Lade Daten...
15.08.2008
Schrift:
-
+

BMW X5 Security

Leichtpanzer aus Mexiko

Von Tom Grünweg

Sicherheit im Auto: Da reicht den meisten Kunden Airbag, ESP und ABS. Doch eine kleine, aber wichtige Käuferschicht hat andere Sorgen. Sie sucht Schutz vor Waffengewalt. Dafür baut zum Beispiel BMW jetzt wieder einen gepanzerten X5 Security.

Gustavo Eduardo Ininguez ist nicht zu beneiden. Denn wann immer der Finanzmakler in seiner Heimatstadt Mexiko City vor die Tür tritt, schwebt er in Gefahr. "Entführungen sind hier leider mittlerweile an der Tagesordnung, und die Straßenkriminalität wird immer schlimmer", sagt er. An jeder Ecke könnte plötzlich ein Angreifer mit der Pistole ans Fenster klopfen. Deshalb ist Ininguez mit einem normalen Auto nicht geholfen. Der Mittfünfziger hat für sich und seine Familie eine ganze Flotte von gepanzerten Fahrzeugen gekauft, die ihn vor Gefahrensituationen beim Einkaufen, beim Weg zum Mittagessen oder auf Dienstreisen schützen sollen.

Nicht überall geht es so heiß her wie auf den Straßen von Mexiko. "Doch die Nachfrage nach Sonderschutzfahrzeugen wächst weltweit", sagt BMW-Sprecher Andreas Lampka, "allein wir verkaufen jedes Jahr eine vierstellige Zahl von Autos mit Security oder High-Security-Ausstattung." Davon viele auch in Europa. "Selbst in Deutschland wird das Interesse größer."

Deshalb bringen die Bayern ihre Security-Modellpalette jetzt auf Vordermann. Neben dem gepanzerten BMW 5er werden sie auch den neuen 7er zur automobilen Trutzburg aufrüsten. Und nach dem Generationswechsel beim X5 gibt es zum Frühjahr den Geländewagen ebenfalls als Panzerschrank auf Rädern. SPIEGEL ONLINE war mit einem ersten Erprobungswagen bereits unterwegs.

Gebaut wird der X5 Security dort, wo der Bedarf derzeit offenbar am größten ist: in Mexiko. In Toluca vor den Toren der Hauptstadt eröffnete BMW 1995 ein kleines Werk, um mit der Endmontage vorgefertigter Autos die teuren Importzölle zu umgehen. Seit den ersten Tagen wurden dort auch Limousinen wie 3er und 5er gepanzert, und zwischendurch haben die BMW-Experten im Lohnauftrag sogar 100 Porsche 911 mit einem Schutzschild aufgerüstet.

Nachdem inzwischen eine Reihe von Freihandelsabkommen die sogenannte CKD-Montage überflüssig machen, kommen die normalen Autos für Mexiko nun fahrfähig vom Schiff aus Deutschland oder dem US-Werk in South Carolina. Doch weil eine Investorengruppe die Fabrik im Grüngürtel der Millionenmetropole übernommen hat, läuft die Produktion der Sonderschutzfahrzeuge weiter. Alle sogenannten Leichtpanzer von BMW, egal ob sie nach Mittelamerika, nach Russland oder nach Europa verkauft werden, entstehen deshalb in Mexiko.

250 Arbeitsstunden für die Panzerung

Mit dem Dauerauftrag aus München hat Werksleiter Ulrich Gut reichlich zu tun. Knapp 40 Monteure rüsten dort maximal zwei Autos pro Tag mit speziellen Schutztechniken aus. Die meisten Teile der Panzerung kommen maßgeschneidert und vorkonfektioniert von Speziallieferanten. Dann wird das Interieur ausgebaut, um die insgesamt rund 200 neuen Teile aus Spezialstahl und widerständigen Kunstfasern wie Aramid oder Kevlar einbauen zu können; zudem eine Alarmanlage, eine Wechselsprechverbindung und das gut zwei Zentimeter dicke Panzerglas. Dabei vergehen bis zu 250 Arbeitsstunden.

"Ein normales Auto zu bauen dauert heute dagegen nur noch etwa 35 Stunden", sagt Gut und erklärt so, warum BMW sich die Arbeit gut bezahlen lässt. 49.000 Euro kostet das Security-Paket für den BMW X5. Nimmt man alle zwingenden Optionen vom V8-Motor bis zur Aktivlenkung hinzu, kommt man in Deutschland auf einen Grundpreis von 127.000 Euro. Das ist eine stattliche Summe, doch wenn es um Leib und Leben geht, sollte man besser nicht knauserig sein. Deshalb stört es den Besitzer sicher nicht, wenn der Verbrauch mit dem zusätzlichen Gewicht weiter klettert, der schon auf dem Papier bei 13,1 und im Alltag auch mal weit über 20 Litern je 100 Kilometern liegt.

