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08.01.2010
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Größter Rolls-Händler der Welt

Feilschen mit Emily

Aus Doha berichtet Tom Grünweg

Seit Lawrence von Arabien 1915 mit einem Rolls Royce Silver Ghost durch die Wüste preschte, steht die Marke im Nahen Osten hoch im Kurs. Unlängst eröffnete in der Golfregion der weltweit größte Händler der britischen Nobelmarke - Absatzschwierigkeiten gibt es trotz der Finanzkrise nicht.

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Rolls-Royce-Händler in Doha: Wasser, Kaffee, Tee?
Was China und Indien für Massenanbieter, das ist die Golfregion für Hersteller von Luxusautos: eine Goldgrube. Im Mittleren Osten versiegt der Reichtum offenbar nie, gekauft wird nur das Teuerste - Krisenszenarien hin oder her. Da ist es nur logisch, dass die Nobelmarken dort den großen Auftritt proben: Ferrari baut in Abu Dhabi einen millionenschweren Themenpark, und in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar, hat Rolls Royce vor wenigen Wochen den größten seiner weltweit kaum hundert Verkaufsräume eröffnet.

Geräumig wie eine Tennishalle und vornehm wie die Lobby eines Luxushotels, soll er die Einheimischen locken, die für die britische Marke mittlerweile zu den wichtigsten Kunden zählen. "Etwa 20 Prozent der rund 1000 Rolls-Royce-Käufer des letzten Jahres kamen aus der Golf-Region", sagt Katars Verkaufschef Joseph Tayyar. "Die meisten Modelle verkauft Rolls-Royce nach wie vor in London, aber wir kommen dicht dahinter", erklärt Tayyar.

Der Macher hinter den Kulissen ist Omar Alfardan, dessen Familie nicht nur Geld mit Immobilien und Schmuck macht, sondern seit 1996 auch Generalimporteur für BMW ist und damit auch die Geschäfte der Tochterfirma Rolls Royce verantwortet. Sportlicher orientierte Millionäre bekommen im Alfardan-Imperium auch Ferrari und Maserati - der Einfachheit halber direkt gegenüber.

Die neue Immobilie steht mit moderner Design-Architektur im deutlichen Gegensatz zu den immer noch barock anmutenden Automobilen. Marmorfußboden und vollflächige Deckenleuchten, dazu Skulpturen, Blumengebinde, und mittendrin eine Lounge, in der Tayyar bei französischem Wasser, italienischem Kaffee oder englischem Tee mit den Kunden oft an mehreren Tagen nacheinander über Holzvorlagen, Lackmuster und Lederproben diskutiert, damit stets ein ganz persönlicher Rolls herauskommt. Dazu singt passenderweise Tom Jones, der seinen Rolls dereinst im Swimmingpool versenkte.

Der Standort ist gut gewählt. Nicht nur, weil das Emirat Katar als die dezentere Alternative zum protzigen Dubai gilt und die stabileren Wachstumsprognosen aufweist. Sondern auch, wie Tayyar sagt, "weil hier das direkte Umfeld stimmt." Das "The Pearl" genannte, künstliche Eiland, auf dem Rolls Royce residiert, ist eine Insel des Wohlstands. Neben einem Hafen für Luxusyachten und einer Flaniermeile gibt es dort vor allem Spitzenhotels, Fünf-Sterne-Appartements und die nobelsten Boutiquen weit und breit. "Die Nachbarn heißen Gucci, Versace oder Tiffanys", sagt der Hausherr. "Das ist der ideale Zeitvertreib für Frauen und Familie, wenn das Oberhaupt ein neues Auto bestellt."

Noch gibt es viel Platz im Showroom - für das neue Modell Ghost

Obwohl ein Phantom-Modell mit langer Karosserie und eine kurze Version, dazu ein Cabrio und ein Coupé ausgestellt sind, ist es noch vergleichsweise leer im Showroom. "Wir brauchen den Platz", sagt Tayyar mit Blick auf das neue Modell Ghost. Zumal auch dieses Auto, wie Rolls-Royce-Chef Tom Purves unlängst durchblicken ließ, in diversen Karosserievarianten angeboten werden soll.

Einer der ersten Ghost-Kunden in Katar wird Scheich Mohammed, der sein Exemplar schon vor mehr als einem Jahr bestellt hat. Seitdem kommt der Endzwanziger regelmäßig bei Tayyar vorbei und sieht nach dem Rechten. "Ich will schließlich einer der ersten sein, die das Auto bekommen", sagt der junge Mann, der in traditioneller Kleidung auftritt, aber mit Smartphone und Laptop.

Bislang fuhr Scheich Mohammed einen Mercedes, S-Klasse. "Der Ghost wird mein erster Rolls Royce", sagt der Sohn aus einer der einflussreichsten Familien des Landes, "aber vielleicht nicht der letzte". Denn er hat sich bei seinen Besuchen wohl ein paar Mal zu oft in das Phantom Cabrio gesetzt und sich ein bisschen in den Wagen verguckt.

