26.12.2011
Der persönliche Jahresrückblick
No Frills, bitte!
Lada Niva: Fahren in seiner ursprünglichen Form
Der Schlüssel muss noch ins Zündschloss gesteckt und gedreht werden, das Getriebe hakelt ein wenig und was Motor und Fahrwerk gerade veranstalten, bekommt man haptisch und akustisch bestens mit - Autofahren wie vor 30 oder 40 Jahren. Das lässt sich heute noch in Neuwagen erleben, etwa jenen der russischen Marke Lada. Nach ausführlichen Begegnungen mit diesen Fabrikaten in den zurückliegenden Monaten muss ich sagen: Ein Lada ist gewiss kein großartiges Ding, doch die Essenz des Autofahrens - in Bewegung sein, ein Gefühl von Freiheit erfahren, ankommen - bietet er so direkt und ungefiltert wie kaum ein anderes Modell.
Fast alle Hersteller preschen auf dem Hightech-Highway dahin und verpassen immer wieder die Ausfahrt, die auf den Marktplatz der bescheidenen, leichten, robusten, einfachen, charakterstarken und vor allem billigen Fahrzeuge führt. Es gibt nämlich Autofahrer, die wollen, wenn sie am Steuer sitzen, keine Facebook-Bekanntschaften suchen; die wollen sich nicht von einem Steuergerät in die Parklücke rangieren lassen und die wollen auch nicht mit dem Fuß unter dem Heck schwingen, um die Kofferraumklappe zu öffnen.
Lada könnte in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. Mit Highend-Elektronik vollgestopfte Autos gibt es schon mehr als genug. Was fehlt, sind praktische und billige Stadtautos, clevere und robuste Familienwagen, leichte und kompakte Sportmodelle. Die kann Lada unmöglich alle alleine bauen.
Verzagte Designer
Wann haben Sie zuletzt ein neues Auto gesehen, das sie begeistert hat? Im jetzt ablaufenden Jahr jedenfalls kann das nicht gewesen sein. Das Design steckt im Stau. Der Audi Q3 ist kein Deut origineller als die Typen Q7 oder Q5, nur etwas kleiner. Der neue BMW 3er sieht aus wie der Gewinner eines Ähnlichkeitswettbewerbs mit dem Vorgängermodell - oder ein zu heiß gewaschener 5er. Die neue Mercedes B-Klasse wirkt auf den ersten Blick, als habe man der alten eine Falte in die Flanke gebügelt. Und falls mir jemand das optisch Neue am neuen Porsche 911 erklären könnte, wäre ich sehr dankbar.
Warum ist das so? Weshalb herrscht in den Designabteilungen ganz offensichtlich Verzagtheit? War die Stimmung vor drei, vier Jahren, als die oben genannten Autos auf den Zeichenbrettern und in den Computern allmählich in Form kamen, derart trost- und mutlos? Kein Geistesblitz, nirgends?
Vielleicht warten derzeit wirklich alle auf die vielfach herbeizitierte "Revolution" durch den Elektroantrieb. Ein Seitenblick auf jene Modelle, die bereits mit Hybrid- oder Elektro-Systemen herumfahren, zeigt allerdings, dass man darauf nicht hoffen sollte. Vielleicht brauchen wir einfach nur Geduld. Ein paar Studien dieses Jahres sahen ja ganz viel versprechend aus; in zwei oder drei Jahren werden wir wissen, was aus ihnen geworden ist.