13.05.2011
Elektromobilität
Regierung droht E-Auto-Ziel klar zu verfehlen
Berlin - Die Pläne der Bundesregierung sind ambitioniert - womöglich zu ambitioniert: Bis 2020 sollen nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition eine Million Elektroautos in Deutschland unterwegs sein. Doch die Ziele scheinen derzeit weiter entfernt denn je. Wenn überhaupt, dann sind es Behörden oder Betriebe, die ihre Dienstwagen-Flotten um ein paar E-Mobile ergänzen. In Privathand besitzen sie größeren Exotenstatus als ein alter Mercedes 300 SL. Wenn überhaupt, dann greifen einzelne Avantgardisten auf Leasing-Modelle zurück. Kein Wunder also, dass die Schätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) deutlich unter der angepeilten Million liegt. Bis 2020, befürchten die Experten, werden allenfalls rund 450.000 Stromer durch Deutschland summen.
Um die Lücke zu schließen, fordert das Gremium Sonderabschreibungen, zinsgünstige Darlehen, Steuervorteile, eine Bevorzugung beim Parken und eine umfassende Förderung zum Kauf von elektrisch betriebenen Dienstfahrzeugen.
Nicht nur die Stromer selbst sind teurer; Nach Berechnungen der Industrie kosten E-Autos derzeit im Schnitt bis zu 9000 Euro mehr, als herkömmliche Wagen mit Verbrennungsmotor. Allein für den Aufbau einer Ladesäule werden in dem Bericht 4700 bis 9000 Euro veranschlagt. Bis 2014 soll es 7000 öffentliche Ladepunkte geben, die bis zu 35,5 Millionen Euro kosten werden.
Die deutsche Industrie will bis 2014 branchenübergreifend rund 17 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Bis dahin sollen 100.000 E-Autos in Deutschland fahren - was jedoch nur möglich ist, wenn der Staat mit massiven Subventionen eingreift. Bis 2014 seien mindestens 220 Millionen Euro notwendig heißt es. Das würde rund 2200 Euro pro Auto entsprechen. Bislang gibt es rund 1500 E-Autos in Deutschland.
Dabei könnte sich das Investment in die Elektromobilität nicht nur in Bezug auf die Umwelt auszahlen, sondern auch in einem für die Regierung wahrscheinlich noch interessanteren Bereich. Bis 2020 könnten bei Automobil- und Zuliefererbetrieben sowie durch die Entwicklung der Ladestationen bis zu 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, heißt es in der Vorabversion des Berichts.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnt seit längerem vor einem Subventionswettlauf in Europa. Auch der bisherige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) betonte wiederholt, das E-Auto müsse sich am Markt durchsetzen und könne nicht durch Kaufprämien hinein gepresst werden. Bisher erwägt die Regierung lediglich eine zehnjährige Kfz-Steuerbefreiung.
Der Bericht der NPE ist allerdings nicht ganz unumstritten. Scharfe Kritik kommt zum Beispiel von der Umweltstiftung WWF, die an der Arbeit der Elektroauto-Plattform beteiligt ist, aber ein undurchsichtiges Verfahren beklagt. Klimaexpertin Regine Günther sagte: "Der Bericht, wie er vorliegt, ist kein Konsens, sondern ein Bericht der Autoindustrie." Wichtige Daten seien vorenthalten worden. "Letztlich hat sich die Autoindustrie ihre Subventionen selbst ausgerechnet", sagte Günther.
rom/dpa
