13.01.2012
Sportwagen-Premieren in Detroit
Ein bisschen Spaß muss sein
Von Tom GrünwegNSX - unter PS-Fetischisten lösen diese drei Buchstaben höchstes Entzücken aus. 1990 lancierte Honda einen Sportwagen unter diesem Kürzel, der von der US-Zeitschrift "Motor Trend" als der "beste jemals gebaute Sportwagen" gefeiert wurde. Der Feger aus Fernost, der in den USA unter dem Namen Acura NSX firmierte, trug noch andere Ehrentitel: Ferrari-Killer zum Beispiel. Er bestand weitgehend aus Aluminium, verfügte über eine elektrische Servolenkung und der V6-Mittelmotor hinter den Sitzen drehte bis über 8000 Touren. Das Ding war eine Rakete.
Leider ließ Honda den sportlichen Modellzweig in der Folge verkümmern - und zwar bis heute. "Damit ist jetzt Schluss", sagt Firmenchef Takanobu Ito. In Detroit zeigt die Marke nämlich ein atemberaubend gestyltes Konzeptfahrzeug, das die NSX-Faszination wieder aufleben lassen soll.
"In spätestens drei Jahren kann man dieses Auto kaufen", weckt Honda-Chef Ito schon jetzt das Begehren der Fans. Auch der neue NSX soll wieder technische Maßstäbe setzen. Geplant ist ein Hybridantrieb mit gleich drei Elektromotoren, die den hinter den Sitzen platzierten V6-Benziner unterstützen. Eine E-Maschine dient ganz normal dem Vortrieb und ist wie üblich im Automatikgetriebe integriert. Die beiden anderen wirken auf die Vorderachse, erzeugen dadurch kurzfristig einen Allradantrieb und können das Drehmoment so zwischen rechts und links dosieren, dass der NSX noch schneller durch die Kurven sticht.
Wie ein Autoscooter ohne Stromstange
Die Detroit Autoshow mag ganz im Zeichen des Spritsparens stehen, ganz verschwunden sind die durstigen Spaßmaschinen jedoch noch nicht. Technisch weitaus weniger raffiniert, dafür aber mit einer ähnlich legendären Vita vorbelastet, steht auch ein brandneuer deutscher Sportwagen im Rampenlicht der Autoshow, der Mercedes SL. Der Roadster ist leichter geworden, sieht schnittiger aus und verbraucht je nach Motorisierung bis zu 29 Prozent weniger Sprit als das Vorgängermodell.
Auf dem benachbarten Porsche-Messestand steht ebenfalls ein taufrischer, offener Sportwagen, das neue 911 Cabriolet. Wem die beiden rasanten Schwaben zu groß, zu teuer und zu protzig sind und der NSX noch zu sehr Zukunftsmusik, wird dennoch fündig in Detroit. Etwa bei Mini, denn die BMW-Kleinwagenmarke enthüllt den Mini Roadster. Das Auto ist der kleinste offene Zweisitzer jenseits des Smart Cabrios und wirkt ein bisschen wie ein Autoscooter ohne Stromstange.
Neuauflagen von Viper und Corvette sind in Arbeit
Auch der Lexus LF-LC macht Lust auf einen sportlichen Jahresanfang. Das Coupé gilt offiziell nur als Vorbote eines neuen Stylings, könnte aber dennoch Serienchancen haben: Da der Lexus GS den Antrieb und die Allradlenkung beisteuern könnte und mit dem Toyota GT-86 eine passende Basis vorhanden ist, wäre eine Umsetzung durchaus machbar.
Wer nicht auf die Entscheidung des Lexus-Managements warten möchte und vor allem ein billigeres Sportgerät sucht, wird eventuell bei Hyundai fündig. Die Koreaner locken mit dem Veloster Turbo, der 204 PS mobilisiert. Das ist ein kräftiger Leistungszuschlag, denn bislang wurde der Veloster nur mit 140-PS-Motor angeboten.
Die Gastgeber machen bei diesem Muskelspiel übrigens nicht mit. Zwar stehen auf der Messe Modelle des Ford Mustang und Dodge Challenger und die GM-Marke Chevrolet enthüllte gleich zwei kleinen Coupé-Studien, von denen eine realisiert werden soll. Doch im Sinne des klassischen Detroit Dynamite ist allein der Kleinserienhersteller Falcon aktiv.
Das wird sich schon bald ändern, denn auf Nachfrage ist bei Chrysler zu hören, dass es noch in diesem Jahr einen neues Modell der Viper geben soll; und Chevrolet arbeitet dem Vernehmen nach mit Hochdruck an der nächsten Corvette. Nur Ford bleibt in dieser Hinsicht abstinent. Für Konzernchef Alan Mulally gelten offenbar andere Neujahrsvorsätze als der Workout mit dem Gasfuß.

