04.07.2012
Lkw mit Heckdiffusor
Sattelschlepper lernen von Rennwagen
Die Form der meisten Lkw ist ein Problem für die Umwelt. Die ungünstige Aerodynamik führt zu einem hohen Spritverbrauch und einem dementsprechend hohen Schadstoffausstoß. Die Laster windschnittiger zu machen, ist aber nicht so einfach: Gesetzliche Vorgaben in Bezug auf die Gesamtlänge des Fahrzeugs verbieten den Anbau zusätzlicher Teile wie etwa einem Frontspoiler.
Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erproben nun eine Möglichkeit zur Verbrauchsreduzierung. Im Fokus ihrer Arbeit steht nicht die Fahrzeugfront oder das Heck, sondern der Unterboden. Hier seien nach Angaben des DLR Anbauten möglich, die weder den Laderaum einschränken - wichtig für die Spediteure - noch gesetzliche Vorgaben verletzen.
"Durch den hohen Druck vor dem Lkw und dem niedrigen dahinter entsteht eine Kraft entgegen der Fahrtrichtung mit einer Art Sogwirkung", erklärt Johannes Haff vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Göttingen. "Ein modifizierter Unterboden am Heck, ähnlich einem Diffusor, könnte den Druck hinter dem Lkw erhöhen, wodurch die Sogwirkung verringert wird." Solche Leitwerke werden zum Beispiel auch im Motorsport eingesetzt, um die Luft gezielt zu kanalisieren. Allerdings geht es den Renningenieuren mehr um höhere Geschwindigkeiten als um eine Verbrauchsreduzierung.
Bislang wurde der positive Einfluss modifizierter Unterböden bei Lastwagen nur im Windkanal getestet. Um herauszufinden, ob sich die Verbesserungen auch in der Praxis bestätigen lassen, haben die Wissenschaftler des DLR nun einen Sattelzug mit dem Diffusor auf die Straßen des Bundeswehr-Fliegerhorsts Faßberg geschickt. Dazu wurde die Rückwand des Lkw mit Drucksensoren ausgerüstet und die Luftströmungen mittels Lasertechnik sichtbar gemacht.
Forscher erwarten deutliche Verbesserung
Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor. "Jetzt müssen wir die gesammelten Daten auswerten", sagt Haff. Wenn die Untersuchungen die gewünschten Erkenntnisse bestätigen, könnte der "aerodynamische Unterboden" die Windschnittigkeit von Lkw verbessern und somit der Kraftstoffverbrauch und Emissionsausstoß gesenkt werden. Allein von dem Diffusor erwarten die Forscher eine Verringerung des cW-Wertes von zehn bis 15 Prozent.
Wie viel Diesel sich dadurch insgesamt einsparen lässt, wollte das DLR jedoch nicht sagen. Zu unterschiedlich seien die Anwendungsbereiche der Laster. Klar ist aber: Auf der Autobahn ist die Verbrauchsreduzierung deutlich größer als in der Stadt.
rom