Obwohl Geld eigentlich keine Rolle spielt, wird heftig gefeilscht

"70 Prozent aller je gebauten Rolls Royce sind noch auf der Straße, und viele davon gehören noch den gleichen Besitzern", berichtet Tayyar, der auch schon einmal drei Rolls-Royce-Exemplare auf einen Schlag verkauft hat. Die Verkaufsverhandlungen können sich in die Länge ziehen, denn die Ermittlung des endgültigen Preises braucht Zeit. Auch wenn hier keiner auf den Dollar schauen muss, wird heftig gefeilscht. Tayyar zuckt mit den Schultern: "So ist eben unser Naturell."

"Früher kamen manche Scheichs tatsächlich mit Koffern voller Bargeld in den Laden", erinnert sich Tayyar. "Aber heute zahlen die Kunden per Überweisung, und viele Autos werden auch bei uns finanziert oder geleast. Business as usal eben."

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
1. Die Zeit
dehnübung 08.01.2010
"Die Nachbarn heißen Gucci, Versace oder Tiffanys", sagt der Hausherr. "Das ist der ideale Zeitvertreib für Frauen und Familie, wenn das Oberhaupt ein neues Auto bestellt." Es muß schwer sein sich dort die [...]
"Die Nachbarn heißen Gucci, Versace oder Tiffanys", sagt der Hausherr. "Das ist der ideale Zeitvertreib für Frauen und Familie, wenn das Oberhaupt ein neues Auto bestellt." Es muß schwer sein sich dort die "Zeit" zu vertreiben. Ich möchte die Zeit nicht "vertreiben", ich liebe sie. Immer mal wieder stelle ich mir, wenn ich nach Stunden mit dem MTB auf einem Hügel stehe und über das nordhessische Bergland schaue die Frage, ob ich dieses Gefühl jetzt gegen irgendetwas eintauschen möchte, bei freier Auswahl. Zum Glück konnte ich die Frage bis jetzt noch immer mit, "Nein", beantworten. Wer sich keinen Rolls leisten kann und wer deshalb ganz unglücklich ist, kein Geld für die Edelshops hat, oder sogar arbeitslos ist, dem kann ich nur zum Ausdauersport raten. Ein besseres Gefühl gibt es nicht, denn es kommt von innen. Und wer einen Rolls hat, oder vielleicht sogar zwei, dem kann ich nur raten das gleiche zu tun, dann merkt er/sie möglicherweise irgendwann, welche Gefühle und welcher Zustand wirklich von Vorteil ist. Alles wird gut!
2. Mtb
C-W-W 08.01.2010
[QUOTE=dehnübung;4807172]Immer mal wieder stelle ich mir, wenn ich nach Stunden mit dem MTB auf einem Hügel stehe und über das nordhessische Bergland schaue die Frage, ob ich dieses Gefühl jetzt gegen irgendetwas eintauschen [...]
[QUOTE=dehnübung;4807172]Immer mal wieder stelle ich mir, wenn ich nach Stunden mit dem MTB auf einem Hügel stehe und über das nordhessische Bergland schaue die Frage, ob ich dieses Gefühl jetzt gegen irgendetwas eintauschen möchte, bei freier Auswahl. QUOTE] Schön, wenn sich Menschen Zeit nehmen und lustige Abkürzungen erfinden...MTB und RR. Das ist wie Bratwurst und Kalbsfilet.
3. Rahmen
Ragnarrök 08.01.2010
Aber es würde nicht schaden zusätzlich einen RR in der Garage stehen zu haben. Mit dem könnten sie ihr Rad zu weiter entfernten, vllt. interessanteren Gegenden befördern. ps. Ein "neuer" Rahmen ist schon gekauft. [...]
Zitat von dehnübungImmer mal wieder stelle ich mir, wenn ich nach Stunden mit dem MTB auf einem Hügel stehe und über das nordhessische Bergland schaue die Frage, ob ich dieses Gefühl jetzt gegen irgendetwas eintauschen möchte, bei freier Auswahl. Zum Glück konnte ich die Frage bis jetzt noch immer mit, "Nein", beantworten.
Aber es würde nicht schaden zusätzlich einen RR in der Garage stehen zu haben. Mit dem könnten sie ihr Rad zu weiter entfernten, vllt. interessanteren Gegenden befördern. ps. Ein "neuer" Rahmen ist schon gekauft. ;-)
4. Gebrauchte Rolls....
mkalus 09.01.2010
.... sind ja recht billig. Ich haette mir letzten Sommer fast eien gekauft, bis mir klar wurde das ich den zwar in den Parkplatz bugsieren koennte, aber wohl nie mehr aus der Tiefgarage bekaeme, das ding ist einfach zu gross (auch [...]
.... sind ja recht billig. Ich haette mir letzten Sommer fast eien gekauft, bis mir klar wurde das ich den zwar in den Parkplatz bugsieren koennte, aber wohl nie mehr aus der Tiefgarage bekaeme, das ding ist einfach zu gross (auch wenn es spass machte den Wagen probe zu fahren). Also hab ich mich bescheiden verhalten: Einen 1969 Mercedes 220, faehrt auch nett :)
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