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29.11.2012
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Los Angeles Autoshow

Goldrausch in Kalifornien

Aus Los Angeles berichtet Jürgen Pander
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Jürgen Pander

Hierzulande reden alle über die Autokrise, auf der soeben eröffneten Los Angeles Autoshow herrscht Goldgräberstimmung. Der Zusammenbruch des US-Markts 2009 ist vergessen, in den letzten Monaten schnellten die Absatzzahlen in die Höhe. Vor allem bei den deutschen Herstellern brummt das Geschäft.

Auf der Los Angeles Autoshow, die noch bis 9. Dezember andauert, gibt es scheinbar nur Gewinner. Egal wohin man blickt, sieht man Automanager in euphorischer Stimmung. Von den Bühnen, auf denen die neuen Modelle glänzen, verkünden die Verantwortlichen im Halb-Stunden-Takt der Pressekonferenzen Bestwerte und Rekordzahlen.

Audi verzeichnete im Oktober dieses Jahres zum zweiundzwanzigsten Mal in Folge einen Monat mit höheren Verkaufszahlen als im Monat davor, BMW verkündet ein Plus seit Januar von bislang 21 Prozent, bei Porsche freut sich Vorstandschef Matthias Müller über einen um 13 Prozent gestiegenen Absatz, Mercedes feiert sich als Nummer eins der Luxusautomarken in den USA und VW jubelt über ein Wachstum von gar 35 Prozent in den ersten zehn Monaten dieses Jahres.

Gesättigt ist der Erfolgshunger deswegen noch lange nicht "Wir sind noch nicht zufrieden mit unseren Ergebnissen", tönt keck Jonathan Browning, der VW-Chef in den USA. Ziel sei es, möglichst schon im Jahr 2018 rund 800.000 Fahrzeuge zwischen Los Angeles und New York abzusetzen - in diesem Jahr werden es voraussichtlich rund 450.000 Stück.

Der US-Markt hat Nachholbedarf

So übertrieben, wie es scheint, ist der Optimismus gar nicht. Jim Lentz, der Chef des Autobauers Toyota in den USA, wies in der Eröffnungsrede der Messe darauf hin, dass die rund 200 Millionen Pkw in den Vereinigten Staaten ein Durchschnittsalter von elf Jahren haben. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 8,5 Jahre.

Die Experten sind sich einig, dass nun Autokäufe nachgeholt werden, die in Folge des Krisenjahrs 2009 aufgeschoben wurden, als erst der Finanzmarkt und dann die Wirtschaft insgesamt in Trudeln geriet. In diesem Jahr werden in den USA rund 14,5 Millionen Neuwagen verkauft, für 2014 lautet die Prognose auf 16 Millionen Neuzulassungen. Herrliche Aussichten also, wenn man die richtigen Autos anzubieten hat.

Und in den Messehallen von Los Angeles ist praktisch für jeden Geschmack etwas dabei. Von Elektrokleinwagen wie Chevrolet Spark EV oder Fiat 500e über kompakte Limousinen wie VW Jetta Hybrid oder Nissan Sentra bis hin zu den in den USA besonders beliebten SUV-Modellen wie einem neuen Toyota RAV-4, dem neuen Subaru Forester oder der gestreckten, siebensitzigen Version des Hyundai Santa Fe.

Die US-Hersteller schlafen noch

Die Aufzählung ist zwar unvollständig, doch irreführend ist sie nicht. Dass nur ein US-Hersteller darin vorkommt, ist kein Zufall. Die drei Großen aus Detroit haben nämlich kaum innovative, neue Fahrzeuge zu bieten; das ist der zweite, bleibende Eindruck dieser Messe. In Los Angeles trumpfen, was die Autos angeht, vor allem die Importmarken auf. Auf den Ständen von Cadillac, Chrysler, Ford, Lincoln, GMC oder Dodge parken vor allem Modelle, die im Vertrauen auf eine markentreue, in automobilen Fragen konservative Käuferschaft konstruiert wurden: wuchtige Pick-Ups, massige SUVs und klassische Limousinen.

Die dritte Erkenntnis auf dieser Messe ist: Extreme verkaufen sich ausgezeichnet. "Los Angeles ist das Zentrum der Autokultur in den USA", sagt Ludwig Willisch, BMW-Chef in den USA. Besonders in Südkalifornien gebe es besonders viele BMW-Individual-Kunden, berichtet er - also Menschen, die sehr viel Geld dafür ausgeben, um ein möglichst einmaliges Auto zu bekommen.

