16.05.2012
Autogramm Mercedes GLK
Der kommt uns bekannt vor
Von Tom GrünwegDER ERSTE EINDRUCK: Das soll ein neues Auto sein? Irgendwie wirkt alles am überarbeiteten GLK wie ein Déja-vu. Das liegt daran, dass sich Mercedes für seine Modellpflege, bei Fans der Marke kurz "Mopf" genannt, großzügig bei anderen Baureihen bedient hat. Im neuen GLK blickt man auf die gleichen Instrumente wie in der M-Klasse, die Gebläseausströmer erinnern an den Supersportwagen SLS, und gefühlt grüßt selbst die S-Klasse alle GLK-Fahrer, weil der Allradler nun fast so viele Assistenzsysteme bietet wie die Luxuslimousine.
DAS SAGT DER HERSTELLER: Mercedes nennt den GLK den "Lifestyle-SUV im Midsize-Segment". Was auch immer das konkret bedeuten mag. Technisch von der C-Klasse abgeleitet und stilistisch an die großväterliche G-Klasse angelehnt, kommt der GLK rund um den Globus offenbar so gut an, dass er neuerdings auch in China gebaut wird. Ziel der Modellpflege seien die "Dynamisierung eines Charaktertyps" (was auch immer das nun konkret bedeuten mag) und der Einbau sauberer Motoren gewesen (darunter kann man sich schon eher etwas vorstellen).
DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Man sitzt höher und genießt einen besseren Ausblick als in einem normalen Kombi. Trotzdem kommt man auf engen Straßen und im dichten Stadtverkehr besser voran als mit einem großen Geländewagen im M-Klasse-Format. Der Dieselmotor klingt, typisch für Mercedes, ein wenig rauer und kratziger als die Selbstzünder aus Ingolstadt oder München. In Modellen wie dem SLK oder der E-Klasse stört das, einem Möchtegern-Geländewagen verleiht es einen Hauch von Authentizität. Mit 204 PS und stattlichen 500 Nm hat die Maschine genügend Dampf, und das Gewissen entlastet sie nun auch. Dank Ad-Blue-Harnstoff-Einspritzung (siehe "Technik erklärt" in der linken Spalte) werden die Abgase so gereinigt, dass der Motor bereits die EU-6-Norm erfüllt (gilt ab September 2014).
DAS MUSS MAN WISSEN: Der überarbeitete GLK kommt Ende Juni zu Preisen ab 36.235 Euro in den Handel. Es gibt ihn mit vier Diesel-Motorisierungen und einem Benziner von 143 bis 306 PS. Neu unter der Haube sind der EU-6-konforme Harnstoff-Katalysator für den von uns gefahrenen GLK 250 Bluetec sowie der GLK 350 CDI, dessen Motor nun 265 PS leistet und damit 34 PS mehr als bislang. Der schnellste GLK schafft 238 km/h, der sparsamste ist bei Verzicht auf den Allradantrieb nach Herstellerangaben mit 5,6 Litern zufrieden. Neu in der Preisliste stehen knapp ein Dutzend Komfort- und Assistenzsysteme, vom Müdigkeitswarner bis zum Einparkautomaten und der Offroad-Programmierung der adaptiven Scheinwerfer, die dann jeden Maulwurfshügel in Flutlicht taucht.
DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Man fühlt sich ganz gut aufgehoben im GLK - zumindest so lange, bis man mal das Mobiltelefon in die Ablage in der Mittelkonsole packt. Die ist nämlich so verzwickt und verschachtelt, dass man es danach kaum wieder herausbekommt. Und dann ist es leider schon wieder vorbei mit der Ruhe und Gelassenheit.

