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24.07.2012
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Brand an Tankstelle

So sicher sind Flüssiggas-Autos

Von Christoph Stockburger
Zapfsäule an Autogas-Tankstelle: "Sicherheitsmechanismen, die es bei Benzinmotoren nicht gibt"
dapd

Zapfsäule an Autogas-Tankstelle: "Sicherheitsmechanismen, die es bei Benzinmotoren nicht gibt"

Nach einem schweren Brandunfall an einer Autogas-Tankstelle warnen Experten davor, den alternativen Antrieb in Frage zu stellen. Flüssiggas ist ihrer Ansicht nach nicht riskanter als Benzin - im Gegenteil.

Ihr Auto wurde zur Feuerfalle: Nachdem eine 31-Jährige Frau am Montag im Mönchengladbach ihren Wagen mit Flüssiggas betankt hatte und den Wagen startete, kam es im Fahrzeug zu einer Verpuffung. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie Flammen aus dem Auto schießen. Die Frau konnte sich aus dem Feuer retten, wurde aber schwer verletzt. Laut Polizeiangaben liegt sie im Koma.

Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist laut den Behörden noch unklar. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass an der Tankstelle ein Defekt vorlag", sagte ein Sprecher der Polizei Mönchengladbach. Das Auto, ein Audi Cabrio, werde derzeit untersucht. Bei dem Flüssiggastank habe es sich um eine Umrüstung gehandelt.

Allein im vergangenen Jahr wurden laut Alexander Stöhr, Referent beim Deutschen Verband Flüssiggas (DVFG), mehr als 33.000 solcher Umrüstungen an Fahrzeugen mit Benzinmotoren vorgenommen. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 460.000 Autos, die mit Flüssiggas ("Liquified Petroleum Gas" - LPG) unterwegs seien.

Stellen diese Fahrzeuge eine Gefahr dar? Ist diese vergleichweise günstige und umweltverträgliche Technologie sicherheitstechnisch unausgereift? Nach dem Unfall von Mönchengladbach werden sich viele Autofahrer solche Fragen gestellt haben.

Vorteil mit Einschränkung

Michael Kruttschnitt kann die Verunsicherung nach solchen Vorfällen verstehen. "Mir ist der Bericht über den Unfall sofort aufgefallen und ich habe ihn an meine Kollegen weitergeleitet", erzählt der Sachverständige vom TÜV SÜD. Dennoch würde er gerne mehr LPG-Autos auf den Straßen sehen: "Flüssiggastanks sind sicherer als Benziner", sagt der Experte. Und fügt hinzu: "Wenn sie ordnungsgemäß eingebaut sind."

Seit 2003 gilt für Nachrüstsysteme für Flüssiggas und Erdgas eine EU-weite Verordnung. "Darin sind mehr Sicherheitsvorkehrungen enthalten als für benzinbetriebene Motoren", sagt Kruttschnitt. Unter anderem schreibe das Gesetz vor, dass zwischen Tankeinfüllstutzen und Motorraum mindestens drei Ventile für einen sicheren Kreislauf in der Gasanlage sorgen müssen. "Damit wird sichergestellt, dass nur eine so geringe Mengen des Gasgemischs austreten kann, dass sie sich in der Luft sofort verdünnen würde."

Zusätzlich müsse an dem umgerüsteten Auto ein Ventil angebracht sein, das im Falle von Überdruck das Gas dosiert nach Außen leitet. "Das sind alles Sicherheitsmechanismen, die es bei Benzinmotoren nicht gibt", sagt Kruttschnitt.

