22.05.2012
Verwirrte Verkehrsleitsysteme auf der A2
Die Spinnen
Autobahnverkehr bei Nacht: Auf der A2 mussten die Fahrzeuge auf 40 km/h runterbremsen
Hannover - Die Autofahrer auf der A2 werden ihren Augen nicht getraut haben: Die Nacht war klar, und es herrschte wenig Verkehr - und trotzdem durften sie nur über die Fahrbahn kriechen. Denn eine Verkehrsanlage zwischen den Anschlussstellen Veltheim und Bad Eilsen warnte vor trüber Sicht und beschränkte die Geschwindigkeit. Mehr als Tempo 40 war nicht erlaubt.
Schuld daran waren Spinnen. Die Tierchen hatten die Infrarotsensoren der Verkehrsleitsysteme mit ihren Netzen umwebt und somit die Technik getäuscht. Das erklärte der Leiter der niedersächsischen Verkehrsmanagementzentrale, Hartmut Prüß, am Dienstag in Hannover und bestätigte damit einen Bericht des "Weser-Kuriers".
Gegen die Achtbeiner, die normalerweise gehäuft im Herbst auftreten, werde zwar bereits ein Spezialspray eingesetzt, so Prüß. Das soll die Tiere mit einem Duftstoff für etwa drei Monate von den Messstationen fernhalten. Auch würden die Anlagen regelmäßig gewartet und mit dem Besen gereinigt. "Zu 100 Prozent kann man solche Vorfälle jedoch nicht ausschließen", sagte Prüß. Und es seien nicht nur Spinnen, die die Anlagen in die Irre führen.
Auch Insekten oder Vögel, die vor den Infrarotröhren zur Sichtmessung flattern, stören die empfindliche Datenauswertung. Strauchwerk oder Mülltüten könne sich ebenfalls vor den Sensoren verfangen.
Dafür ist ein 24-Stunden-Notdienst eingerichtet, der zu den Messanlagen fährt, um sie von störenden Gegenständen zu befreien. Teilweise komme es dabei aber zu leichten Verzögerungen, wie es in der Nacht zu Montag der Fall gewesen sei.
Hasen können das System nicht mehr überlisten
Früher hätten sogar Hasen oder Rehe die automatischen Verkehrsleitsysteme irritiert, sagte Prüß. Allerdings habe man dieses Problem dadurch gelöst, die Messstationen mindestens 1,9 bis 3 Meter hoch zu montieren.
Auf dem 155 kilometerlangen Abschnitt der A2 in Niedersachsen stehen etwa alle drei bis neun Kilometer die Sensoren des automatischen Verkehrsleitsystems. Laut Prüß reagieren sie empfindlich und lösen rasch einen Alarm aus - schließlich gelte es, Unfälle oder sogar Massenkarambolagen zu verhindern.
Und was passiert, wenn man als Autofahrer mit Tempo 60 auf einer Strecke geblitzt wird, wo eigentlich 120 erlaubt ist? Man darf auf Milde hoffen. Das sagt Wolfgang Polacek aus dem Rechtsreferat des niedersächsischen Innenministeriums im "Weserkurier".
Angeordnete Tempolimits müssten zwar grundsätzlich eingehalten werden, jedoch seien Behörden bei Ordnungswidrigkeiten nicht verpflichtet, ein Bußgeld einzutreiben. Bei technischen Pannen, wie nun durch die Spinnennetze verursacht, werde meistens Verständnis gezeigt.
cst/dapd