Die dickste Panzerung gibt es nur für den 7er

Viel wichtiger ist das gute Gefühl, dass man auch in den übelsten Stadtvierteln zu den ungünstigsten Zeiten einigermaßen sicher unterwegs ist. Sind die Türen verriegelt und die Fenster geschlossen, kann kaum mehr etwas passieren. "Solange man einfach weiterfährt, ist man sicher", sagt Guts Partner Carlos Wieda. Unterschiede in der Panzerung gebe es allerdings durchaus, erläutert Wieda. "Die Security-Fahrzeuge sind vor allem zum Schutz vor Straßenkriminalität wie Diebstahl, Carjacking oder Entführungen gedacht. Deshalb erfüllen sie die Norm B4 und sind gegen fast jede Art von Faustfeuerwaffen, zum Teil bis hin zur Maschinenpistole, gewappnet."

Wer dagegen regelrechte Anschläge fürchtet, braucht Fahrzeuge der Beschussklasse B6, die auch Sprengstoffen und Gewehrkugeln Stand halten. Bei BMW schafft das nur der 7er, der nicht in Mexiko, sondern im Werk Dingolfing gepanzert wird - und etwa eine halbe Million Euro kostet.

"Nur mit der Panzerung alleine ist es nicht getan", sagt Wieda. Immerhin bringt der X5 Security knapp 500 Kilogramm mehr auf die Waage. Und mit einer erlaubten Zuladung von weiteren 510 Kilo kann das Gewicht des Dickschiffs mehr als drei Tonnen erreichen. "Da muss man auch das Fahrwerk, die Bremsen und Regelsysteme wie das ESP anpassen", sagt Wieda. "Deshalb fährt sich ein vom Werk gepanzerter Wagen fast wie ein Serienmodell", schwärmt der Experte. Die Autos der zahlreichen Nachrüster dagegen rappeln nicht nur viel mehr, sie gehen auch früher in die Knie. Das Fahrverhalten ist bisweilen bescheiden, und nach zwei, drei Jahren sind viele dieser Autos reif für den Schrott, bestätigt Stammkunde Ininguez, der den gepanzerten X5 schon bestellt hat.

Im Ernstfall die Flucht über den Grünstreifen

Ganz unbeeindruckt von der Last bleibt allerdings auch der X5 nicht. Obwohl der Motor 355 PS und 475 Nm auf die Straße bringt und es auch hinter den Panzerglasscheiben noch klingt wie in einem Sportwagen, gönnt sich der V8 für den Sprint von 0 auf 100 eine Sekunde mehr und braucht nun 7,5 Sekunden. Und die Höchstgeschwindigkeit haben die Bayern mit Rücksicht auf die Notlaufreifen von 240 auf 210 km/h herabgesetzt. Dennoch ist das Schlachtross überraschend handlich und agil. Und genau darauf kommt es im Ernstfall an. "Natürlich genieße ich auch den Komfort im 7er", sagt Ininguez. Doch für brenzlige Situationen sei ein Geländewagen wie der X5 passender. "Man hat einen besseren Überblick, man hat genug Motorkraft, Allradantrieb, und wenn es sein muss, kommt man auch über Bordstein oder Grünstreifen davon."

Ganz anders als sonst bei BMW liebt die Kundschaft der Security-Modelle den dezenten Auftritt. Auf Accessoires wie Blaulichter, Rammbügel oder Dutzende von Antennen haben die Bayern deshalb verzichtet. "Eine gute Tarnung ist schon die halbe Miete", sagt der mexikanische VIP-Kundenbetreuer Erik Suarez und betont, dass zwischen dem Security-Fahrzeug und einem normalen X5 kaum einen Unterschied erkennbar ist. "Je mehr du auffällst, desto größer wird das Risiko."

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Fahrzeugschein

Hersteller: BMW
Typ: X5 Security
Karosserie: Geländewagen
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 4.799 ccm
Leistung: 355 PS (261 kW)
Drehmoment: 475 Nm
Von 0 auf 100: 7,5 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 13,1 Liter
CO2-Ausstoß: 312 g/km
Kofferraum: 620 Liter
umgebaut: 1.750 Liter
Preis: 127.000 EUR

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema BMW-Modelle
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten