21.06.2012
Studie über Staus
Brummt die Wirtschaft, steht der Verkehr
Stau auf der A2 bei Hannover: "Verkehrsstaus sind ein ausgezeichneter Konjunkturindikator"
Stuttgart - Als Autofahrer in Deutschland hat man im vergangenen Jahr durchschnittlich anderthalb Tage im Stau verplempert. Je nachdem, wo man wohnt und fährt, sogar noch mehr: In Stuttgart etwa 58 Stunden, in Köln 57 und in Hamburg 55 Stunden.
Berechnet wurden diese Zahlen vom US-Unternehmen Inrix, einem Anbieter von Verkehrsinformationen. Europaweit ist die Situation der Studie zufolge am schlimmsten in den Städten Mailand, Brüssel, Antwerpen, Paris und Manchester, wo Autofahrer bis zu 70 Stunden warteten.
Insgesamt sei das Risiko, im Stau zu stehen, im vergangenen Jahr geringer geworden. Weltweit registrierte Inrix einen Rückgang um 17 Prozent, in Deutschland um acht Prozent. Gründe dafür seien die hohen Treibstoffpreise sowie die Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit.
Staus als Konjunkturindikatoren
"Wie es mit dem Verkehr steht, so steht es auch um die Wirtschaft", sagte Inrix-Manager Stuart Marks. "Verkehrsstaus sind ein ausgezeichneter Konjunkturindikator, der zeigt, ob die Menschen zur Arbeit gehen, Unternehmen Produkte versenden und die Verbraucher Geld ausgeben."
So zeige sich der Rückgang vor allem in den europäischen Schuldenstaaten: In Portugal hätten sich die Staus 2011 im Vergleich zu 2010 halbiert, in Irland seien sie um ein Viertel zurückgegangen, in Spanien um 15 und in Italien um zwölf Prozent.
Deshalb seien die Staurückgänge von acht Prozent in Deutschland im Jahr 2011 kritisch zu betrachten. 2012 hat sich die Verkehrslage laut der Studie allerdings wieder verdichtet: Die Stauzeiten stiegen von Januar bis Mai um sechs Prozent an.
Am besten läuft es montags
Nach dem Datenabgleich von Inrix besteht in Deutschland die größte Staugefahr am Freitagnachmittag. Dann müssten die Fahrer damit rechnen, dass sie etwa 27 Prozent länger unterwegs sind als in verkehrsarmen Zeiten. Am besten kommen Pendler laut Studie am Montagabend nach Hause.
Inrix misst die Verkehrsstörungen in Deutschland nach eigenen Angaben anhand von Straßensensoren, statistischen Erhebungen sowie den Echtzeitdaten aus GPS-Geräten in Fahrzeugen.
cst/dpa