08.04.2012
Fernverkehr
Im Land der leeren Autohäuser
Aus Buchara berichtet Tom GrünwegAkbar ist ein stolzer junger Mann. Er ist noch nicht 30 und schon Verkaufschef im größten Autohaus von Buchara. Die Stadt in Usbekistan gehört wegen ihrer vielen Moscheen und muslimischen Schulen seit 1993 zum Unesco-Weltkulturerbe. Akbar also sitzt aufrecht hinter einem dunkelblauen Tresen und verkauft im Schnitt jeden Tag zwei Autos. Im Prinzip wäre sein Job in Bad Berleburg oder Birmingham nicht anders.
Dass es dennoch ganz anders ist, erkennt man, wenn man Zoom weiter aufzieht und den Blick durchs Autohaus schweifen lässt. Der Chevrolet-Showroom ist gähnend leer. An den Wänden hängen ein paar bunte, großformatige Fotos von Automodellen, darunter ist die aktuelle Preisliste befestigt und an der Wand aufgereiht sind ein paar Aufsteller mit den Namen von Chevrolet-Fabrikaten. Doch sonst gibt es - von einer grünen Sitzgruppe in der Ecke abgesehen - nichts. Vor allem gibt es kein einziges Auto hier in diesem rund 300 Quadratmeter großen Ausstellungsraum.
Es gibt noch eine zweite Halle, weiter hinten. In der parken ein paar weiße Neuwagen, die für die Auslieferung vorbereitet werden. Und draußen auf dem Hof herrscht das übliche Werkstattgeschäft. Nur der Showroom des Chevrolet-Händlers ist wie leergefegt. Und das ist in Usbekistan kein Einzelfall. Überall wo man Stützpunkte der US-Marke sieht, zeigt sich das gleiche Bild: Blitzblanke Fensterfronten, polierte Böden, bunte Bilder - und ansonsten völlige Leere.
Dass sich die Besucher aus Europa darüber wundern, kann Akbar, der Verkaufschef aus Buchara, nicht verstehen. Denn von Autohäusern voller Autos und einer Flotte von Vorführwagen hat er noch nie etwas gehört. In Usbekistan ist das anders, und das ist keine Mangelerscheinung, denn schließlich produziert Chevrolet hier sogar Autos und hat vor kurzem erst das zweite Werk in der zentralasiatischen Republik südwestlich des Aralsees eröffnet.
Der Grund für die leeren Autohäuser ist ein anderer. "Autos kauft man in Usbekistan unbesehen", erklärt Akbar. Ein paar Fotos und die Information, was welcher Typ kostet, reichen völlig aus, damit die Kunden ihre Entscheidung fällen können. Repräsentativ soll der Auftritt des Unternehmens aber dennoch sein. "Wir sind eine große Firma und wollen das mit unserem großen Gebäude auch zeigen", sagt Akbar. Auch die Frage, ob den nie ein Kunde eine Probefahrt unternehmen möchte, bringt ihn nicht aus der Ruhe. "Die", sagt Akbar, "machen wir ganz einfach bei der Übergabe des Neuwagens."

