31.07.2012
Sport-Modelle von Lexus
Tuning nach Schema F
Von Jürgen PanderLexus? Das ist doch die Luxusmarke, die japanisch höflich stets im Hintergrund bleibt. Bei lediglich 1528 Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2012 in Deutschland ist das auch nicht weiter verwunderlich. Dabei hat die Marke aus dem Toyota-Konzern durchaus etwas zu bieten: ausgereifte Hybridtechnik zum Beispiel oder üppig eingerichtete Innenräume sowie ein Fahrgefühl, das in Richtung fliegender Flokati geht. "Den Kunden reichte das aber offenbar nicht", sagt Lexus-Sprecher Henning Meyer, "bei Befragungen schnitten unsere Fahrzeuge in der Kategorie Fahrspaß meist eher schlecht ab."
Fahrspaß, was soll das eigentlich sein? Für Autohersteller ist die Antwort klar: Fahrspaß bedeutet Sportlichkeit und Action, sobald sich der Fuß aufs Gaspedal senkt. "Das soll künftig auch den Stil der Marke Lexus prägen, und dafür brauchen wir natürlich Belege", sagt Meyer. Der Lexus-typischen Strebsamkeit soll also ein Schuss Adrenalin beigemischt werden.
Ganz neu ist das Ansinnen nicht. Bereits 2008 stellte Lexus das Modell ISF vor, eine Mittelklasselimousine mit 423 PS starkem V8-Motor, der das Auto in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultiert. Der Wagen blieb bis heute ein Exot auf den Straßen, obwohl er einschlägig positionierten Brachialtypen aus deutscher Produktion von BMW M, Audi Quattro oder Mercedes AMG in nichts nachsteht. Das Gleiche gilt für den Supersportwagen Lexus LFA. Von dem Karbon-Geschoss mit V10-Motor, 560 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h wurden 500 Exemplare zum Stückpreis von 375.000 Euro gebaut. Alle sind bereits verkauft, 16 gingen nach Deutschland.
Der Nachweis, dass Lexus ultrasportliche Autos bauen kann, ist also erbracht. Nun soll diese Erkenntnis bei den Kunden ankommen und Früchte tragen - und zwar in Gestalt der sogenannten F-Sport-Modelle, die künftig in jeder Baureihe angeboten werden. Der Buchstabe F steht für Fuji Speedway: Auf der japanischen Rennstrecke am Fuße des heiligen Berges Fuji wurden nicht nur die Sportwagen des Toyota-Konzerns, sondern ehemals auch die Formel-1-Rennwagen abgestimmt.
Der Hybrid-Antrieb bleibt, drumherum wird's knackiger
So gibt es also den Hybrid-Kompaktwagen CT 200h auch als F-Sport-Variante, ebenso den Hybrid-SUV RX 450h und die Business-Limousine GS. Das Konzept hinter diesen Modellen ist aber keineswegs bedingungslose Sportlichkeit: Die Autos treten nach wie vor mit ihren Serien-Hybridantrieben an. Das heißt, die Motorleistung bleibt gleich. Verändert werden bei den F-Sport-Versionen jedoch die Optik, die Aerodynamik und das Fahrwerk.
Der CT 200h F Sport beispielsweise tritt nach wie vor mit einem 1,8-Liter-Benziner samt Elektromotor an, die gemeinsam eine Systemleistung von 136 PS entwickeln. Gegenüber dem Standardmodell wurde sein Fahrwerk aber mit Schraubenfedern und Querdämpfern strammer gezurrt. Außen lassen ihn ein größerer Frontspoiler und dunkle 17-Zoll-Räder aggressiver wirken. Innen wird sein Charakterwandel mit Aluminium-Pedalen, einem schwarzen Dachhimmel, Sportlenkrad und Sportsitzen verdeutlicht.
Auf den ersten Blick rollt der Wagen damit wie ein Halbstarker mit erster Brustbehaarung daher. Doch studiert man die technischen Daten, dann bietet wohl keine andere Sportversion eines Fahrzeugs einen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter je 100 Kilometer sowie einen CO2-Ausstoß von 94 Gramm je Kilometer.
Soll man jetzt vor Freude lächeln (über die Sparsamkeit) oder das ein bisschen lächerlich finden (136 PS für ein Sportmodell)? Das kommt auf den Standpunkt an. Denn mal ehrlich: die entscheidenden Beigaben sämtlicher Sport-Varianten braver Modelle sind Show, Schein und Marketing. Erst dann kommen eventuell ein paar Extra-PS und ein ruppigeres Fahrverhalten. Insofern ist es nichts Ehrenrühriges, wenn auch Lexus das Spielchen jetzt mitspielt. Andererseits opfert die japanische Marke gerade damit ihr bisheriges Anderssein, ihre klare und konsequente Ausrichtung auf effiziente Opulenz.
"Mehr Würze"
Glaubt man den Verantwortlichen bei Lexus, dann geht diese Rechnung trotzdem auf. "Wir liegen im ersten Halbjahr 2012 mit allen Hybridmodellen über Plan", sagt Firmensprecher Meyer, "die Imagekorrektur in Richtung Sportlichkeit zeigt also offenbar schon Wirkung."
Der Sinneswandel bei Lexus kommt übrigens von ganz oben. "Ich will Autos, die Würze haben", forderte Akio Toyoda von seinen Ingenieuren, als er vor drei Jahren als neuer Vorstandschef des Toyota-Konzerns antrat. Um im Bild zu bleiben: Im Falle von Lexus wurde bei der Umsetzung dieser Maßgabe nicht Wasabi, sondern der Salzstreuer verwendet. Pikanter sind die Modelle trotzdem geworden.