Falsche Sparsamkeit

Werden Autos mit einem Gastank nachgerüstet, können sie grundsätzlich auch weiter mit Benzin betrieben werden. Der Stahlbehälter für das Gas wird in der Regel in der Reserveradmulde verstaut, der Benzintank nicht ausmontiert. Als TÜV-Prüfer habe er allerdings die Erfahrung gemacht, so Knittschmitt, dass bei der Umrüstung der Autos oft die gebotene Sorgfalt nicht eingehalten werde - sowohl von den Werkstätten als auch von den Kunden. "Am häufigsten stelle ich fest, dass Gasleitungen nicht richtig befestigt sind oder der Gastank nicht unfallsicher eingebaut wurde. Und die Autobesitzer sparen leider oft bei der Inspektion und der Mängelprüfung."

Für eine regelmäßige Wartung der Gasautos sollte dabei eigentlich genug Geld vorhanden sein: Schließlich kostet ein Liter Flüssiggas zwischen 75 und 80 Cent und ist damit im Vergleich zu Benzin und Diesel preiswert - bei einem nur geringfügig höheren Verbrauch. Neben dem Aspekt der Umweltverträglichkeit - bei Gasautos ist der CO2-Ausstoß um rund 15 Prozent geringer - ist der billige Treibstoff der Hauptvorteil der Technologie.

"Sicherheitstechnik hat sich bestens bewährt"

Wer sich also schon dafür entscheidet, die 1400 bis 3000 Euro teure Umrüstung vorzunehmen, dem rät Michael Kruttschnitt dazu, nicht einfach die günstigste Variante zu wählen. "Bei der Umstellung auf einen Gasantrieb besteht Beratungsbedarf. Deshalb sollte man sich gut informieren, welche Anlage für das jeweilige Automodell am besten geeignet ist."

Ist der Wagen umgerüstet, muss der alternative Antrieb laut Gesetz alle zwei Jahre im Rahmen der Hauptuntersuchung auch einer so genannten Gasanlagenuntersuchung (GAP) unterzogen werden. "Es ist aber wichtig, dass auch bei anderen Reparaturen zwischendurch eine GAP stattfindet", sagt Kruttschnitt. "Zudem müssen Wartungsintervalle streng eingehalten werden. Wenn der Hersteller empfiehlt, alle 10.000 Kilometer den Filter zu tauschen, dann sollte das auch befolgt werden."

Dass Gastanks bei Autos grundsätzlich sicher sind, hat auch ein Test des ADAC bewiesen. Dabei wurde unter einem LPG-Auto ein Feuer gelegt. Was dann passierte, stimmte die Prüfer zufrieden: Über ein integriertes Sicherheitsventil entleerten sich die erhitzen Tanks so, dass der Brand nicht zusätzlich angefeuert wurde. "Die spezielle Gas-Sicherheitstechnik hat sich bestens bewährt", lautete das Urteil.

Gerade dieses Sicherheitsventil hätte einen Unfall, wie er sich in Mönchengladbach ereignete, verhindern sollen. Im Zusammenhang mit dem Brand an der Tankstelle haben das Amt für Arbeitsschutz und die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen.

