04.12.2007
Hennessey Venom GT
Das pure Gift
Von Tom GrünwegDie Schmach für Bugatti-Eigner VW sitzt tief. Seit der amerikanische Tuner John Hennessey in diesem Frühjahr den Bugatti Veyron entzauberte hat, plagen manchen Multimillionär Zweifel. Kann es wirklich sein, dass ein rustikaler US-Sportwagen die Luxusflunder aus Molsheim stehen lässt? Doch ganz so arg ist es ja gar nicht: Schneller als der Bugatti war die Viper nur beim Sprint von 0 auf 200 Meilen pro Stunde (322 km/h).
Hennessey hatte den Werkswagen, dessen 8,4-Liter-Zehnzylinder normalerweise auf 600 PS und 760 Nm kommt, mit Hilfe zweier Turbolader auf 1000 PS und 1500 Nm aufgezwirbelt. Somit war das Auto dem 1001 PS starken Bugatti ebenbürtig - und schoss in 20,3 Sekunden aus dem Stand auf 200 Meilen pro Stunde.
Wer meint, Bugatti-Fahrer könnten sich ja weiterhin mit der höheren Endgeschwindigkeit von mehr als 400 km/h trösten, irrt vermutlich. Denn Hennessey, bislang mit dem Schärfen von Fremdfabrikaten beschäftigt, plant jetzt ein eigenes Auto - und zwar ein sehr, sehr schnelles. Gerade hat der Meister der Beschleunigung erste, viel versprechende Skizzen des Venom GT veröffentlicht. Der Name ist Programm: Denn Venom steht im englischen für Gift, und giftig wird der Wagen ohne Zweifel.
Aus der Feder des britischen Designers Steve Everitt kommt eine Flunder, die auch an jedem Tourenwagenrennen teilnehmen könnte: Die Schnauze flach und breit, das Dach mit dem markanten Ansaugschnorchel nur hüfthoch, und jeder freie Quadratzentimeter wird für Lüftung, Kühlung oder Aerodynamik genutzt. Hinter den Passagieren steckt der Antrieb aus Hennesseys Viper, der in diesem Auto noch leichteres Spiel haben wird. Denn Carbon und Kunststoff drücken das Gewicht unter 1250 Kilogramm. Bei exakt 1000 PS liegt das so genannte Leistungsgewicht deshalb mit 1,25 Kilogramm auf einem Niveau, das selbst Rennwagen nur selten erreichen.
Erwartete Höchstgeschwindigkeit: 421 km/h
Die erwarteten Fahrleistungen sind entsprechend beeindruckend: Von 0 auf 100 wird die Giftspritze in weniger als 2,5 Sekunden beschleunigen, und für den Sprint auf 300 km/h sollten allenfalls 14 Sekunden vergehen, verspricht Firmenchef John Hennessey. Eher beiläufig versteckt er in den technischen Daten auch eine Zahl, die Bugatti-Fahrer schaudern lassen wird: Eine Höchstgeschwindigkeit von 421 km/h soll sein GT schaffen und so zu einem der schnellsten Straßenfahrzeuge aller Zeiten werden.
Dabei geht es ihm vorgeblich gar nicht um den Wettkampf mit dem Veyron, auf den Hennessey große Stücke hält. "Der Bugatti ist ein ultra-schneller und ultra-luxuriöser Sportwagen, der ganz zufällig besser beschleunigt und schneller fährt als jedes andere Auto auf der Straße", sagt Hennessey. Dann schiebt er nach: "Außer natürlich unserem Venom 1000 Twin Turbo, der ihn im Sprint auf 200 Meilen pro Stunde geschlagen hat." Dass er den Bugatti mit dem Venom GT nun vollends vom Thron stoßen möchte, weist der Tuner allerdings von sich. "Unser Auto wird ein sehr viel engagierterer Sportwagen, der den Fahrer deutlich mehr fordern wird." Nicht umsonst solle das Auto eine gute Tonne leichter werden als der Veyron.
Bei entsprechender Nachfrage gibt es grünes Licht
Das klingt äußerst selbstbewußt. In den USA ist Hennessey so etwas wie die amerikanische Antwort auf Mercedes-Tuner Brabus. Weitgehend konzentriert auf Veredelung und Beschleunigung ohnehin schon sportlicher SRT-Modelle aus dem Chrysler-Konzern, betreibt er das Geschäft mit der Geschwindigkeit mit großem Ernst: Gerade entsteht im unternehmenseigenen Motorsportpark vor den Toren der texanischen Hauptstadt Houston ein neues Produktions- und Entwicklungszentrum.
Ob es dem Amerikaner nun auch zum ersten eigenen Auto reicht, ist noch nicht sicher. "Wir haben zwar eine ganze Reihe von Kunden, die ein großes Interesse an einem leichteren Mittelmotor-Sportwagen hätten", sagt der Firmenchef. "Doch jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf den Bau zweier Prototypen, die bis 2009 fertig sein sollten." Erst dann werde man wirklich wissen, wie das Auto ankommt. Wenn die Vollgas-Freunde die Brieftaschen zücken, dürfte dem Bau nichts mehr im Wege stehen. Hennessey: "Entsprechende Nachfrage vorausgesetzt, könnten wir uns eine Kleinserie durchaus vorstellen."