28.03.2011
Kostenvergleich Rad gegen Auto
Das Velo ist Sieger der Herzen
Von Holger Dambeck
Fahrrad gegen Auto: Die beiden Verkehrsmittel im Kostenvergleich
Es gibt viele Gründe, Rad zu fahren: Man nimmt die Welt intensiver wahr als im Bus oder Auto, es macht Spaß, vor allem auf kurzen Wegen in Städten sind Radler oft schneller am Ziel als Autofahrer. Und nicht zuletzt hilft das Pedalieren der Umwelt. Das Rad rollt emissionsfrei, weder stinkende Abgase noch klimaschädliches CO2 werden in die Luft gepustet.
Ein gewichtiges Argument sind natürlich auch die Kosten. Ein Auto ist in der Anschaffung viel teurer als ein Velo, gleiches gilt erst recht für die Betriebskosten. Schließlich wird das Rad von Muskelkraft angetrieben und schluckt kein Benzin. Wie aber fällt die Gesamtbilanz aus, wenn man möglichst alle Faktoren berücksichtigt, die sowohl Fahrer als auch die Gesellschaft tragen müssen?
Einen solchen gesamtwirtschaftlichen Vergleich von Pkw- und Radverkehr haben Verkehrsforscher aus Wien jetzt auf dem Kongress Velo-City 2011 in Sevilla vorgestellt. Gregor Trunk und Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen haben in ihrer Untersuchung sowohl die internen Kosten berechnet, die der Fahrer selbst tragen muss, als auch jene, die nicht der Einzelne bezahlt, sondern die Gesellschaft. Diese sogenannten externen Kosten, etwa Gesundheitsschäden durch Abgase, haben die Forscher auf den Verursacher umgelegt.
All diese internen und externen Kosten wurden dann pro Kilometer umgerechnet - für Rad und Pkw gleichermaßen. In den Kalkulationen ging es ausschließlich um den Stadtverkehr in Wien, Überland- oder Autobahnfahrten wurden nicht berücksichtigt, weil nach ihrer Aussage zum Beispiel der etwas höhere Verschleiß in der Stadt kaum eine Rolle spielt.
Radeln teurer als erwartet
Eine erste Überraschung lieferte die Kalkulation der Betriebskosten. Nachdem Trunk und Meschik die Positionen Anschaffung, Unterhalt, Reparaturen, Parken und Kraftstoff für beide Verkehrsmittel addiert und wiederum pro Kilometer berechnet hatten, landete das Auto bei 38,3 Cent, das Fahrrad bei 10,2 Cent. "Ich hätte gedacht, dass Radfahren viel billiger ist", sagte Meschik.
Die Betriebskosten sind jedoch nur ein Teil dessen, was Radler und Pkw-Fahrer selbst bezahlen müssen. Hinzu kommen noch die Folgekosten von Unfällen und die Kosten der Fahrzeit - beides Positionen, bei denen Radfahrer nach der Untersuchung der Wiener Verkehrsforscher mehr bezahlen als Autofahrer.
Bei den Kosten für die Fahrzeit haben Meschik und Trunk angenommen, dass eine Stunde im Verkehr die Betroffenen tatsächlich Geld kostet. Wenn jemand beruflich unterwegs ist, rechneten die Forscher mit 30 Euro pro Stunde. Der Weg zur Arbeit wurde mit 11 Euro, die Fahrt zum Supermarkt mit 8 Euro kalkuliert. Der Durchschnitt über alle Fahrten liegt bei 10 Euro pro Stunde.
Aus diesem Wert und den Durchschnittsgeschwindigkeiten von Autos und Rädern in Wien ergeben sich dann die gesuchten Zeitkosten pro Kilometer. Das schnellere Auto kommt dabei auf 54,3 Cent, das Fahrrad auf 66,5 Cent. Zumindest wenn die zurückgelegten Wege mit Auto und Rad gleich lang sind, zahlt der Radfahrer nach dieser Kalkulation also drauf. Das Erstaunliche an diesen Zahlen ist zudem, dass die Kosten der Fahrzeit deutlich über den laufenden Aufwendungen für Kraftstoff, Abschreibung und Reparaturen liegen.
Ein weiterer wichtiger Block sind die internen, also von Fahrer selbst zu tragenden Unfallkosten. Während die Belastung der medizinischen Behandlung größtenteils von der Allgemeinheit getragen werden (über die Krankenversicherung), muss der Verunglückte andere Positionen fast vollständig selbst übernehmen. Dazu gehört unter anderem der Wert menschlichen Leids, den Gesundheitsökonomen durchaus quantifizieren können.
Auch bei den internen Unfallkosten schneidet das Auto mit 1,4 Cent pro Kilometer besser ab, weil die Unfallfolgen für Pkw-Insassen innerorts meist weniger schwer sind als für Radfahrer. Radler kommen mit 6,3 Cent auf einen mehr als viermal so großen Wert.