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24.02.2012
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Smartphone-Nutzung im Auto

Total App-gefahren

Von Jürgen Pander
Daimler

Im September kommt die neue A-Klasse auf den Markt - das weltweit erste Pkw-Modell, in dessen Bordelektronik sich ein Apple iPhone integrieren lässt. So will Mercedes das Auto zur Kommunikationszentrale aufrüsten - und zugleich das Rentner-Image der A-Klasse bekämpfen.

Es gibt Menschen, die fühlen sich wie gelähmt, wenn sie einmal nicht online sind. Sitzen solche Typen hinterm Lenkrad, kommen sie ins Schwitzen: E-Mails können nicht gecheckt, Stichworte nicht gegoogelt, SMS nicht verschickt werden - kurz, das Smartphone hat Pause. Eine beklemmende Vorstellung. Mercedes lockt diese Internet-Afficionados nun mit dem Versprechen, "dem iPhone Räder zu verleihen".

Technisch ist die Sache rasch erklärt: Wer beim Kauf einer A-Klasse ein so genanntes Drive-Kit-Plus mitbestellt, kann das iPhone im Wagen per Kabel anschließen. Sodann sorgt die von Mercedes entwickelte Digital-Drive-Style-App dafür, dass die Inhalte des iPhones auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole angezeigt werden und sich das iPhone über den Dreh-Drück-Regler in der Mittelkonsole bedienen lässt.

Während die App - unter anderem beinhaltet sie personalisierbares Internetradio, Navigation sowie Aktionen in sozialen Netzwerken - kostenlos ist, verlangt Mercedes für das Drive-Kit-Plus einen Aufpreis. Der wird nach Auskunft aus Stuttgart "einige hundert Euro" betragen. Dazu addieren muss man noch den Preis für das CD-Radio Audio 20, denn erst damit erhält die A-Klasse auch ein brauchbares Display. Fürs bisherige Modell kostete das Gerät rund 900 Euro extra - billiger wird es bei der neuen A-Klasse sicher nicht.

Es geht für Mercedes nicht nur um ein neues Gimmick für die Generation Facebook, sondern auch um Imagepflege - speziell bei der A-Klasse. Das bislang in Sandwich-Bauweise gefertigte Auto mit der daraus resultierenden höheren Sitzposition entwickelte sich zum Bestseller unter älteren Autofahrern. Der neue Wagen dagegen ist klassisch flach konstruiert und deutlich sportlicher designt. Die iPhone-Integration ist als zusätzliche Maßnahme zu verstehen, um das Rentner-Image der A-Klasse abzustreifen und das Auto jünger und moderner zu positionieren.

Die Integration funktioniert erst ab iPhone-Generation vier

Die iPhone-Integration funktioniert übrigens erst bei den neueren Geräten, nämlich ab der iPhone-Generation 4, die im Sommer 2010 auf den Markt kam. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber von diesen Geräten dürften in Deutschland rund drei Millionen in Betrieb sein. Wer die jüngste Version iPhone 4S besitzt, könnte bei entsprechender Aufrüstung der kommenden A-Klasse auch die Spracherkennungssoftware Siri nutzen - dies ist ebenfalls eine Weltpremiere in der Autowelt.

Siri versteht nicht nur bestimmte Kommandos, sondern kapiert die normale Sprache und fragt in Zweifelsfällen nach. So lässt sich per Sprachsteuerung auf den Kalender zugreifen, um etwa während der Fahrt Termine zu vereinbaren oder abzusagen. Auch Kurzmitteilungen lassen sich diktieren und versenden oder man durchstöbert per Ansagen die Musiksammlung auf dem iPhone.

Mercedes plant, die iPhone-Integration in der Folge auch für die Baureihen B-, C- und E-Klasse anzubieten. Mit dem Apple-Gerät beginne man, "weil es das Maß der Dinge" sei, sagt eine Mercedes-Sprecherin. Im kommenden Jahr sollen aber auch Verbindungslösungen für andere Smartphone-Typen angeboten werden, etwa von Nokia, HTC oder Samsung. Genutzt wird dafür dann der ab 2013 geltende offene Standard Mirror Link. Auch damit lassen sich die Inhalte des Smartphones ins Fahrzeug-Display einspielen und über den fest im Wagen eingebauten Dreh-Drück-Regler bedienen.

