11.04.2012
Facelift für die Mercedes G-Klasse
Die renovierte Schrankwand
Von Tom Grünweg1979 war Helmut Schmidt noch Bundeskanzler. Dschingis Khan stand ganz oben in den Charts. Und es kam das vermutlich kantigste Auto der jüngeren Geschichte auf die Straße: die Mercedes G-Klasse. Während Politiker und Musiker von damals inzwischen den Ruhestand genießen, brummelt die G-Klasse noch immer über Stock und Stein.
Jetzt bekommt der Offroad-Dino, der seit 33 Jahren allen Moden trotzt, noch einmal eine Frischzellenkur. Ab Juni steht der eckige Klassiker mit frischer Schminke, erweiterter Ausstattung und neuen Motoren beim Händler.
Alles beim Alten
Um die Änderungen von außen zu erkennen, braucht es allerdings detektivisches Gespür. Lediglich das mittlerweile obligatorische LED-Tagfahrlicht sticht sofort ins Auge - wenn auch nicht unbedingt angenehm. Wenigstens passt es zur restlichen, wenn man sie so nennen will, Designphilosophie des Autos: Die Wunderleuchten haben keine anspruchsvolle Form, sondern liegen als schlichter Riegel unter den runden Scheinwerfern. Abgesehen vom LED-Brikett und den Außenspiegelgehäusen wurde nichts geändert an der Karosserie. Sie sieht noch immer aus, als wäre sie ein Riesenorigami aus Blech. Und das ist durch und durch liebevoll gemeint.
Beim Einsteigen entert man jedoch eine neue Welt. Das Cockpit wurde komplett überarbeitet, zwischen Tacho und Drehzahlmesser sitzt jetzt beispielsweise ein großer Farbmonitor. Der wirkt in diesem Auto zwar etwas deplatziert, bildet aber gemeinsam mit dem zweiten Bildschirm in der ebenfalls neuen Mittelkonsole die Bühne für eine Infotainment-Anlage mit serienmäßigem Navigationssystem und integriertem Online-Zugang. Außerdem gibt es gegen Aufpreis nun Extras wie eine automatische Abstandsregelung, eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera sowie einen Toter-Winkel-Assistent.
Neue Motoren braucht der Landlord
Die wichtigsten Änderungen befindet sich unter der Motorhaube. Neben dem V6-Diesel mit 211 PS im Modell G 350 Bluetec und dem 388 PS starken V8-Benziner im G 500 gibt es künftig gleich zwei neue Antriebe vom Mercedes-Werkstuner AMG. Der G 63 mit 5,5 Liter großem und 544 PS starken V8-Motor ersetzt den bisherigen G 55. Und sehr zur Freude arabischer Scheichs und russischer Potentaten ist nun sogar erstmals offiziell ein V12-Motor verfügbar. Bislang wurde ein derartiger Motor nur von Tunern wie beispielsweise Brabus in der G-Klasse angeboten.
Der zwölfzylindrige G 65 AMG kommt dank zweier Turbolader bei sechs Litern Hubraum auf 612 PS und ein geradezu wahnwitziges Drehmoment von 1000 Nm. Dass der Motor dabei schon auf dem Prüfstand 17 Liter verbraucht, wird wohl keinen der potentiellen Kunden stören. Zweitens hat es den Nebeneffekt, dass das kleinste G-Modell mit Dieselmotor und einem auch nicht mickrigen Durchschnittsverbrauch von 11,2 Litern im Vergleich wie ein Sparmodell wirkt.
Nur ein Maybach ist noch teurer
Auch beim Preis übernimmt der G 65 eine Spitzenrolle. Schon der G 350 kostet erstaunliche 85.311 Euro. Der Zwölfzylinder geht in dieser Hinsicht geradezu durch die Decke. 264.180 Euro kostet das Trumm. Das macht den Wagen zum teuersten Mercedes im Modellprogramm.
Auch die Preise sind ein Grund dafür, weshalb das G-Modell trotz seiner langen Laufzeit sowohl in der Mercedes-Statistik als auch im Straßenbild nur eine Randerscheinung geblieben ist. Denn bis jetzt wurden im Werk in Graz in mehr als 30 Jahren lediglich rund 250.000 Fahrzeuge auf die Räder gestellt. Nachfolger des G-Modells wie die M-Klasse oder der GLK kamen in weniger als einem Zehntel der Zeit auf diese Stückzahl.

