24.07.2012
Auto unterm Hammer
Das Mafiamobil von Al Capone
Von Lasse HinrichsBanküberfälle, Erpressungen, Morde - Alphonse Gabriel "Al" Capone war Ende der zwanziger Jahre einer der größten Mafia-Schurken in den USA. So skrupellos wie er als Verbrecher agierte, so ausgeprägt war sein eigenes Sicherheitsbedürfnis. Vor allem dann, wenn er unterwegs war. Um nicht selbst Opfer eines Attentats zu werden, ließ sich Al Capone in einem aufwendig umgebauten Automobil herumkutschieren.
Sein Cadillac vom Typ 34-A Town Sedan aus dem Baujahr 1928 zählt wohl zu den ersten gepanzerten Privatautos überhaupt. Und eben dieses Exemplar kommt nun in St. John's im US-Bundestaat Michigan unter den Hammer. Die Firma RM Auctions schätzt, dass der Zuschlag bei einem Gebot zwischen 300.000 und 500.000 Dollar fallen wird.
Viel mehr wert - geradezu unbezahlbar - ist natürlich die Story hinter dem Ganoven-Schlitten. Anekdoten kurbeln die Phantasie an und das wiederum ist gut fürs Auktionsgeschäft. Also breitet RM Auctions die Vergangenheit des Fahrzeugs detailliert aus. Ein umfangreiches Dossier benennt haarklein etliche Stationen in der Entwicklung des Wagens.
Als Kronzeugen dafür, dass der Cadillac wahrhaftig aus Capones Carport stammt, tritt der heute 93-jährige Richard Capstran in Erscheinung. Capstrans Vater Ernest besaß eine Karosseriewerkstatt, in der nach den Erinnerungen des Sohnes im Sommer 1928 ein paar von Capones Leuten mit dem fabrikneuen Cadillac auftauchten und diverse Umbauten an dem Auto in Auftrag gaben.
Ernest Capstrans war das offenbar nicht geheuer. "Solche Arbeiten machen wir hier nicht", habe er geantwortet. Doch die Mafiosi hätten sehr überzeugend erwidert, "jetzt schon", erinnert sich der Sohn noch heute. Als der Wagen fertig war, sei Al Capone persönlich in der Werkstatt erschienen und habe bezahlt - und zwar genau doppelt so viel, wie auf der Rechnung stand.
Kugelsichere Scheiben mit Mini-Schießscharten
Nicht allein der Einbau von Stahlplatten - die Dinger waren mit Asbest ummantelt und wogen zusammen mehr als 1,3 Tonnen - in Capstrans Werkstatt machte aus dem Luxusauto mit dem 90 PS starken V8-Motor eine Art Panzer. Wie RM Auctions mitteilt, wurden in einer anderen Werkstatt zusätzlich die Türen und Scheiben spezialbehandelt. So ließen sich die 2,5 Zentimeter dicken, kugelsicheren Fenster so bewegen, dass kleine Schießscharten zum Vorschein kamen, durch die der Lauf eines Maschinengewehrs passte.
Lange befand sich der Cadillac allerdings nicht in Capones Besitz. 1931 wurde der Gangster, der für mehr als hundert Morde verantwortlich gewesen sein soll, verurteilt. Das Auto nahm einige verschlungene Wege und wurde laut Recherche von RM Auctions bereits 1933 von Patrick Moore an einen gewissen Harry LaBreque verkauft. Viel später dann, im Jahr 2006, gelangte der inzwischen restaurierte Oldtimer in die Hände von John O'Quinn. Der Jurist und Autosammler verstarb 2009 bei einem Verkehrsunfall. Aus seinem Nachlass wird der außergewöhnliche Cadillac nun versteigert.

