04.07.2012
Autogramm Fiat 500L
Kleiner, mach dich lang
Von Tom GrünwegDer erste Eindruck: Da ist es wieder, dieses Lächeln, das einem beim Blick auf den Fiat 500 unweigerlich über das Gesicht huscht. Auch wenn der Italiener in der neuen L-Version sichtlich gewachsen und nicht mehr so knuddelig ist, sieht er noch immer niedlich aus. Aber der Stadtflitzer ist jetzt kein Single-Spielzeug mehr - zum ersten Mal gibt es in einem Cinquecento ausreichend Platz für alle Insassen.
Das sagt der Hersteller: "Der größte 500er aller Zeiten." Familie, Freunde und Reisekoffer - alles soll reinpassen, sagt Pressesprecher Florian Büngener. Bei Fiat sieht man den 500L deshalb in der Tradition des 600 Multipla aus den Sechzigern, eines Ur-Opas unter den Vans.
Für die Italiener ist der 500L aber nicht nur ein Erbe des Multipla, sie parken ihn auch in der Nische zwischen VW Polo und Golf. Außerdem ist das Auto von wirtschaftspolitischer Bedeutung: Erstens, weil es in mehr als 100 Ländern verkauft werden und dem Cinquecento endlich auch in den USA zum Durchbruch verhelfen soll. Und zweitens, weil Fiat dafür extra ein Werk aufgemöbelt hat: Insgesamt eine Milliarde Euro wurden seit 2010 im serbischen Kragujevac investiert, um für den 500L die alte Zastava-Fabrik auf Vordermann zu bringen.
Das ist uns aufgefallen: Wieviel Raum der 500L bietet. Obwohl der Wagen gerade mal um 60 Zentimeter auf 4,14 Meter gestreckt wurde, hat man jetzt tatsächlich richtig Platz. Vorne reibt man sich nicht mehr die Knie an den Konsolen und hinten herrscht Beinfreiheit - erst recht, wenn man die verschiebbare Rückbank bestellt und mit einem Handgriff 15 Zentimeter weiter zurück gleitet. Dann schrumpft zwar der Kofferraum. Aber selbst im ungünstigsten Fall fasst der Fiat noch 400 Liter - mehr als doppelt so viel wie der Zweitürer.
Schade nur, dass sich die Italiener beim Antrieb nicht ganz so viel Mühe gegeben haben. Der 1,3-Liter-Diesel mit 85 PS ist zwar in Ordnung, aber eben auch nicht mehr: In der Stadt zügig und auf der Autobahn eher zäh, bringt er den 500L in müden 14,9 Sekunden auf Tempo 100, schafft 165 Sachen und verbraucht laut Datenblatt 4,2 Liter. Bei unserer Testfahrt in und um Turin zeigte der Bordcomputer allerdings beinahe das Doppelte an. Außerdem ist die Lenkung zu leichtgängig, ein sechster Gang würde nicht schaden. Und jenseits des Kopfsteinpflasters auf dem Corso Unita d'Italia würde man sich auch ein strafferes Fahrwerk wünschen.
Das muss man wissen: In den Handel kommt der 500L bei uns Ende Oktober 2012. Die Preise für den 1,4-Liter-Benziner mit 95 PS werden wohl knapp unter 16.000 Euro beginnen. Etwas teurer wird dann der 500L mit sogenanntem TwinAir-Motor, der mit Turbo-Hilfe aus nur zwei Zylindern 105 PS schöpft. Und der von uns gefahrene Diesel-Vierzylinder soll zwischen 18.000 und 19.000 Euro kosten.
Offenbar inspiriert vom Erfolg des Mini und begeistert von den vielen Möglichkeiten der Modulbauweise, plant Fiat noch weitere Ableger des Cinquecento: Schon im nächsten Jahr wird es deshalb einen 500X mit Offroad-Optik und Option auf Allradantrieb sowie einen 500XL geben. Der bietet dann sogar eine dritte Sitzreihe.
Das werden wir nicht vergessen: Ein Extra aus der Zubehörliste, das italienischer kaum sein könnte: denn als erstes Auto gibt es den Fiat 500L mit einer elektrischen Espressomaschine für den Cupholder. Da kann einem selbst ein Stau nicht mehr die Laune verderben.

