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04.12.2012
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Autogramm VW Beetle Cabrio

Dach weg, Glück da

Von Jürgen Pander
Jürgen Pander

Autos von Volkswagen stehen vor allem für kühlen Pragmatismus. Einzige Ausnahme: der Käfer-Epigone Beetle - und besonders das neue Beetle Cabrio. Wir fuhren mit dem Auto jetzt bei Schmuddelwetter durch Kalifornien, der Wagen verbreitete dennoch gute Laune.

Der erste Eindruck: Rundum sympathisch sieht das Auto aus. Und zwar unabhängig davon, ob der Wagen Erinnerungen an erste Ausfahrten im Original hervorruft oder ob man das Auto nur von Schwarzweißfotos aus dem Schulgeschichtsbuch kennt, Kapitel Wirtschaftswunder. Das neue Beetle Cabrio ist die dritte Generation dieses Typs seit dem ersten Käfer Cabrio von 1949. VW stellte den offenen Wagen am Rande der Los Angeles Autoshow in Santa Monica vor. "That's cool" rufen uns drei Passanten an der Ocean Avenue zu und deuten auf das Auto. Noch sind wir keinen Meter gefahren. Das ist wirklich cool.

Das sagt der Hersteller: "Retro ist nicht unser Ding", sagt VW-Designchef Klaus Bischoff, "wir schauen nach vorn." Aufs Auto übertragen heißt das: Der Beetle hat die pummelige Naivität des Vorgängermodells abgelegt. Trotzdem zitiert der neue Wagen natürlich die rundliche Grundform des Käfer Cabriolets, doch Bischoff sagt, im Vergleich zum direkten Vorgänger stehe das Auto nun "deutlich kraftvoller und maskuliner auf der Straße".

Vom Käfer Cabrio wurden während 32 Jahren Produktionszeit 331.847 Exemplare gebaut, vom New Beetle Cabrio waren es binnen acht Jahren (2003 bis 2010) weltweit 234.619 Autos; die Hälfte davon wurde in den USA verkauft. Vor allem dort soll auch das neue Modell, das in Mexiko produziert wird, ordentliche Stückzahlen bringen. Im ansonsten eher pragmatisch orientierten VW-Portfolio wirkt das Beetle Cabrio wie ein Glückshormon. Es soll Emotionen auslösen, so lange es noch geht, denn irgendeine Käfer-Erinnerung hat heutzutage noch fast jeder Führerscheinbesitzer. In diesem Sinne ist das Auto ein einziges Retro-Ding.

Das ist uns aufgefallen: Verblüffend am Beetle Cabrio ist, dass einen das Außendesign in eine wohlige "Ach-ja-damals"-Stimmung versetzt, die nach dem Einsteigen sofort verfliegt. Hier empfängt einen die inzwischen bei VW übliche präzise Sachlichkeit, die US-Marketingchef Tim Mahoney als "the Power of German Engineering" beschreibt, also als Überzeugungskraft deutscher Ingenieurskunst. Der Wagen wirkt durchdacht, alles sieht sehr ordentlich und sauber aus, die Bedienelemente liegen gut zur Hand und es gibt - so viel Retro geht dann doch - gleich zwei Handschuhfächer.

Kein bisschen altmodisch ist das Fahrgefühl. Die Karosserie wurde im Vergleich zum Vorgängermodell um 20 Prozent steifer, das Auto lässt sich problemlos dirigieren und der 2-Liter-TDI-Motor mit 140 PS aus unserem Testwagen passt gut zum Gesamtcharakter - präsent und kräftig, aber ohne jede Übertreibung. Auch wenn VW versucht, den Neuen durch bulligere Proportionen und einen serienmäßigen Heckspoiler zum Alltagssportwagen zu stilisieren, er ist vielmehr ein erfreulich eigenständiger Kompaktwagen mit Textilverdeck.

Das muss man wissen: Normalerweise wird ein Autodach kaum beachtet, bei einem Cabrio jedoch rückt es in den Mittelpunkt. Das des offenen Beetle stammt vom Zulieferer Webasto, ist in Schwarz oder Beige erhältlich und funktioniert vollautomatisch. Wird die Taste in der Mitte des oberen Windschutzscheibenrahmens bedient, öffnet sich das sechslagige Stoffverdeck binnen 9,5 Sekunden, der Schließvorgang dauert elf Sekunden. Der Zeitunterschied kommt zustande, weil das Verriegeln des Dachs etwas länger dauert als das Entriegeln. Die Prozedur funktioniert bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h, man kann also lässig vom Parkplatz rollen, während der Wagen seine Haube zurückwirft - coole Sache.

Ab Februar wird das Auto bei den deutschen Händlern stehen. Fünf Motorisierungen werden angeboten, drei TSI-Benziner mit 105, 160 oder 200 PS und außerdem zwei TDI-Aggregate mit 105 oder 140 PS; bei den Ottomotoren handelt es sich übrigens um Antriebe der alten, durstigeren Generation und nicht der neuen TSI-Baureihe EA 211.

Der Einstiegspreis liegt bei 21.350 Euro. Zur Serienausstattung gehört unter anderem ein Schutzsystem mit hinter den Rücksitzen verborgenen Überrollbügeln, die im Falle eines Unfalls schlagartig nach oben kommen. Die neue Konstruktion des Überrollschutzes macht es möglich, dass bei umgeklappten Rücksitzlehnen eine Durchlademöglichkeit entsteht, so dass sich der enge Kofferraum des Autos immerhin etwas vergrößern lässt.

Die Liste mit aufpreispflichtigen Sonderausstattungen ist lang. Metalliclack kostet zum Beispiel 525 Euro, eine Einparkhilfe 550 Euro, ein Windschott 325 Euro und wer die Schriftzüge "Käfer" oder "Volkswagen" auf dem Heckdeckel haben möchte, muss jeweils 50 Euro zuzahlen.