Internet im Auto - ein aktueller Test ergab ernüchternde Ergebnisse

Das Bestreben, Internet im Auto verfügbar zu machen und brauchbare Apps für Facebook oder Twitter anzubieten, gibt es nicht nur bei Mercedes, sondern auch bei Audi und BMW. Eine so weit gehende Smartphone-Integration wie Mercedes können die beiden bayerischen Hersteller zwar noch nicht bieten, dafür aber gibt es bei Audi auf der Mittelkonsole ein Touchpad, auf das man per Fingerbewegung Buchstaben schreiben kann um so schneller und einfacher durch die Menüs zu navigieren. Und BMW bietet spezielle Apps sowie eine Bluetooth-Verbindung an, mit der sich iPhone-Inhalte in begrenztem Umfang in den Bordcomputer übertragen und per iDrive-Controller auf der Mittelkonsole steuern lassen.

Die Fachzeitschrift "auto, motor und sport" berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Internet-Anbindung in Audi A6, BMW 5er GT und Mercedes E-Klasse und kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: "Beim Surfen offenbarten alle drei Systeme große Schwächen." Vielleicht ist das ganz gut so. Denn wer möchte auf der realen Autobahn von Fahrern umgeben sein, die gleichzeitig auf der Datenautobahn dahinrasen?

Forum

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insgesamt 33 Beiträge
1. Schuss ins Knie
dieter_huber 24.02.2012
die sinnvollste App in einem Auto wäre ein spontanes Mitfahrsystem, wie es Navigon, Bosch und flinc (https://flinc.org) anbieten. Sollte sich das bei Pendlern durchsetzen, würde sich die Autoindustrie einen Bärendienst erweisen [...]
die sinnvollste App in einem Auto wäre ein spontanes Mitfahrsystem, wie es Navigon, Bosch und flinc (https://flinc.org) anbieten. Sollte sich das bei Pendlern durchsetzen, würde sich die Autoindustrie einen Bärendienst erweisen ;-)
2. Was soll der Blödsinn?
Michael KaiRo 24.02.2012
Entweder ich fahre Auto oder ich gehe ins Internet. Von den 1000 Funktionen eines Navi braucht man doch meist auch nur 1 oder 2 - die Navigation selbst und ab und an die Restaurantsuche. Und wenn der ganze Apfel-Quatsch - vor [...]
Entweder ich fahre Auto oder ich gehe ins Internet. Von den 1000 Funktionen eines Navi braucht man doch meist auch nur 1 oder 2 - die Navigation selbst und ab und an die Restaurantsuche. Und wenn der ganze Apfel-Quatsch - vor allem die dusseligen Apps - so gut funzt wie bisher, dann gute Nacht Mercedes. Die Lösung mit dem Apfel-Gerät im Handschuhfach ist auch genial ;) Das nennt man schwäbische Unordnung, oder was? Hoffentlich hat Mercedes es besser gelöst als MP3-Songs auf CD - die ließen sich nämlich gar nicht abspielen, weil der dämliche Mercedes-Bordradio-CD-Player nur ganz bestimmte Formate unterstützte.
3. und wer nicht Apple hat???
johndo89 24.02.2012
der schaut in die Röhre
der schaut in die Röhre
4. CD Radio als Voraussetzung?
yaba 24.02.2012
Das ist ja als ob man einen VHS Recorder kaufen muss, um auf dem Fernseher HD Inhalte anzuzeigen. Kaum einer, der ein iPhone hat duerfte mit so einer Integration noch auf Musik von CD zurueckgreifen (die er vorher von iTunes [...]
Das ist ja als ob man einen VHS Recorder kaufen muss, um auf dem Fernseher HD Inhalte anzuzeigen. Kaum einer, der ein iPhone hat duerfte mit so einer Integration noch auf Musik von CD zurueckgreifen (die er vorher von iTunes heruntergeladen und dann auf CD gebrannt hat), sondern direkt die Dateien vom iPhone abspielen.
5. Das steht so auch nicht im Artikel.
earl grey 24.02.2012
Das steht so auch nicht im Artikel. Nur weil das Radio ein CD Laufwerk hat, heisst es ja nicht, das man die Musik vom iPhone erst auf CD brennen muss... aber man kann natürlich auch Musik-CD´s abspielen, außerdem braucht [...]
Zitat von yabaDas ist ja als ob man einen VHS Recorder kaufen muss, um auf dem Fernseher HD Inhalte anzuzeigen. Kaum einer, der ein iPhone hat duerfte mit so einer Integration noch auf Musik von CD zurueckgreifen (die er vorher von iTunes heruntergeladen und dann auf CD gebrannt hat), sondern direkt die Dateien vom iPhone abspielen.
Das steht so auch nicht im Artikel. Nur weil das Radio ein CD Laufwerk hat, heisst es ja nicht, das man die Musik vom iPhone erst auf CD brennen muss... aber man kann natürlich auch Musik-CD´s abspielen, außerdem braucht man das CD-Laufwerk zum Update der Navi-Software im Gerät.

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