28.07.2010
Porsche 918 Spyder
Der Drei-Liter-Supersportwagen wird gebaut
Von Tom GrünwegEinen CO2-Ausstoß von 70 g/km und eine Nordschleifenrunde in weniger als 7 Minuten und 30 Sekunden - das galt bislang in einem Porsche unmöglich. Doch genau diese beiden Zahlen sind die Eckwerte, mit denen der Porsche 918 Spyder im Februar auf dem Genfer Salon allen anderen Autos die Schau gestohlen hat. Schneller als die meisten Straßensportler und sparsamer als jeder Kleinwagen - das war das Credo der Studie".
Allein das war schon überraschend. Doch mehr noch erstaunt eine Botschaft, mit der sich Porsche jetzt in die Sommerferien verabschiedet: "Der Aufsichtsrat hat in seiner heutigen Sitzung grünes Licht für die Serienentwicklung gegeben," meldet das Unternehmen am Dienstagabend. Entwickelt wird das Auto in Weissach und bauen will es Porsche am Stammsitz in Zuffenhausen.
Vorausgegangen sind nicht nur umfangreiche technische Analysen, sondern auch intensive Marktforschungen: Es war "die überwältigende Resonanz von Öffentlichkeit und Kunden", die jetzt zum Auftrag von Aufsichtsrat an Vorstand führte, auf Basis der Studie ein Serienfahrzeug zu entwickeln.
Strom aus der Steckdose
Auf den Messen in Genf und Peking haben die Schwaben bei ihren Umfragen nach Angaben von Pressesprecher Eckhard Eybl "eine vierstellige Zahl von Kunden" registriert, die die Frage nach einer konkreten Kaufabsicht mit "Ja" beantwortet haben. Und auch wenn die Konzernspitze sehr wohl weiß, dass es von dieser Aussage bis zur Unterschrift auf einem Scheck noch ein weiter Weg ist, war das offenbar Grund genug.
Der offene Zweisitzer soll neben einem V8-Motor mit mehr als 500 PS, der von einem aktuellen Rennwagen aus der American-Le-Mans-Serie abgeleitet wurde, noch mehrere Elektromotoren enthalten, die zusammen auf noch einmal 218 PS kommen. Außerdem hat die offene Karbonflunder einen Lithium-Ionen-Akku, und kann anders als bei einem konventionellen Hybriden auch an der Steckdose aufgeladen werden. So sollen bis zu 25 Kilometer im rein elektrischen Betrieb möglich sein. Schaltet man dagegen beide Antriebsarten zusammen, wird der 918 Spyder zum spurtstärksten Porsche im Programm: Nur 3,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100, und erst bei 325 km/h soll es vorbei sein mit der Raserei.
Damit wäre der 918 Spyder noch einmal zwei Nummern schärfer als die ebenfalls batteriebetriebenen Boliden Audi Etron und Mercedes SLS E-Cell, die gerade bei der Konzernschwester in Ingolstadt und beim Nachbarn in Sindelfingen entwickelt werden. Die beiden Stromsportler sind vielleicht nicht ganz so stark und schnell wie der Porsche, doch kommen sie dafür wohl früher in den Handel: Den Audi soll es zum Jahreswechsel 2011/2012 geben, und Mercedes verspricht die erste Auslieferung für 2013.
Frühestens in vier Jahren
Porsche dagegen schweigt sich zu einem möglichen Liefertermin noch kategorisch aus. "Viele der in der Studie eingesetzten Komponenten stehen gerade einmal am Beginn der Vorentwicklung. Da braucht es nicht viel Phantasie, um sich den Zeithorizont auszurechnen," sagt Pressemann Eybl. In weniger als vier Jahren dürfte der Wagen deshalb kaum aus der Boxengasse stromern.
Auch zum Preis macht Porsche noch keinerlei Angaben, nicht zuletzt weil der stark von der noch nicht entschiedenen Stückzahl und Kosten für die heute noch extrem teuren Akkus abhängt. Doch auch in diesem Punkt darf man sich wohl keine Illusionen machen. Mit Blick auf den Carrera GT, den letzten Supersportwagen von Porsche, der zum Verkaufsbeginn im Jahr 2003 immerhin 452.400 Euro gekostet hat, sagte Eybl, dass man ganz sicher "mit einem Supersportwagen-Preis plus Hightech-Aufschlag" rechnen müsse.