Das werden wir nicht vergessen: Wie geschickt VW den Spagat zwischen Tradition und Moderne hinbekommt. Das Beetle Cabrio spielt mit dem Charme vergangener Tage, verlässt sich allerdings nicht allein auf nostalgische Anwandlungen sondern kann auch als rundum modernes Auto mithalten. Für Leute, die gerne in automobilen Erinnerungen schwelgen, legt VW zum Verkaufsstart drei Sondermodelle auf, die "50s-", "60s-" und "70s Edition". Wie praktisch, dass sich mit den Erinnerungen ehemaliger Kunden heute immer noch gut Geld verdienen lässt.

Forum

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insgesamt 21 Beiträge
1. Neueste Aufpreis-Dreistheit ...
shredderbert 04.12.2012
Dass für den Schriftzug auf dem Heckdeckel jetzt schon ein Aufpreis verlangt wird, ist an Dreistheit kaum zu überbieten ... erst gab's diese Dinger zwangsweise (damit die eigenen Produkte auch erkannt werden), dann konnte man [...]
Dass für den Schriftzug auf dem Heckdeckel jetzt schon ein Aufpreis verlangt wird, ist an Dreistheit kaum zu überbieten ... erst gab's diese Dinger zwangsweise (damit die eigenen Produkte auch erkannt werden), dann konnte man dankenswerterweise bei immer mehr Modellen auf die Schriftzüge (sogar ohne Aufpreis!) verzichten, und jetzt soll man dafür zahlen, dass man Werbung fährt ... imho Gipfel der Dreistheit ...
2. Retro Design
kenterziege 04.12.2012
Der Vorgänger war auch als Cabrio keine Augenweide. Die aktuelle Ausführung ist viel besser gelungen! Auch lastwagenähnliche elend lang unter der Windschutzscheibe aufgebaute "Ablage" ist Gott sei Dank verschwunden! [...]
Zitat von sysopAutos von Volkswagen stehen vor allem für kühlen Pragmatismus. Einzige Ausnahme: die Käfer-Epigone Beetle - und besonders das neue Beetle Cabrio. Wir fuhren mit dem Auto jetzt bei Schmuddelwetter durch Kalifornien, der Wagen verbreitete dennoch gute Laune. VW Beetle Cabrio: Das offene Modell soll VW ein wenig emotionalisieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/vw-beetle-cabrio-das-offene-modell-soll-vw-ein-wenig-emotionalisieren-a-870611.html)
Der Vorgänger war auch als Cabrio keine Augenweide. Die aktuelle Ausführung ist viel besser gelungen! Auch lastwagenähnliche elend lang unter der Windschutzscheibe aufgebaute "Ablage" ist Gott sei Dank verschwunden! Also: Ein gewisser Erfolg ist wahrscheinlich. Aber: Wieso kommt hier immer der freundliche Pressetext von VW 1:1 durch? Und weshalb baut VW in das Auto nicht die neuesten Motoren ein?
3. Cabrio
wennderbenzbremst... 04.12.2012
Zitat: "und der 2-Liter-TDI-Motor mit 140 PS aus unserem Testwagen passt gut zum Gesamtcharakter" Ja, so ein Heizölbrenner passt schon super zu nem Cabrio. Aber nur in Verbindung mit nem Agrarhaken, der passt doch [...]
Zitat: "und der 2-Liter-TDI-Motor mit 140 PS aus unserem Testwagen passt gut zum Gesamtcharakter" Ja, so ein Heizölbrenner passt schon super zu nem Cabrio. Aber nur in Verbindung mit nem Agrarhaken, der passt doch auch so gut zum Cabrio :D
4.
bartholomew_simpson 04.12.2012
Das Gros der Fahrzeuge wird in den USA verkauft, wo es auf den Verkaufspreis ankommt. Außerdem scheint es mit der Standfestigkeit der neuen (hochgezüchteten) Motörchen nicht sooo toll zu sein.
Zitat von kenterziegeUnd weshalb baut VW in das Auto nicht die neuesten Motoren ein?
Das Gros der Fahrzeuge wird in den USA verkauft, wo es auf den Verkaufspreis ankommt. Außerdem scheint es mit der Standfestigkeit der neuen (hochgezüchteten) Motörchen nicht sooo toll zu sein.
5. Retro bedeutet in.......
curti 04.12.2012
....erster Linie keine Ideen zu haben. Wird bei diesem Auto besonders deutlich - perfektionierte Langeweile, wieder so ein design-bubble, ganiert mit unverschämter Aufpreispolitik. Der gelbe Lack vermag dies nicht zu [...]
Zitat von sysopAutos von Volkswagen stehen vor allem für kühlen Pragmatismus. Einzige Ausnahme: die Käfer-Epigone Beetle - und besonders das neue Beetle Cabrio. Wir fuhren mit dem Auto jetzt bei Schmuddelwetter durch Kalifornien, der Wagen verbreitete dennoch gute Laune. VW Beetle Cabrio: Das offene Modell soll VW ein wenig emotionalisieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/vw-beetle-cabrio-das-offene-modell-soll-vw-ein-wenig-emotionalisieren-a-870611.html)
....erster Linie keine Ideen zu haben. Wird bei diesem Auto besonders deutlich - perfektionierte Langeweile, wieder so ein design-bubble, ganiert mit unverschämter Aufpreispolitik. Der gelbe Lack vermag dies nicht zu übertünchen!

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Fahrzeugschein

Hersteller: VW
Typ: Beetle Cabrio 2.0 TDI
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 196 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 134 g/km
Kofferraum: 225 Liter
Preis: 26.100 EUR

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