26.08.2011
E10-Pleite
BP-Europachef will Kosten auf Autofahrer abwälzen
E10-Zapfsäule von Aral: Skepsis der Kunden ungebrochen
Essen - In der Debatte um den umstrittenen Biosprit E10 hat der Mineralölriese BP Europa gedroht, die Autofahrer zur Kasse zu bitten. Drohende Strafzahlungen für die Mineralölkonzerne würden diese wohl an die Verbraucher weiterreichen, sagte Konzernchef Uwe Franke den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Zu BP gehört die Tankstellenkette Aral, mit rund 2500 Stationen der deutsche Marktführer.
Die deutschen Tankstellen sind verpflichtet, in der Summe einen bestimmten Anteil von Biosprit zu verkaufen. Dies wollte die Mineralölwirtschaft mithilfe von E10 erreichen: Dem Superbenzin sind zehn Prozent Bioethanol beigemischt - statt fünf Prozent im normalen Benzin. Rund zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen vertragen diesen Kraftstoff nicht. Insgesamt verzichteten aber deutlich mehr Autofahrer darauf, obwohl E10 deutlich billiger angeboten wurde als klassisches Superbenzin. Deshalb dürften die Tankstellen-Betreiber die Mindestquote für Biokraftstoff nicht erreichen.
"Die Kosten für die Nichterfüllung der Quote dürften vermutlich für die Branche zwischen 300 und 400 Millionen Euro liegen", sagte Franke. Zumindest zum Teil müssten die Konzerne diese Zahlungen auf die Autofahrer umlegen: Letztendlich werde den Unternehmen "nichts anderes übrig bleiben, als die entstandenen Kosten an die Kunden weiterzugeben", sagte der BP-Europa-Chef.
E10 billigster Kraftstoff
BP treibt die Einführung des Biosprits an den Tankstellen derzeit mit Hochdruck voran. Den Anfang machen die Tankstellen im Westen und Norden Deutschlands. Für die Verbraucher, deren Auto E10 verträgt ist das Angebot durchaus attraktiv. Denn der Biokraftstoff wird künftig die preisgünstigste Kraftstoffsorte sein, die es zu kaufen gibt. Bei Aral ist sie drei Cent je Liter billiger als Superbenzin mit fünf Prozent Ethanol. Zudem werden die Tankstellen von Aral und anderen Mineralölkonzernen Benzin mit 98 Oktan (Super plus) anbieten, das sieben Cent teurer als E10 sein wird oder alternativ eine Spitzensorte mit 100 Oktan für neun Cent mehr als der Bio-Sprit.
Die deutschen Tankstellen-Betreiber haben E10 im Februar eingeführt. Der Kraftstoff enthält mit zehn Prozent doppelt so viel Biokraftstoff wie normales Superbenzin. Auf diese Weise will die Mineralölwirtschaft die vorgeschriebene Quote für die Biosprit-Beimischung erreichen. Rund zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen vertragen das Benzin allerdings nicht. Dies hat zu einer generellen Ablehnung des neuen Benzins geführt; hinzu kommen Zweifel von Umweltschützern am wirklichen Nutzen des Biokraftstoffs.
mik/AFP