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03.02.2013
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Alternative zu Autolack

Rot werden ohne Reue

Von Heiko Haupt
RE-Styling

Ungewöhnliche Farbwahl beim Auto kostet. Vor allem, wenn man die Karre wieder verkaufen will. Doch es gibt ein Mittel gegen farbliches Einerlei bei Fahrzeugen: Folie. Die sieht aus wie eine Lackierung, kostet aber viel weniger - und schützt auch noch den Lack darunter.

Silber, grau, schwarz - wenn es um die Wahl der Autofarbe geht, verlässt die Menschen offensichtlich schlagartig der Mut. Zugegeben: Wer einen Farbton außerhalb der gängigen Norm wählt, bereut das spätestens, wenn der Wagen als Gebrauchter verkauft werden soll. Zwischen Silber oder Senfgelb liegen beim erzielten Preis in der Regel deutliche Unterschiede.

Doch es gibt einen Ausweg aus der Tristesse: Lackfolien in allen erdenklichen Farbnuancen, die sich jederzeit wieder entfernen lassen. Auf den Straßen sind immer mehr Fahrzeuge zu sehen, die nicht mehr ihren Werkslack zur Schau stellen. Sie rollen in Mattschwarz umher oder tragen grellbunte Mehrfarbigkeit.

Das Geheimnis des automobilen Farbwechsels wird Carwrapping oder Folierung genannt. Die einstige Nischenbranche wächst beständig. "Bei uns legt das Geschäft mit den Folierungen in jedem Jahr um etwa 20 Prozent zu", sagt Eugen Schubmann, Geschäftsführer des Spezialbetriebs RE-Styling. Zu seinen Kunden zählen einerseits Firmen, die allen Geschäftsfahrzeugen eine einheitliche Optik verschaffen wollen. Eine weitere Klientel sind Fahrer von Leasingfahrzeugen, die mit der Folie den eigentlichen Lack vor Schäden schützen wollen, die sonst am Ende der Leasingzeit zusätzliche Kosten verursachen.

Halb so teuer wie eine Lackierung

Eine dritte und ständig wachsende Gruppe sind Privatleute, die sich sozusagen farblich verändert wollen, aktuell am liebsten in Matt. "Von 100 Autos die wir bearbeiten, werden etwa 70 mit matter Folie beschichtet", so Schubmann. Matter Lack ist ein Trend, dem herkömmliche Anbieter schwer nachkommen können. Denn mit Farbe und Spritzpistole ist ein matter Lackeffekt nur mit hohem Aufwand zu verwirklichen.

Die Hersteller der Lackfolien aber haben sich auf die Nachfrage längst eingestellt. "Zu unserer Überraschung ist immer noch mattes Schwarz besonders gefragt", erklärt Alexander Saalmann, Geschäftsführer des Folienproduzenten Hexis. Doch auch die Nachfrage nach ungewöhnlicheren Varianten wächst. So gibt es mittlerweile folierten Mattlack in rot, blau oder grün auch mit Metalliceffekt. Wem selbst das noch zu gewöhnlich ist: Spezialfolien verleihen dem Auto ein Farbkleid nach Vorbild der Krokodilhaut - inklusive Struktur.

Mit den Folien lässt sich dem Fahrzeug nicht nur jeder gewünschte Farbton verleihen, die Sache ist auch noch deutlich billiger als der Gang zum Lackierer: "Man sagt, dass zwei- bis dreimal folieren soviel wie einmal lackieren kostet", so Saalmann. Re-Styling nennt für die Folierung eines Kleinwagens Preise von 1350 Euro, bei einer Oberklasse-Limousine sind es knapp 1900 Euro.

Ich kleb Dir eine

Das Folieren selbst erinnert grundsätzlich an den Umgang mit selbstklebenden Kunststofffolien im Haushalt. Die Autofolien werden auf den eigentlichen Lack geklebt, wegen der vielen Rundungen und Sicken des Autoblechs ist eine wirklich glatte Oberfläche aber nur mit viel Erfahrung und Können machbar. Die Profis arbeiten dabei mit Heißluftföhnen, um die Folien zu erwärmen und so besser an Rundungen anpassen zu können. Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist das Messer zum Entfernen überflüssigen Materials - wobei natürlich der Lack nicht beschädigen darf. Für die gesamte Prozedur sind etwa zwei Tage einzukalkulieren.

Ist die Folie einmal drauf, kann der Wagen wieder wie zuvor genutzt werden. Die regelmäßige Fahrt durch die Waschanlage ist kein Problem, auch polieren lassen sich die Folien. Ein paar Eigenarten gilt es jedoch zu beachten: So raten die Fachleute von der Wäsche mit Heißwachs ab. Das Wachs könnte auf Dauer an den Folienrändern die Verklebung beeinträchtigen. Auch ist es nicht unbedingt ratsam, ein altes oder unprofessionell lackiertes Autos in Farbe zu wickeln - beim Entfernen der Folie kann es sonst zu Beschädigungen des Lacks kommen.

