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05.12.2012
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Autogramm Jaguar XJ 3.0 AWD

Die Katze fährt die Krallen aus

Von
Jaguar

Ob Quattro, 4matic oder xDrive - in der Oberklasse sind Allradtypen gefragt. Das hat jetzt auch Jaguar erkannt und bietet die Limousinen XJ und XF mit vier angetriebenen Rädern an. Sind die britischen Nobelschlitten nun winterfit?

Der erste Eindruck: Optisch unterscheidet sich das Allradmodell kaum vom normalen XJ. Aber das Fahrgefühl ist anders: ohne Zögern, Scharren oder Schlittern fährt der Wagen präzise an - auch auf Schnee und Eis.

Das sagt der Hersteller: Für Jaguar ist der Allradantrieb, der neben dem XJ auch im kleineren Modell XF zu haben ist, ein weiterer Lückenschluss im Modellangebot - genau wie der kürzlich vorgestellte Kombi XF Sportbrake. "Wir sind dabei, unser Portfolio zu erweitern und uns damit neue Kundenkreise zu erschließen," sagt Produktmager James Towle. In den USA beispielsweise, wo Allradantrieb unter Käufern von Luxuslimousinen höchst begehrt ist, erweitert Jaguar nach eigenen Angaben die Marktabdeckung von etwa 20 auf nun rund 80 Prozent.

Weil die Entwicklungsressourcen des vergleichsweise kleinen Herstellers Jaguar begrenzt sind, gibt es die neue Antriebstechnik zunächst ausschließlich in Kombination mit einem neuen V6-Benzinmotor. Die aufwendige Anpassung des Allradantriebs an die Dieselaggregate wird erst einmal vertagt. Das ist ein Problem, denn in Europa werden in dieser Klasse vor allem Selbstzünder verkauft. Das weiß auch Towle und kündigt an, dass bei allen künftigen Motoren die Allradantriebsvariante gleich mit eingeplant werde.

Das ist uns aufgefallen: Dass der XJ eine unterschätze Größe in der Oberklasse ist. Ja, das Design ist eigenwillig und die glatte Kehrseite mit den Kaskaden-artigen Rückleuchten sowie den schwarz verkleideten C-Säulen nicht jedermanns Sache. Doch drinnen bietet der Luxusliner eine angenehme Mischung aus englischer Noblesse und modernem Design. Dickes Leder und schmucke Hölzer auf der einen, blankes Metall und eine kühle, bläuliche Beleuchtung auf der anderen Seite - das ist eine nette Abwechslung im Vergleich zum Einerlei der deutschen Oberklasse.

Und solange man nicht hinten sitzt, ist es im Jaguar ebenso bequem wie in den Dickschiffen aus Süddeutschland. Die Passagiere im Fond hingegen zahlen den Preis für den vergleichsweise schlanken Karosseriebau in Form von kleinen Türausschnitten und geringer Kopffreiheit.

Auch mit dem neuen Allradantrieb bleibt der sportliche Charakter des XJ erhalten. Solange die Straße trocken und griffig ist, fließt die gesamte Antriebsleistung wie bisher an die Hinterachse und die große Limousine tanzt überraschend handlich und agil durch die Kurven. Erst wenn es auf der Straße glatt und schmierig wird, verteilt die Elektronik die Kraft blitzschnell neu und macht den Jaguar bei Bedarf sogar zum reinen Fronttriebler. Dabei wechselt die Verteilung des Drehmoments so rasch und harmonisch, dass man davon am Steuer überhaupt nichts spürt und sich nur wundert, wie gut sich der Luxusliner auf rutschigem Untergrund schlägt.

Dass sich für den V6-Benziner hierzulande kaum einer interessieren wird, ist angesichts des Normverbrauchs von 9,8 Litern je 100 Kilometer absolut verständlich. Ein bisschen schade ist es trotzdem, denn das neu entwickelte Kompressortriebwerk macht im Zusammenspiel mit der famosen Achtgang-Automatik eine so gute Figur, dass ein Achtzylindermotor überflüssig wird.

Das muss man wissen: Den Allradantrieb hat Jaguar gemeinsam mit der Schwestermarke Land Rover entwickelt und bietet ihn ab Februar ausschließlich in den Limousinen XF und XJ an. Die wiederum bringt dann ein neuer V6-Benziner in Fahrt, der mit Hilfe eines Kompressors auf 340 PS und 450 Nm Drehmoment kommt. Die Kraftverteilung regelt eine Lamellenkupplung, die laut Jaguar fünfmal schneller reagiert als es ein Mensch tun könnte.

Beim Anfahren leitet sie automatisch zwei Prozent des Drehmoments nach vorn, schaltet aber jenseits von Schrittgeschwindigkeit zu 100 Prozent auf Heckantrieb. Erst wenn es glatt wird, variiert sie das Kräfteverhältnis. Eine Ausnahme bildet der "Winter"-Modus. Wird der aktiviert, werden grundsätzlich 30 Prozent des Antriebsmoments nach vorn gleitet, so dass stets alle vier Räder Antriebsarbeit übernehmen.

