01.07.2011
Einzelstück
Der Bugatti mit dem Porzellan-Tankdeckel
Berlin - Ein Porzellanhersteller als Autoveredler? Kommt selten vor, doch im Falle der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur (KPM) und Bugatti passt die Paarung. Beide Marken räumen der Handarbeit höchsten Stellenwert ein. Ihre Produkte gehören zum Standard in der Welt der Schönen und - vor allem - der Reichen. Ein wenig Tamtam musste also schon sein, als KPM-Chef Jörg Woltmann am Donnerstag feierlich den Bugatti "L'Or Blanc" ("Das weiße Gold") enthüllte. Ein Auto mit Porzellanapplikationen. Im leichten Nieselregen steht er da, glänzend in weißem und tief dunkelblauem Lack, dessen Linien in etwas aufdringlicher Art den Strömungs- und Reflexionsverlauf auf der Karosserie nachempfinden. Eigentlich eine Wiederbelebung einer Mode in den siebziger Jahren als Jugendliche ihr Zimmer mit schwarz-weißen Spiralen verzierten um sich bewusstseinsmäßig auf ein anderes Level zu bringen.
Die Lackierung ist eigentlich viel zu schade für eine Maschine, finden die Macher. Über den Namen der Farbe sind sich die Marketingleute übrigens nicht ganz einig. "Ein Kobaltblau", sagt ein KPM-Mann, "Royal Bleu - königsblau eben", sagt Achim Anscheidt, Design-Chef bei Bugatti. Einer der berühmtesten historischen Bugattis heißt Royale.
Der Tankdeckel des "L'Or Blanc" ist aus Porzellan. Ihn ziert ein auf den Hinterbeinen stehender Elefant, das Bugatti-Markenzeichen. Der Supersportwagen ist ein Einzelstück des Typs Grand Sport. Es "zelebriert die Handwerkskunst" sowohl der Autobauer im elsässischen Molsheim als auch der Porzellanmacher in Berlin, wie es Anscheidt etwas erhaben ausdrückt.
Auch die Radkappen sind aus Porzellan. "Normalerweise sind sie aus Aluminium, wir haben sie aus Gewichtsgründen nachbearbeitet", räumt Anscheidt ein. Innen gibt es eine Ablageschale aus Porzellan.
Königsblaue Decke auf porzellanweißem Sitz
Der stehende Elefant findet sich noch an mehreren Stellen des Wagens innen und außen. In punkto Bekanntheit ist er dem Ferrari-Hengst unterlegen, in punkto Exklusivität aber weit voraus. Das Brimborium pflegen die Macher beinahe bis zum Exzess: Selbst KPM-Chef Woltmann muss königsblaue Überschuhe mit dem roten Bugatti-Logo anziehen, um das Auto besteigen zu dürfen - und der porzellanweiße Sitz ist mit einer Decke belegt, um Verschmutzungen zu vermeiden. Blöd nur, dass es wenig später zu nieseln beginnt. Feine Tröpfchen bedecken schnell das Leder, die aus dem Stück gefrästen Aluminium- und Porzellan-Applikationen. "Das muss er abkönnen", sagt Anscheidt kurz.
Die seit der Wiederbelebung der Marke Bugatti unter dem Dach des Volkswagenkonzerns gebauten Coupés und Cabrios sind quasi Einzelstücke. Der letzte der 300 Veyron - 1001 bis 1200 PS stark und bis zu 431 Kilometer pro Stunde schnell - verließ vor wenigen Tagen die Werkshalle.
Vom normalen Veyron 16.4 Cabrio Grand Sport sollen insgesamt 150 entstehen - zum Stückpreis von rund 1,4 Millionen Euro. Der L'Or Blanc ist natürlich noch etwas teurer: Für 1,65 Millionen Euro ist er "so gut wie verkauft", sagt Emanuela Wilms, Pressesprecherin von Bugatti.
Etwas billiger wird übrigens die Limousine namens Galibier sein, deren Produktion als beschlossene Sache gilt. Bugatti-Boss Wolfgang Dürheimer bestätigte dies bereits in einem Interview mit dem britischen "Car Magazine". Anders als die Studie mit dem Veyron-Motor soll das "Serienmodell" optional über eine Art Hybridantrieb verfügen - um auch jene zufrieden zu stellen, die sich das voraussichtlich 1,1 Millionen Euro teure Stück nicht leisten können.
mik/dapd


