08.08.2012
Notbrems-Assistenzsysteme
EU drängt auf autonomere Autos
Von Jürgen PanderAutonomes Fahren, das klingt sehr nach Science-Fiction, doch tatsächlich sind die Anfänge längst gemacht. Autos parken automatisch ein, halten eine gewählte Geschwindigkeit sowie den nötigen Sicherheitsabstand ein und manche können sogar kritische Situationen erkennen und selbstständig eine Notbremsung auslösen, um eine Kollision ganz zu vermeiden oder zumindest deren Schwere zu verringern. Das letztgenannte System ist auch als Notbremsassistent bekannt. Noch ist es kaum verbreitet, erst in rund 20 Prozent aller in der EU angebotenen Neuwagen ist es überhaupt verfügbar.
Das soll sich nach dem Willen der EU zügig ändern. Bereits ab November 2013 sind Notbremssysteme, kurz AEBS (Advanced Emergency Braking Systems), für neue Busse mit mehr als neun Sitzplätzen und Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht vorgeschrieben. Und bei den Pkw würden die Verkehrspolitiker in Brüssel am liebsten auch eine ähnliche Verpflichtung durchsetzen.
Begründet wird dies mit einer größeren Sicherheit im Straßenverkehr und geringeren wirtschaftlichen Schäden. Etwa 90 Prozent aller Unfälle werden von abgelenkten oder unaufmerksamen Fahrern verursacht; Notbremsassistenten in allen Kraftfahrzeugen, so heißt es, könnten die Unfallhäufigkeit um bis zu 27 Prozent senken und zu einem deutlichen Rückgang bei den im Straßenverkehr Verletzten beitragen. Zudem würde die Zahl der unfallbedingten Staus reduziert - was volkswirtschaftliche Kostenvorteile bedeute.
Neue Euro-NCAP-Regelung geplant
Um die Verbreitung von Notbremsassistenzsystemen in Pkw zu fördern, plant die EU allerdings keine weitere Verordnung. Stattdessen soll das europäische New Car Assessment Program (Euro NCAP), ein Konsortium unter Beteiligung von sieben EU-Staaten, das die Crash-Sicherheit von Autos testet, dazu beitragen. Der Trick: Ab 2014 soll die Bestnote von fünf Sternen nur noch von Fahrzeugen erreicht werden können, die ein automatisches Notbremssystem an Bord haben.
Wie exakt die Prüfung der Notbremsassistenten ablaufen soll und ob es Unterschiede bei der Bewertung von Systemen gibt, die zum Beispiel auch Fußgänger von Fahrzeugen unterscheiden können, ist noch nicht geklärt. Der Sprecher des Verbands der Deutschen Autoindustrie (VDA), Eckehart Rotter, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Wir sehen keine zwingende Notwendigkeit, das autonome Notbremssystem gesetzlich verpflichtend zu machen. Die Nachfrage der Käufer und das wachsende Angebot der Autohersteller sorgen dafür, dass sich das System von selbst etabliert."