Denn eines ist gewiss und gilt als größter Nachteil der Folie: Irgendwann muss das Zeug wieder runter. Der Bezug hält nicht ewig, er wird brüchig und lässt sich, wenn er zu lange auf dem Lack bleibt, eventuell nur noch mit großem Aufwand spurlos entfernen. Eugen Schubmann rät spätestens nach fünf Jahren zum Entfernen der farbigen Verpackung. Ein Zeitrahmen, den aber ohnehin nur die wenigsten Folien erleben.

Zum Schutz beschichtete Firmen- oder Leasingfahrzeuge kehren laut Alexander Saalmann meist nach zwei bis drei Jahren in den Originalzustand zurück. Und manche Kunden, die sich an den schnellen und vergleichsweise preisgünstigen Farbwechsel gewöhnt haben, nutzen die Gelegenheit manchmal sogar im Jahresrhythmus.

Forum

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insgesamt 14 Beiträge
1. Doch, sehr geschmackvoll der Opel
romeov 03.02.2013
... die 80er Geschmacksverirrung ist ja voll in. Fehlt noch die Blondine mit ondulierten Haaren.
... die 80er Geschmacksverirrung ist ja voll in. Fehlt noch die Blondine mit ondulierten Haaren.
2. Die einzig sinnvolle Option für Matt
zensorsliebling 03.02.2013
ist tatsächlich Folie. Man stelle sich vor, wie hübsch so ein tatsächlich matt lackiertes Auto aussieht, wenn der Lack mal aufpoliert bzw. ein Kratzer auspoliert werden muss.
ist tatsächlich Folie. Man stelle sich vor, wie hübsch so ein tatsächlich matt lackiertes Auto aussieht, wenn der Lack mal aufpoliert bzw. ein Kratzer auspoliert werden muss.
3. optional
boer640 03.02.2013
was kostet denn so ein werbe"artikel"?
was kostet denn so ein werbe"artikel"?
4.
derkleene 03.02.2013
Viele Dientswagen werden foliert oder teilfoliert. Polizei, Krankenwagen, Taxis. Diese Autos sind meist geleast. Somit kann man Farben kaufen, die den Wertverlust niedrig halten. Folieren selbst ist eine Kunst. Wenn man ein [...]
Zitat von sysopUngewöhnliche Farbwahl beim Auto kostet. Vor allem, wenn man die Karre wieder verkaufen will. Doch es gibt ein Mittel gegen farbliches Einerlei bei Fahrzeugen: Folie. Die sieht aus wie eine Lackierung, kostet aber viel weniger - und schützt auch noch den Lack darunter. Folien für Autos ersetzen die Lackierung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/folien-fuer-autos-ersetzen-die-lackierung-a-871893.html)
Viele Dientswagen werden foliert oder teilfoliert. Polizei, Krankenwagen, Taxis. Diese Autos sind meist geleast. Somit kann man Farben kaufen, die den Wertverlust niedrig halten. Folieren selbst ist eine Kunst. Wenn man ein schwarzes Auto weiß macht, müssen die Kanten gut umgelegt werden, sonst sieht es komisch aus. Wenn die Tür aufgeht und plötzlich sieht man einen schwarzen Rahmen. Geht garnicht. Mann kann auch seine Alufelgen folieren lassen. Geht relativ einfach mit Sprühfolie. ( Sprühfolie (http://www.foliatec.com/de/news/beitrag/artikel/farbe-fur-felgen-und-mehr/) als Anschauungsobjekt) Leider wissen viele Leute nicht, wie man die matten Folien pflegt. Z.B. sollte man kein Heißwachs rauf machen. Oder gar, wie schon geschrieben, polieren. Gibt weiße Stellen und sieht lustig aus.
5. Gute Idee.
Hamberliner 04.02.2013
Die ursprünglich wichtigste Gruppe wurde vergessen: Taxis sind AFAIK praktisch alle foliert, weil ehemalige Taxis in der Lackierung nur schlecht verkäuflich wären. Ich finde, noch viel mehr Leute müssten diese Möglichkeit [...]
Zitat von sysopUngewöhnliche Farbwahl beim Auto kostet. Vor allem, wenn man die Karre wieder verkaufen will. Doch es gibt ein Mittel gegen farbliches Einerlei bei Fahrzeugen: Folie. Die sieht aus wie eine Lackierung, kostet aber viel weniger - und schützt auch noch den Lack darunter. Folien für Autos ersetzen die Lackierung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/folien-fuer-autos-ersetzen-die-lackierung-a-871893.html)
Die ursprünglich wichtigste Gruppe wurde vergessen: Taxis sind AFAIK praktisch alle foliert, weil ehemalige Taxis in der Lackierung nur schlecht verkäuflich wären. Ich finde, noch viel mehr Leute müssten diese Möglichkeit nutzen, um endlich wieder mehr knallrot, quietschgelb und Azurblau in den Straßenverkehr zu bringen, mehr Paul Gaugin und mehr Joan Miró. Dieses triste Einerlei von grabstein- und hundekotfarbenen PKW ist nicht mehr auszuhalten.

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