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09.12.2011
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Renault-Design

Neustart in sechs Etappen

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Mal avantgardistisch, mal aalglatt, aber stets ohne Linie: Was das Design betrifft, konnte Renault es lange Zeit allenfalls noch mit den Japanern aufnehmen. Bis vor zwei Jahren Laurens van den Acker den Posten des Kreativdirektors übernahm. Bald trägt seine Arbeit erste Früchte.

Wenn man Laurens van den Acker nach seiner Design-Philosophie fragt, beginnt er gerne mit einer Geschichte. Er erzählt eine Art modernes Märchen von einem jungen Paar und dem aufregenden Beginn ihrer Liebe zueinander; von gemeinsamen Entdeckungen, von der Familiengründung und dem Alltag zwischen Supermarkt und Schreibtisch, vom Älterwerden und von der Besinnlichkeit eines ruhigen Lebensabends. Daraus leitet er für sich einen unmittelbaren Auftrag ab: "Und zu jeder dieser Lebensphasen brauchen wir das passende Auto."

Zum Beispiel eins von Renault. Die französische Marke - Slogan: "Auto zum Leben" - wolle den Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken, sagt van den Acker. Während bei den deutschen Marken vor allem die Technik im Vordergrund steht und die Hersteller aus Fernost vor allem einen umfassend ökologischen Ansatz pflegen, ist Renault eher praktisch-emotional orientiert.

Um das zu verdeutlichen, hat der Designchef zuletzt vier Konzeptautos entworfen, die für die beschriebenen Lebensphasen eines Renault-Kunden stehen sollen. Am Anfang steht der feuerrote Elektrosportwagen Dezir, der genau wie der erste Kuss das Herz höher schlagen lassen soll. Wird aus der Romanze eine Liaison, kann man im sportlichen Geländewagen Capture gemeinsam die Welt entdecken, Abenteuer erleben und auf den hängemattengleichen Netzen im Fond womöglich jene Familie gründen, die später das Modell R-Space fahren wird. Dort kuscheln die Eltern in zwei eng ineinander verschlungenen Schalensitzen, während der Nachwuchs in einer ledernen Lego-Landschaft mit überdimensionalen Bauklötzchen spielt. Die Arbeitswelt schließlich bedient die Studie Frendzy, der Kleintransporter und Familienvan in einem ist.

Das neue Renault-Design: "Sinnlich, simpel und vor allem warm"

Allen Konzeptfahrzeugen gemein sind die kräftigen, organischen Formen. Dazu kommen große Scheinwerfer und stark modellierte Flächen, über die man sofort mit den Händen streichen möchte. "Sinnlich, simpel und vor allem warm", nennt van den Acker diesen Stil. "Nicht kalt wie bei den Deutschen oder heiß wie bei den Italienern, sondern fein ausbalanciert in der Mitte."

Es gibt noch ein weiteres verbindendes Element: der neue, viel größere und steil in den Wind gereckte Renault-Rhombus auf einem schwarzen Kunststoffband. Van den Ackers Vorgänger Patrick Le Quément mochte weder Kühlergrills noch große Logos. "Das hat unsere Autos verwechselbar gemacht", sagt van den Acker. Künftig soll das nicht mehr passieren.

Geplant sind noch Studien eines Spaßautos und eines Oberklassemodells

Als der Niederländer vor zwei Jahren in Paris den Job bei Renault antrat, erwarteten seine Chefs einen starken Einstand und ein ikonisches Auto von ihm. Um das liefern zu können, stellte er sich die Frage: "Wofür steht Renault?" Für Autos wie R4 oder Twingo, Kangoo oder Espace, Alpine oder Avantime? "Wir haben einfach zu viele Ikonen, als dass man sich auf ein einziges Fahrzeug beschränken könnte." Und so entwickelte er die Idee eines Studien-Sextetts, von dem die letzten beiden Modelle noch ausstehen.

Die Konzeptautos seien allerdings keine L'Art-pour-l'art-Modelle. "In jedem Auto schlummert die Idee für ein Serienmodell", sagt van den Acker. Nummer fünf des Studienreigens wird voraussichtlich ein kleines, spritziges Spaßmobil und Nummer sechs ein neuer Entwurf eines Oberklassefahrzeugs.

Was die aktuellen Renault-Modelle betrifft, sind van den Acker und der für die Studien verantwortliche Designer Axel Breun spürbar unzufrieden. Den SUV Koleos oder die Limousine Latitude würde es heute nicht mehr geben, sagt Breun. Beide hatten die Franzosen kurzerhand von der Schwestermarke Samsung übernommen, die ihre Autos nur auf einigen asiatischen Märkten verkauft. "Es musste schnell gehen, daher haben wir zu einer Notlösung gegriffen. Aber wie so oft bei Notlösungen, hat es dann nicht richtig funktioniert."

Die Großraum-Limousine Espace soll ganz neu gestaltet werden

Ein weiteres Problemfeld aus Sicht der Designer ist die Großraum-Limousine Espace. Das Auto war einmal Wegweiser in dieser Klasse, wurde aber über die Jahrzehnte zu Tode geliftet. "Es wird ein neues Auto geben, für das wir uns etwas ganz Neues einfallen lassen", sagt van den Acker. Das wird aber noch mindestens drei Jahre dauern. Breun wiederum, in seiner Freizeit ein begeisterter Rennfahrer, setzt auf die Wiedergeburt des Alpine.