Für den Mercedes-Haustuner AMG sind die USA ebenfalls der größte Markt. Daher stellen die Schwaben den Super-Allradler G 63 AMG mit 550 PS sowie den Super-Flügeltürer SLS Black Series mit 622 PS vor. AMG-Chef Ola Källenius scherzt über den Renner, der in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, wenn der Fahrer das möchte: "So was kommt heraus, wenn wir den Ingenieuren erlauben, mal ein wenig herumzuspinnen."

Ein bisschen herum spinnen dürfen die Entwickler offenbar auch in anderen Unternehmen. Bei Jaguar etwa. Die Briten zeigen auf der Autoshow erstmals das stärkste und schnellste Serienmodell der Firmengeschichte, den XFR-S mit 550 PS starkem V8-Motor und einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Und Porsche beglückt seine treuesten Kunden mit der Weltpremiere des neuen Coupés Cayman. Außerdem kündigen die Schwaben an, dass im kommenden Jahr der Bau eines "Experience Centers" - eine Art Vollgas-Akademie - in der Nähe von Los Angeles beginnen wird.

Die Autoshow in Los Angeles ist der letzte große Branchentreff des Jahres 2012. Doch auf ein Wiedersehen warten muss niemand lange warten. Bereits Mitte Januar wird der Rummel wieder einsetzen, wenn die Pkw-Messe in Detroit beginnt. Dort werden die US-Hersteller voraussichtlich sehr viel mehr Präsenz zeigen: Allein die Ankündigung, dass dort eine komplett neue Corvette stehen wird, die siebte Generation der amerikanischen Sportwagen-Ikone, sorgt bereits jetzt für erhöhte Drehzahlen bei den Fans. Keine Frage: Auf dem US-Automarkt wird es in nächster Zeit noch reichlich Gewinnertypen und Rekordzahlen geben.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
1. Wie kann das sein?
trader_07 29.11.2012
Wie kann das denn sein? Die Forums-Helden hier faseln bei deutschen Herstellern doch immer was von "Dinosauriern" und "Anschluss verpasst"
Zitat von sysopVor allem bei den deutschen Herstellern brummt das Geschäft.
Wie kann das denn sein? Die Forums-Helden hier faseln bei deutschen Herstellern doch immer was von "Dinosauriern" und "Anschluss verpasst"
2.
vn1995 29.11.2012
Zitat von trader_07Wie kann das denn sein? Die Forums-Helden hier faseln bei deutschen Herstellern doch immer was von "Dinosauriern" und "Anschluss verpasst"
3. Die Frage ist doch,
vn1995 29.11.2012
wo brummt das Geschäft! Die deutschen Hersteller können vor allem ihre Autos in den USA und China absetzten, dort kann man und möchte man sich noch Premium-Fahrzeuge leisten. Wobei Mercedes in China eher Absatzprobleme hat, [...]
Zitat von trader_07Wie kann das denn sein? Die Forums-Helden hier faseln bei deutschen Herstellern doch immer was von "Dinosauriern" und "Anschluss verpasst"
wo brummt das Geschäft! Die deutschen Hersteller können vor allem ihre Autos in den USA und China absetzten, dort kann man und möchte man sich noch Premium-Fahrzeuge leisten. Wobei Mercedes in China eher Absatzprobleme hat, wenn man Autoren diverser Medien glauben kann.
4. Träumen darf erlaubt sein
denk-mal-nach123 29.11.2012
Wachstumszahlen sind relativ und sicher nicht unbedeutend. Die absolute Realität sieht aber so aus, dass ein GM oder Toyota 4x so viele Autos in den USA verkauft als VW. VW als der grosse europäische Volumenhersteller muss schon 5 [...]
Wachstumszahlen sind relativ und sicher nicht unbedeutend. Die absolute Realität sieht aber so aus, dass ein GM oder Toyota 4x so viele Autos in den USA verkauft als VW. VW als der grosse europäische Volumenhersteller muss schon 5 Jahre in Folge mit über 30% über den Markt wachsen, um das aufzuholen. Bin gespannt...
5. G Modell
ctwalt 29.11.2012
Diese Bullfänger sind ja der Hit! In Deutschland wird über Fußgängerschutz diskutiert und dieses schwanchsinnige Gitter tötet bestimmt ab 20 km/h jeden !
Diese Bullfänger sind ja der Hit! In Deutschland wird über Fußgängerschutz diskutiert und dieses schwanchsinnige Gitter tötet bestimmt ab 20 km/h jeden !

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