18.10.2010
Supersportwagen Panoz Abruzzi
Zwischen Batmobil und Corvette
Von Tom GrünwegDon Panoz ist Kettenraucher und Multimillionär. Das Geld verdiente er mit Nikotinpflastern, und einen satten Teil des Vermögens steckt er gleich wieder in die Sportwagenmarke seines Sohnes Danny, die Panoz Automotive Development Company mit Sitz in Hoschton im US-Staat Georgia. Es ist kein nüchternes Investment, sondern eine Herzensangelegenheit. Denn Mister Panoz ist leidenschaftlicher Schnellfahrer und ein großer Fan des 24-Stunden-Rennens von Le Mans.
Sohn Danny präsentierte vor zwanzig Jahren das erste Auto der damals neu gegründeten Marke Panoz; der Roadster ging auf eine Konstruktion des ehemaligen Maserati- und Lotus-Entwicklers Frank Costin zurück. Zehn Jahre später stellte die Firma die erste komplette Eigenentwicklung vor, ein Modell namens Esperante, der so schräg aussah, wie der Name klingt.
Jetzt, erneut zehn Jahr später, ist das zweite Modell der Marke Panoz fertig geworden. Der Wagen trägt den Namen Abruzzi und den Namenszusatz "Spirit of Le Mans". 4,88 Meter lang ist das Auto, das umgerechnet rund 500.000 Euro kosten soll.
Panoz nennt als gestalterisches Vorbild des Abruzzi die stromlinienförmigen Rennwagen der Vorkriegszeit - zum Beispiel jene von Delahaye. Wer diese Autos nicht kennt, wird den Abruzzi eher in der Kategorie Batmobil einordnen. Die Frontpartie mit den doppelten Spoilern sieht aus wie ein zu groß geratener Käsehobel. Motorhaube und Flanken sind wild zerklüftet, das Dach trägt zwei eigenwillige Höcker, und das Heck sieht aus, als sei es mit roher Gewalt um die Hinterräder gespannt worden. Was man auf jeden Fall sagen kann: Die Optik ist unverwechselbar.
Ein Sportwagen für Europa - mit dem V8-Motor der Corvette
Gebaut werden sollen von dem Sportwagen exakt 81 Exemplare - das entspricht der Zahl der 24-Stunden-Rennen von Le Mans, die seit der Premiere dieses Rennens im Jahr 1923 bis zum avisierten Ende der Abruzzi-Produktion im Jahr 2013 stattfinden werden. Die Verbindung zu Le Mans trägt der Abruzzi also nicht nur im Beinamen und in der Auflage, sondern auch im Fahrgestell. Denn jedes der Autos erhält Seriennummer, die mit dem Renndatum je eines Jahres und den Initialen des damaligen Siegers korrespondiert. Und schließlich wird der Panoz Abruzzi, der für den europäischen Markt bestimmt ist, nicht in den USA, sondern auf der Rennstrecke von Le Mans in Frankreich ausgeliefert.
Als Antrieb des Zweitürers kommt ein bekanntes und bewährtes Aggregat zum Einsatz: der 6,2 Liter großen V8-Motor aus der Corvette; die Maschine leistet 640 PS und mobilisiert 821 Nm Drehmoment, was allemal gut sein dürfte für Sprintwerte um vier Sekunden und Geschwindigkeiten über 300 km/h. Die Karosserie ist laut Panoz eine absolute Premiere. Sie besteht aus einer neuen, mehrlagigen Kunstfaser, die genauso stark, aber um ein Vielfaches leichter sei als Karbon und obendrein noch problemlos recycelt werden könne.
Don Panoz und sein Sohn Danny erfüllen sich mit dem Abruzzi einen Traum - und krönen zugleich das PS-Imperium, das sie sich aufgebaut haben. Zum Geschäft gehört übrigens auch die American-Le-Mans-Series, eine Rennserie, die der Le-Mans-Enthusiast Panoz vor gut zehn Jahren aus der Taufe hob, weil er nicht nur einmal pro Jahr einen 24-Stunden-Klassiker sehen wollte, und weil er so zugleich eine passende Bühne für die Sportwagen seines Sohnes schuf.
Mit dem eigenen Wein hat der PS-Patron offenbar kein Glück
Dem Vollgas-Impresario gehört neben der Amercian-Le-Mans-Series mit bis zu zwölf Rennen pro Jahr auch die Rennstrecke "Road Atlanta" im US-Staat Georgia, auf der erst kürzlich wieder das Saisonfinale ausgetragen wurde. Darüber hinaus ist Panoz ist auch Eigentümer des gewaltigen Hotelkomplexes "Chateau Elan", das detailverliebt ein französisches Weingut imitiert - reihenweise Reben inklusive.
Als Winzer allerdings ist sein Geschick offenbar deutlich bescheidener als bei den Rennsport-Aktivitäten. Das jedenfalls behaupten die Rennfahrer der American-Le-Mans-Series, die am Abend nach dem letzen Saisonrennen stets zu einer Gala bei Don Panoz geladen sind. Dort wird dann der Hauswein von "Chateau Elan" ausgeschenkt. Der schmecke derart grauslich, erzählt man sich in der Boxengasse, dass viele Rennfahrer eigene Weinflaschen mit auf die Party schmuggeln.