Während die optische Neuausrichtung anhand von Designstudien noch eine Zeitlang fortgesetzt wird, präsentiert Renault endlich auch wieder mal ein neues Serienfahrzeug. Im Herbst 2012, vermutlich auf dem Autosalon in Paris, wird der neue Kleinwagen Clio debütieren. Dann wird sich zeigen, was von den großen Ankündigungen übrig bleibt. Zumindest Designer Breun ist optimistisch: "Dann können wir unsere Versprechen endlich einlösen."

Forum

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insgesamt 12 Beiträge
1.
cynism 09.12.2011
Und van den Acker war vorher bei Audi für den R8 zuständig?!
Und van den Acker war vorher bei Audi für den R8 zuständig?!
2. Renault Design
Hypocrist 09.12.2011
Hhmm schade, ich hatte gehofft, dass Renault designtechnisch wieder etwas mehr in Richtung LagunaII (Phase I) zurückfindet. Das war frisches Design, gepaart mit einem Hauch Eleganz & Dynamik (siehe den aktuellen Citroen [...]
Zitat von sysopMal*avantgardistisch, mal aalglatt,*aber stets ohne Linie: Was das Design betrifft, konnten Renault es lange Zeit allenfalls noch mit den Japanern aufnehmen. Bis vor zwei Jahren Laurens van den Acker*den Posten des Kreativdirektors übernahm. Bald trägt seine Arbeit erste Früchte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,802433,00.html
Hhmm schade, ich hatte gehofft, dass Renault designtechnisch wieder etwas mehr in Richtung LagunaII (Phase I) zurückfindet. Das war frisches Design, gepaart mit einem Hauch Eleganz & Dynamik (siehe den aktuellen Citroen C5). Die hier gezeigten plumpen, unförmigen Kisten sind ja grauenvoll. Die ersten Bilder des Megane Facelifts lassen schlimmes befürchten. Schade eigentlich, bisher war ich mit den Autos von Renault sehr zufrieden.
3. Scheinheilige Sorge
R1181 09.12.2011
Immer dann, wenn Renault sich beim Design etwas traut, finden es die Deutschen mehrheitlich ganz schrecklich und die Verkaufszahlen fallen in den Keller (jüngstes Beispiel: Megane II mit Knickheck). Sieht ein Renault dann super [...]
Immer dann, wenn Renault sich beim Design etwas traut, finden es die Deutschen mehrheitlich ganz schrecklich und die Verkaufszahlen fallen in den Keller (jüngstes Beispiel: Megane II mit Knickheck). Sieht ein Renault dann super spießig aus, sind die Zahlen in Ordnung, es wird aber am einfallslosen Design rumgemäkelt. Deshalb vollzieht die Marke seit Jahrzehnten eine ständige Wellenbewegung von avantgardistisch zu bieder und zurück. Le Quément war ein äußerst mutiger Designer (Megane II, Vel Satis, Avantime, Espace IV, Clio II etc.), wurde dann aber vom Vertrieb brutal eingebremst. Es folgten langweilige Kisten (Megane III, Twingo II, Clio III. Von den Koreaner-Verschnitten wollen wir lieber schweigen). Jetzt also wieder ein bisschen hipper? Gut! Solange, bis die ewigen Golf-Käufer es dann daneben finden...
4. Designproblem?
Wilhelm Klaus 09.12.2011
Das Design ist bei Renault das geringste Problem. Damit versuchen sie seit jahren ihre gräßliche Produktqualität zu kaschieren. Renault sollte erst einem *ein* Auto herstellen, was etwas länger funktioniert.
Zitat von sysopMal*avantgardistisch, mal aalglatt,*aber stets ohne Linie: Was das Design betrifft, konnten Renault es lange Zeit allenfalls noch mit den Japanern aufnehmen. Bis vor zwei Jahren Laurens van den Acker*den Posten des Kreativdirektors übernahm. Bald trägt seine Arbeit erste Früchte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,802433,00.html
Das Design ist bei Renault das geringste Problem. Damit versuchen sie seit jahren ihre gräßliche Produktqualität zu kaschieren. Renault sollte erst einem *ein* Auto herstellen, was etwas länger funktioniert.
5. Kein Problem
satissa 10.12.2011
Auch wenn der ADAC etwas anderes behauptet, wir hatten noch nie ein Problem mit Renault. Aktuelles Beispiel: Twingo, Baujahr 1997, ausser regelmaessigen Inspektionen wurden 2 neue Batterien und ein neuer Auspuffendtopf [...]
Zitat von Wilhelm KlausDas Design ist bei Renault das geringste Problem. Damit versuchen sie seit jahren ihre gräßliche Produktqualität zu kaschieren. Renault sollte erst einem *ein* Auto herstellen, was etwas länger funktioniert.
Auch wenn der ADAC etwas anderes behauptet, wir hatten noch nie ein Problem mit Renault. Aktuelles Beispiel: Twingo, Baujahr 1997, ausser regelmaessigen Inspektionen wurden 2 neue Batterien und ein neuer Auspuffendtopf benoetigt.

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