Das werden wir nicht vergessen: Die Ruhe und Gelassenheit, mit der man in der Allradlimousine über winterliche Straßen fährt.

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. Geschmackssache²
walter_e._kurtz 05.12.2012
Was den Einbau eines Allradantriebs in einem Straßenfahrzeug angeht, bin ich ja irgendwie voreingenommen. Zusatzgewicht, welches bei 99% der Tage im Jahr mit dem Fahrzeug nutzlos ´rumgeschleppt wird. Auch den Effekt, daß [...]
Zitat von sysopDabei wechselt die Verteilung des Drehmoments so rasch und harmonisch, dass man davon am Steuer überhaupt nichts spürt und sich nur wundert, wie gut sich der Luxusliner auf rutschigem Untergrund schlägt.
Was den Einbau eines Allradantriebs in einem Straßenfahrzeug angeht, bin ich ja irgendwie voreingenommen. Zusatzgewicht, welches bei 99% der Tage im Jahr mit dem Fahrzeug nutzlos ´rumgeschleppt wird. Auch den Effekt, daß kritische Straßenzustände möglicherweise viel später wahrgenommen werden, als beim 2WD, finde ich fragwürdig., der Autor des Artikel formuliert dies so: Dabei wird die Fahrdynamik auf rutschigem Untergrund in Regionen gehievt, die den Grenzbereich, und damit auch den Spielraum der Assistenzsysteme wie ABS und ESP, deutlich schmaler werden lassen. Aber sei´s drum, die einen brauchen das, die anderen wollen es. Auch schade finde ich mittlerweile das Design des XJ. Die Zeiten der Doppelscheinwerferfront sind passé. Dieses zeitlose Design an die Gegenwart anzupassen, waren die Designer offensichtlich nicht mehr in der Lage. Es gibt halt nichts Schwierigeres, als eine Ikone behutsam zu renovieren, an dieser Aufgabe sind bereits ganz andere gescheitert. Hoffentlich gibt´s diese traditionsreiche Marke trotzdem noch recht lange.
2. Das kann Aston Martin besser.
pfälzerbu 05.12.2012
Also das Design, meine ich. Aber, die kosten ja auch nochmal ein kleines Vermögen mehr. Und in meinen Augen gibt es sowieso nur einen wahren Jaguar; das war das Dienstfahrzeug von Jerry Cotton. Da reicht kein anderes [...]
Also das Design, meine ich. Aber, die kosten ja auch nochmal ein kleines Vermögen mehr. Und in meinen Augen gibt es sowieso nur einen wahren Jaguar; das war das Dienstfahrzeug von Jerry Cotton. Da reicht kein anderes Straßenfahrzeug ran. :-)
3. Englischer Humor
dokutext 05.12.2012
...und in den arabischen Ländern sind von der Firmenleitung hohe Absatzzahlen eingeplant - Winter Mode confirmed.
...und in den arabischen Ländern sind von der Firmenleitung hohe Absatzzahlen eingeplant - Winter Mode confirmed.
4. 234 g/Km
dokutext 05.12.2012
234 g/Km CO2 - kann jemand von den geneigten Lesern die Molekülzahl angeben, die auf 100 Km in der Athmosphäre wechselwirken wird?
234 g/Km CO2 - kann jemand von den geneigten Lesern die Molekülzahl angeben, die auf 100 Km in der Athmosphäre wechselwirken wird?
5.
Greyjoy 05.12.2012
An sich ein sehr schöner Wagen, nur versaut der graue Amaturenbrett Klotz in dieser Variante den Innenraum. Wenn ich aber mal das Geld für den Jaguar in die Hand nehme, dann bekomme ich da z.B. bei BMW einen zwar etwas kleineren [...]
An sich ein sehr schöner Wagen, nur versaut der graue Amaturenbrett Klotz in dieser Variante den Innenraum. Wenn ich aber mal das Geld für den Jaguar in die Hand nehme, dann bekomme ich da z.B. bei BMW einen zwar etwas kleineren aber trotzdem wunderbaren M550d xDrive der nicht nur ca. 10.000 € günstiger ist, sondern auch deutlich bessere Fahrleistungen bei niedrigerem Verbrauch vorweisen kann. Allerdings fährt man dann eben auch wieder nur einen 5er den man jeden Tag tausend mal auf der Straße sieht. Es sollte aber bitte niemand glauben, dass man bei Jaguar erhabene Qualität und etwas anderes als Stangenware unter dem Blech finden wird. Ein schönes Auto aber mit dem Geld würde ich selbst etwas anderes kaufen.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Jaguar
Typ: XJ 3.0 AWD
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Kompressor-Benziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,8 Liter
CO2-Ausstoß: 234 g/km
Kofferraum: 520 Liter
Preis: 91.160 EUR

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