die die CO2-Klimaziele unerreichbar [...]
Dieser ganze Hype um E-Mobilität ist blinder Aktionismus, der aktuell Probleme nicht löst, sondern nur verschiebt. Womit bitte wird den der Großteil des Stroms produziert? Mit Kohle, die die CO2-Klimaziele unerreichbar machen würde? Oder mit Kernenergie, die unseren Kindern strahlenden Müll hinterlässt, der weiß Gott wie entsorgt werden kann? Dazu die ganzen Akkus, die bestenfalls 3 Jahre halten und dann Sondermüll sind. Wir könnten aktuell nicht mal genügend Strom produzieren, wenn 20-30% der Menschen auf ein E-Auto umsteigen würden. Das Thema Feinstaub durch Reifenabrieb / Bremsstaub ist damit auch nicht gelöst. Wenn grüne Politik, dann richtig, aber nicht nur Wahlkampfgetöse. Dasselbe ist doch der Wechsel von Diesel zu Benziner. Da wird sich Stickoxidersparnis mit CO2-Ausstoß erkauft. Keine Frage, der Verbrenner muss weg, aber mit Augenmaß und ohne Verschiebung der Probleme.
Plasmabruzzler 06.09.2017
4.
Bei dem Preis kann man sich ja ausrechnen, wie viele Kilometer man mit einem gleichwertigen Benziner fahren kann. Dann sollte man sich überlegen, ob sich der Kauf des Autos lohnt.
Bei dem Preis kann man sich ja ausrechnen, wie viele Kilometer man mit einem gleichwertigen Benziner fahren kann. Dann sollte man sich überlegen, ob sich der Kauf des Autos lohnt.
chaps 06.09.2017
5.
Außer das einige Ihrer Behauptungen schlicht falsch sind haben Sie Recht: Am besten wir lassen alles wie es ist! Wozu Innovationen, wozu Weiterentwicklungen? Die Industrie sollte einfach bauen, was sie schon immer gebaut hat. [...]
Zitat von seven21Dieser ganze Hype um E-Mobilität ist blinder Aktionismus, der aktuell Probleme nicht löst, sondern nur verschiebt. Womit bitte wird den der Großteil des Stroms produziert? Mit Kohle, die die CO2-Klimaziele unerreichbar machen würde? Oder mit Kernenergie, die unseren Kindern strahlenden Müll hinterlässt, der weiß Gott wie entsorgt werden kann? Dazu die ganzen Akkus, die bestenfalls 3 Jahre halten und dann Sondermüll sind. Wir könnten aktuell nicht mal genügend Strom produzieren, wenn 20-30% der Menschen auf ein E-Auto umsteigen würden. Das Thema Feinstaub durch Reifenabrieb / Bremsstaub ist damit auch nicht gelöst. Wenn grüne Politik, dann richtig, aber nicht nur Wahlkampfgetöse. Dasselbe ist doch der Wechsel von Diesel zu Benziner. Da wird sich Stickoxidersparnis mit CO2-Ausstoß erkauft. Keine Frage, der Verbrenner muss weg, aber mit Augenmaß und ohne Verschiebung der Probleme.
Außer das einige Ihrer Behauptungen schlicht falsch sind haben Sie Recht: Am besten wir lassen alles wie es ist! Wozu Innovationen, wozu Weiterentwicklungen? Die Industrie sollte einfach bauen, was sie schon immer gebaut hat. Wird auch so schon funktionieren!
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