14.05.2012
Panzerwagen-Studie
Unter Strom ins Gefecht
Von Jürgen PanderGroß, stark, gepanzert, geländegängig und durchaus auch optisch furchteinflößend - das waren die Kriterien, nach denen die meisten Militärfahrzeuge konstruiert waren. Der maßvolle Umgang mit Kraftstoff gehörte bislang eher nicht zum Anforderungsprofil der Streitkräfte. Doch das ändert sich gerade - zumindest in der US-Army. Die stellte jetzt am Rande des Weltkongresses der Gesellschaft der Automobilingenieure in Detroit eine Panzerwagen-Studie vor, die vor allem auf Krafstoffeffizienz getrimmt war.
FED Bravo heißt das in Tarnfarben lackierte Militär-Konzeptfahrzeug, wobei das Kürzel FED für "Fuel Efficient Ground Vehicle Demonstrator" steht. Entwickelt wurde es von Tardec, der Fahrzeug-Forschungseinrichtung der US-Army in Kooperation mit 18 Designstudenten des College of Creative Studies in Detroit, einer von mehreren Kaderschmieden für amerikanische Autodesigner.
"Bislang standen die Widerstandskraft und die Geländefähigkeiten unserer Militärfahrzeuge im Vordergrund", sagte Tardec-Sprecher Bruce J. Huffman in der "New York Times" über das neue Vehikel. "Doch Spriteffizienz wird immer wichtiger. In Afghanistan etwa finden 70 bis 80 Prozent aller Militärkonvois statt, um Treibstoff für unsere Truppen bereitzustellen. Dieser Aufwand und das damit verbundene Risiko ließe sich allein durch sparsamere Militärfahrzeuge beträchtlich reduzieren."
Alles ist relativ
Wobei das Militär bei Spritsparen in ganz anderen Dimensionen denkt als der zivile Automobilist. Der FED Bravo etwa schluckt im Stadtverkehr umgerechnet 28,6 Liter je 100 Kilometer, bei Überlandfahrten sind es etwa 16,5 Liter. Warum dennoch von Sparsamkeit die Rede ist, hat damit zu tun, dass der in der US-Army eingesetzte Hummer etwa doppelt so viel Sprit verfeuerte. Außerdem handelt es sich bei dem Konzeptauto um ein gepanzertes Gefährt von 7,3 Tonnen Gewicht.
Angetrieben wird der wie ein aufgemotztes SUV-Modell wirkende Panzerwagen von einem Hybridantrieb. An der Vorderachse sorgt ein Elektromotor für Vortrieb, auf die Hinterachse wirken ein 4,4-Liter-V8-Dieselmotor von Ford sowie ebenfalls eine E-Maschine. Als Stromspeicher ist ein Lithium-Ionen-Akku an Bord. Rein elektrisch und nahezu lautlos kann der Wagen rund acht Kilometer weit fahren; der Dieseltank fast 90 Liter. Die Kraftverteilung erfolgt über ein Sechsgang-Automatikgetriebe, eine Start-Stopp-Automatik ist ebenfalls an Bord. Und um Gewicht und Bauteile zu sparen, werden Lenkung und Bremsen von einem gemeinsamen Hydrauliksystem unterstützt.
Finanziert wurde das Projekt FED Bravo vom US-Verteidigungsministerium. Die olivgrüne Welle sollte übrigens nicht als eine Form der Verweichlichung der Bodentruppen missverstanden werden. Tardec-Sprecher Huffman sagt, das neue Mantra der Militärforscher laute "less fuel, more fight".

