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20.03.2012
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Nürburgring-Nachbau in Nevada

Grüne Hölle im Wüstensand

Von
DPA

Kann man einen Mythos kopieren? Wenn es nach Bruton Smith geht, dann schon. Mitten in der Prärie von Nevada will er den Nürburgring nachbauen. Der Plan klingt verwegen - aber Smith ist ein Experte.

Die berühmtesten 20.832 Meter Deutschlands liegen in der Eifel. So lang ist der Nürburgring. Die Rennstrecke ist eine Art befahrbares Kulturdenkmal, ein Mythos aus Asphalt und Beton. Der Amerikaner Bruton Smith will die Strecke nun nachbauen. Mitten in Nevada, in der staubigen Gegend um Las Vegas, will er eine Kopie des Nürburgrings aus dem Boden stampfen. "Ich weiß, wie man das macht", sagte er unlängst in einem Radiointerview beim Sender SiriusXM. Tatsächlich kennt sich der Mann mit Rennstrecken aus.

Bruton Smith, 85 Jahre alt, ist ein millionenschwerer Motorsport-Impresario. Dem Gründer der Promotion-Firma Speedway Motorsports gehören acht Nascar-Rennstrecken - riesige Motorsport-Arenen für mehr als 100.000 Zuschauer. In den Neunzigern hat er sein Unternehmen an die Börse geführt und es damit auf die Forbes-Liste der reichsten Amerikaner geschafft.

"Ein paar Deutsche haben uns gefragt, ob wir nicht den Nürburgring kopieren wollen", erzählte Smith nun in der Radio-Show. Bereits vor drei Jahren habe es eine solche Anfrage gegeben, nun habe er ein passendes Grundstück im Auge. "Es sind noch ein paar Meetings mit dem Gouverneur und dem Bundesstaat Nevada nötig", sagte Smith. Erhalte er für die anvisierte Fläche von rund 32 Quadratkilometern den Zuschlag, kann es losgehen. "Dann werde ich ihn (den Nürburgring, d. Red.) exakt duplizieren, hier im Bundesstaat Nevada."

Tragische Rennen und ein falscher Hitler

Smith weiß zwar um die Bedeutung des Nürburgrings als beliebte Teststrecke, mit der Geschichte der Strecke hat er sich aber offenbar noch nicht eingehend befasst: "Hitler baute den Nürburgring in den dreißiger Jahren", erklärte er dem Radiomoderator. Smith irrt: Der Eifel-Kurs wurde 1927 eingeweiht, ohne die Nazis. Als Austragungsort von Formel-1-Rennen gewann die Strecke rasch an Bedeutung - und wurde berühmt-berüchtigt.

Der Formel-1-Pilot Jackie Stewart bezeichnete den Kurs einst als "Grüne Hölle", weil Büsche und Hecken die Strecke säumten. Die Sicherheitsmängel führten 1970 sogar dazu, dass die Fahrer das Rennen boykottierten und der Große Preis von Deutschland auf den Hockenheimring verlegt werden musste. 1976 drehte der Rennzirkus vorerst zum letzen Mal seine Runden auf dem Nürburgring. Bei diesem Rennen hatte die Motorsportlegende Niki Lauda einen schweren Crash und verbrannte beinahe in seinem Fahrzeug. In den achtziger Jahren kehrte die Formel 1 dann zurück in die Eifel, allerdings auf einen gesonderten Teil der Strecke, der kaum noch etwas mit dem Original gemein hat. Zuletzt geriet der Nürburgring durch eine Rechtsposse und Millionenverluste in die Schlagzeilen.

Glaubt man den Worten von Bruton Smith, wird seine Kopie besser als das Original. "Es wird eine Teststrecke werden", sagt er. "BMW, Mercedes und Audi wollen den Nürburgring zwölf Monate im Jahr nutzen. Aber das geht in Deutschland nicht!" Motorsportrennen will Smith auf dem Nevada-Nürburgring dagegen nicht veranstalten.

"Bruton, ich weiß, dass du das machen kannst"

Im Radiointerview bei SiriusXM gewann Smith einen Fürsprecher für sein Projekt. "Bruton, ich weiß, dass du das machen kannst - ich war in Las Vegas und habe dort Venedig und den Eiffelturm gesehen!", jauchzt Moderator Rick Benjamin. Die Glücksspiel-Metropole ist berüchtigt für ihre bizarre Architektur, die Casinos übertrumpfen sich mit Kopien von Wahrzeichen wie der Sphinx, dem Eiffelturm oder der Freiheitsstatue von New York. "Ja, und jetzt brauchen wir noch den Nürburgring", entgegnet Smith dem Radiomann.