Forum

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insgesamt 18 Beiträge
1. Wenn ein 70jaehriger....
jaguaros 24.07.2012
....ein Unfall baut sind manche sofort aktiv und verlangen dass Rentner ab 70 Fahrverbot bekommen sollen. Das taeglich hunderte junge Menschen Unfaelle bauen spielt dabei keine Rolle. Genau wie mit den Gastanks, 460000 Autos auf [...]
....ein Unfall baut sind manche sofort aktiv und verlangen dass Rentner ab 70 Fahrverbot bekommen sollen. Das taeglich hunderte junge Menschen Unfaelle bauen spielt dabei keine Rolle. Genau wie mit den Gastanks, 460000 Autos auf der Strasse, jetzt ein Unfall - sicher technisches Defekt - und gleich gehts los mit Diletanten die es evtl. in Frage stellen wollen. Wie im Zirkus.
2. Wie viele ...
reever_de 24.07.2012
... PKW mit Benzinantrieb sind durch alle möglichen und unmöglichen Dummheiten abgebrannt? Ich bin mit meinem LPG-Tanker und der einfachen Technik dermaßen zufrieden das bei einem Gaspreis von derzeit 79 Cent pro Liter das Tanken [...]
... PKW mit Benzinantrieb sind durch alle möglichen und unmöglichen Dummheiten abgebrannt? Ich bin mit meinem LPG-Tanker und der einfachen Technik dermaßen zufrieden das bei einem Gaspreis von derzeit 79 Cent pro Liter das Tanken schon fast wieder Spaß macht! Und das Beste, die Sache mit dem "Autofahren zum halben Preis" geht noch bis Ende 2018! :)
3. Laecherliches Gerede
blob123y 24.07.2012
in Thailand gibt es z.B. wesentlich mehr Gastankstellen als in Deutschland da der Staat die Buerger nicht derart schamlos abzockt, noch nie hat es ein Feuer, Unfall etc. gegeben. Wenn man dies zu dem ueblichen Chaos dort [...]
Zitat von sysopNach einem schweren Brandunfall an einer Autogas-Tankstelle warnen Experten davor, den alternativen Antrieb in Frage zu stellen. Flüssiggas ist ihrer Ansicht nach nicht riskanter als Benzin - im Gegenteil. So sicher sind Flüssiggas-Autos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,846198,00.html)
in Thailand gibt es z.B. wesentlich mehr Gastankstellen als in Deutschland da der Staat die Buerger nicht derart schamlos abzockt, noch nie hat es ein Feuer, Unfall etc. gegeben. Wenn man dies zu dem ueblichen Chaos dort relativiert kommt man sofort auf die uebliche Deutsche schlechtrednerei ohne Substanz.
4. Anderswo
Stelzi 24.07.2012
Als ich zuletzt vor 12 Jahren in Südkorea war, wimmelte es dort nur so vor Bussen, Taxen, Firmen- und Privatwagen mit einem LPG Sticker auf der Heckscheibe, auch weil Hyundai die schon ab Werk en masse verkauft. Und das hat da [...]
Als ich zuletzt vor 12 Jahren in Südkorea war, wimmelte es dort nur so vor Bussen, Taxen, Firmen- und Privatwagen mit einem LPG Sticker auf der Heckscheibe, auch weil Hyundai die schon ab Werk en masse verkauft. Und das hat da damals nicht erst vor kurzem mit den LPG Autos angefangen, das ist jetzt schon Jahrzehnte ein Renner - weils funktioniert und sicher ist. Jetzt hat es einen tragischen Unfall gegeben. Genau wie es sie auch bei Benzinern immer wieder mal gibt. Da wird dann aber nicht hektisch bis hysterisch alles in Frage gestellt.
5.
LouisWu 24.07.2012
Genauso blöde ist dann aber auch das Argument, dass "über 65-jährige nur X Prozent der Bevölkerung ausmachen und daher die Zahl ihrer Unfälle prozentual geringer ist, als die der Jüngeren". Interessant und relevant ist [...]
Zitat von jaguaros....ein Unfall baut sind manche sofort aktiv und verlangen dass Rentner ab 70 Fahrverbot bekommen sollen. Das taeglich hunderte junge Menschen Unfaelle bauen spielt dabei keine Rolle...
Genauso blöde ist dann aber auch das Argument, dass "über 65-jährige nur X Prozent der Bevölkerung ausmachen und daher die Zahl ihrer Unfälle prozentual geringer ist, als die der Jüngeren". Interessant und relevant ist natürlich nicht der absolute Anteil der über 65-jährigen an der Bevölkerung, sondern die Menge an Unfällen bezogen auf die Anzahl derer, die in dem Alter noch Auto fahren. Das könnte aber einer wichtigen Wählergruppe wehtun, daher rechnet man so nicht... Es sollte keine heiligen Kühe geben und keine Zwecke, die jedes Opfer rechtfertigen. Wenn Flüssiggasbetrieb sicher ist, wird sich das statistisch feststellen lassen. Auch, wenn nicht. Kein Problem.

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