04.07.2012
Effizienzerziehung für Autofahrer
Spielen und sparen
2,8 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern, in einer normalen Straßenlimousine - das geht tatsächlich. John und Helen Taylor haben es mit einem VW Passat TDI vorgemacht. Das Ehepaar hält den Weltrekord im Spritsparen. Ihre Grundregel lautet: Gelassen fährt es sich am sparsamsten. Das bedeutet vor allem, die Gänge früh hochzuschalten und ohne abrupte Beschleunigungen gleichmäßig zu fahren. Klingt eigentlich ganz einfach.
Trotzdem ertappt man sich als Durchschnittsfahrer fast täglich dabei, wie diese Regeln über Bord geworfen werden - im zähen Verkehr oder in der Kolonne, wo man nur mittreibt. Ein Paradebeispiel ist jedoch der kurze Sprint, um es bei Gelb noch über die Ampel schaffen: Zeit wird dadurch meist kaum gewonnen, dafür viel Sprit verblasen.
Eigentlich sollten die hohen Benzinpreise genug Anreiz sein, die oberste Regel der Taylors einzuhalten. Wer beim Autofahren die ständige Herausforderung des Spritsparens sucht, dem bieten einige Fahrzeughersteller Motivationshilfen. Mit Wettbewerben, kleinen Belohnungen und Gemeinschaftsgefühl wollen sie ihren Kunden einen sanften Fahrstil schmackhaft machen.
"Zu viel Motivation ist nicht gut"
Dass diese Spielereien Sinn machen, bestätigt Rüdiger Born. "Der Fahrer erfährt dadurch, wie der Motor funktioniert", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen, "und die Belohnungen und Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Fahrern können zu einer Umstellung der Fahrweise motivieren."
Gleichzeitig warnt er aber davor, den kleinen Programmen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken: "Damit kann man sich im Auto auch überfordern", sagt Born. Zu sehr sollte man sich von den virtuellen Spritspar-Rankings und Belohnungssystemen deshalb nicht unter Druck setzen lassen. "Zu viel Motivation ist nicht gut - Sicherheit sollte bei Autofahren immer noch die oberste Priorität haben."
In der folgenden Auflistung stellen wir Ihnen einige Bespiele vor.
Fiat: Oh, wie schön ist Ecoville
Fiat eco:Drive: Sprit sparen und ab nach Ecoville
Über die Software eco:Drive, die sich kostenlos auf einen USB-Stick laden und an das System anschließen lässt, werden unter anderem über die Daten des Navigationssystems die Topografie der gefahrenen Strecken und der Spritverbrauch ausgelesen. Zusätzlich speichert das Programm das Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie die Schaltvorgänge. Anhand dieser Daten wird ein sogenannter Eco-Index ermittelt - je sparsamer der Fahrstil, desto höher der Indexwert. Gegebenenfalls bekommt der Fahrer dann Tipps, wie er sparsamer unterwegs sein kann. Wer die Vorgaben beherzigt, kann laut Fiat den Spritverbrauch um bis zu 15 Prozent senken - und so zu einem Vorzeigebürger von Ecoville werden.
Opel: Bloß nicht den Ball flachhalten
Display im Opel Ampera: Bei verschwenderischer Fahrweise verrutscht die grüne Kugel
Mini: Verbinden und vergleichen
Minimalim Analyser im Mini: Punkte und Sternchen sammeln
Zusätzlich ist ein Ranglistenvergleich mit anderen Mini-Besitzern möglich, wenn man die Minimalism-Analyser-App auf seinem Smartphone benutzt und es mit dem Fahrzeug verbindet. Sieht der Fahrer auf dem Tacho-Display oder dem Smartphone außerdem viele Sternchen, ist das ein gutes Zeichen: Damit wird angezeigt, dass er in den vergangenen zehn Minuten Gaspedal und Bremse vernünftig eingesetzt hat. Die App ist kostenlos - Voraussetzung für den Minimalism Analyser ist aber die 250 Euro teure Sonderausstattung Mini Connect.
Ford: Mit Flower-Power zum Eco-Champion
EcoMode von Ford: Spritsparen bis zur Pokalübergabe
Die disziplinierte Fahrweise soll sich aber nicht nur virtuell auszahlen: Werden die EcoMode-Vorgaben befolgt, lässt sich laut Ford der Spritverbrauch um fast ein Viertel senken. Das System wird derzeit in den jungen Baureihen der Modelle Focus, Mondeo und Fiesta angeboten.
Honda: Zu schnell, zu blau
Eco Guide von Honda: Lehrreiches Farbspiel auf Knopfdruck
cst