In der Eifel kann man das Interesse am Nürburgring "gut nachvollziehen". Aber: "Eine Umsetzung eines solchen Vorhabens schätzen wir aufgrund der hohen Bau-Kosten relativ gering ein", teilt Nürburgring-Pressesprecher Karl-Heinz Steinkühler mit. Außerdem gebe es ein paar Dinge, die sich nicht so einfach nachbauen ließen. Dazu zählen laut Steinkühler nicht nur "die Atmosphäre, die Authentizität", sondern auch "Schlaglöcher und Asphaltschäden".

Forum

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insgesamt 10 Beiträge
1. Las Vegas
Falsche Küste 20.03.2012
In Las Vegas steht (auch) ein Hofbräuhaus.
In Las Vegas steht (auch) ein Hofbräuhaus.
2. schönes Projekt
Medienkritiker 20.03.2012
Am Geld dürfte es kaum scheitern. Die Casinos werden sicher ein paar Millionen springen lassen um Las Vegas noch attraktiver zu machen.
Am Geld dürfte es kaum scheitern. Die Casinos werden sicher ein paar Millionen springen lassen um Las Vegas noch attraktiver zu machen.
3. Kurt Beck wirds freuen
daskänguru 20.03.2012
Wenn die dann auch noch Kurt Beck als Manager einstellen ist allen geholfen, besonders Deutschland. DER SPIEGEL*3/2012 - Millionengrab Rennstrecke (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83588335.html) Teure Rennstrecke: [...]
Zitat von sysopDPAKann man einen Mythos kopieren? Wenn es nach Bruton Smith geht, dann schon. Mitten in der Prärie von Nevada will er den Nürburgring nachbauen. Der Plan klingt verwegen - aber Smith ist ein Experte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,822390,00.html
Wenn die dann auch noch Kurt Beck als Manager einstellen ist allen geholfen, besonders Deutschland. DER SPIEGEL*3/2012 - Millionengrab Rennstrecke (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83588335.html) Teure Rennstrecke: Nürburgring-Pächter wollen sich wehren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813878,00.html)
4.
amonn 20.03.2012
Und bei der Gelegenheit könnte man direkt noch Walter Kafitz, Kai Richter, Jörg Lindner und Ingolf Deubel im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste schicken. Dem Betreiber sei auf jeden Fall angeraten sich [...]
Zitat von daskänguruWenn die dann auch noch Kurt Beck als Manager einstellen ist allen geholfen, besonders Deutschland. DER SPIEGEL*3/2012 - Millionengrab Rennstrecke (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83588335.html) Teure Rennstrecke: Nürburgring-Pächter wollen sich wehren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813878,00.html)
Und bei der Gelegenheit könnte man direkt noch Walter Kafitz, Kai Richter, Jörg Lindner und Ingolf Deubel im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste schicken. Dem Betreiber sei auf jeden Fall angeraten sich ausschließlich auf die Nordschleife zu beschränken, die überdimensionierten und absolut unnötigen Prachtbauten sollte er weglassen. Wobei das in Las Vegas als Casino mit angeschlossenem Luxus-Ressort für amerikanische Speedheads vielleicht sogar besser funktionieren könnte als in der Eifel...
5. ...
TylerD. 20.03.2012
Joa warum auch nicht, also zumindest mir macht eine Runde auf dem Ring mehr Spaß als jeder Vergnügungspark der Welt. Ich bezweifle aber das man die Strecke mit alls ihren kleinen Feinheiten 1 zu 1 nachbauen kann. Ok [...]
Zitat von amonnUnd bei der Gelegenheit könnte man direkt noch Walter Kafitz, Kai Richter, Jörg Lindner und Ingolf Deubel im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste schicken. Dem Betreiber sei auf jeden Fall angeraten sich ausschließlich auf die Nordschleife zu beschränken, die überdimensionierten und absolut unnötigen Prachtbauten sollte er weglassen. Wobei das in Las Vegas als Casino mit angeschlossenem Luxus-Ressort für amerikanische Speedheads vielleicht sogar besser funktionieren könnte als in der Eifel...
Joa warum auch nicht, also zumindest mir macht eine Runde auf dem Ring mehr Spaß als jeder Vergnügungspark der Welt. Ich bezweifle aber das man die Strecke mit alls ihren kleinen Feinheiten 1 zu 1 nachbauen kann. Ok den groben Verlauf sicherlich schon aber kleinste Bodenwellen und Gemeinheiten, die man auf den ersten Blick nicht sieht, wohl eher nicht. Die sind für mich allerdings etwas das den Charme der Strecke ausmacht. Das "interessante" Eifelwetter wird auch fehlen.

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