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25.12.2012
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Sieben Tage mit dem Toyota Prius Plug-in

Anschluss gesucht

Ein Tagebuch von
Toyota

Das Elektroauto ist tot, es lebe der Plug-in-Hybrid - das ist momentan die Stimmung bei vielen Autobauern. Toyota hat so einen Batterie-Benziner mit Anschluss für die Steckdose bereits im Angebot. Wie oft nutzt man den Akku wirklich? Wir haben es ausprobiert.

Erster Tag: Das Auto ist da und die Suche beginnt. Wo ist die nächste Steckdose? Ja, das hätte man sich früher überlegen können. Doch genutzt hätte es nichts. In der 50.000-Einwohner-Stadt gibt es genau eine Ladesäule und zwar auf einem unwirtlichen Parkplatz. Zu Hause befindet sich die einzige Außensteckdose auf der Terrasse - 25 Meter vom Stellplatz entfernt. Also wird das erst einmal nichts mit dem Einstöpseln und der Plug-in-Prius fährt die ersten Kilometer wie jedes normale Hybrid-Auto auch - mit viel Sprit und wenig Strom. Das ist zwar nicht unbedingt im Sinne der Erfinder, aber an Tagen wie diesen ist das besser als nichts. Unser Plan: Wenn es heute Abend endlich aufhört zu regnen, bleibt das Kinderzimmerfenster gekippt, um die Steckdose hinterm Schreibtisch fürs Auto anzuzapfen.

Zweiter Tag: Heute, mit vollem Akku, meldet der Prius eine elektrische Reichweite von 25 Kilometern. Solange man nur sachte Gas gibt, stromert der Wagen allein von der 82 PS starken E-Maschine angetrieben leise und abgasfrei durchs Wohngebiet. Tritt man kräftiger aufs Pedal, schaltet sich automatisch der 99 PS starke 1,8-Liter-Benziner zu und verleiht der Beschleunigung mehr Nachdruck. Wer das Spritverbrennen vermeiden will, drückt eine der beiden "EV"-Tasten für den Stadt- oder Überlandverkehr und zwingt den Prius so lange in den Elektrobetrieb, bis der Akku leer ist oder bis der die Geschwindigkeit 85 km/h überschreitet oder bis zu einem Kickdown.

In der Stadt rein elektrisch, auf Landstraßen mit Benzin und gelegentlichem Boost aus dem Akku, der, wie bei jedem anderen Hybrid, auch beim Bremsen geladen wird - so fährt der Prius Plug-in völlig unaufgeregt und unkompliziert durch den Tag und zeigt am Ende einen Realverbrauch von 6,3 Litern. Das kann sich sehen lassen, selbst wenn es weit entfernt ist vom klein gerechneten Normverbrauch, dem stets ein voller Akku und ein maximaler elektrischer Streckenanteil zugrunde liegen.

Dritter Tag: Der Morgen beginnt wieder mit einer Zwangslüftung im Kinderzimmer - und einem vollen Prius-Akku. Danach folgen ein paar Stadtfahrten, die zeigen, wie anfällig der Antrieb für topografische Herausforderungen ist. Zwei, drei längere Steigungen, schon sind von den 25 Kilometern elektrischer Reichweite nicht einmal mehr die Hälfte übrig. Glücklicherweise bietet das Stammcafé einen Parkplatz direkt vor und eine Steckdose direkt hinter der Tür. Einen Latte macchiato, ein Sandwich und einmal volltanken, bitte! Nach anderthalb Stunden Pause ist der Akku geladen und der Prius stromert durch den Rest des Nachmittags. Am Ende waren wir kreuz und quer in der Stadt unterwegs, spulten dabei gut 40 Kilometer ab und das ohne einen Tropfen Sprit zu verfeuern. Ein schönes Gefühl.

Vierter Tag: Heute ist Heimarbeit angesagt. Sie gilt dem Studium der Prius-Prospekte und der Suche nach den Unterschieden zum konventionellen Modell. Die Frontpartie des Wagens ist etwas glatter geformt, dazu trägt der Plug-in eine spezielle Farbe und es gibt eine zweite Tankklappe auf der rechten Seite, hinter der sich der Stromanschluss verbirgt. Innen sieht der Wagen genauso aus wie der normale Prius und unterm Blech macht nur die Batterie den Unterschied. Es handelt sich beim Plug-in-Modell nicht um einen Nickel-Metallhydrid-, sondern um einen Lithium-Ionen-Akku; er hat eine Kapazität von 4,4 kWh. Der Stromspeicher ist kaum größer, aber schwerer als der im normalen Prius, die Plug-in-Variante wiegt deswegen 50 Kilo mehr.

Fünfter Tag: Mittlerweile ist der Antrieb vertraut, und die Suche einer Steckdose schon fast Routine. Zeit, sich mit den anderen Eigenschaften des Prius zu beschäftigen. Die Platzverhältnisse sind ordentlich und mit 443 Liter Fassungsvermögen hat der Plug-in trotz größeren Akkus nur zwei Liter weniger Kofferraumvolumen als der normale Prius. Allerdings ist die untere Hälfte der geteilten Heckscheibe bei dem Schmuddelwetter meist so stark verschmutzt, dass man nach hinten kaum etwas sieht - gut, dass der Wagen über eine Rückfahrkamera verfügt und auf Knopfdruck sogar automatisch einparkt.

Blickt man nach vorn, fällt der Blick auf die Anzeigen für Bordcomputer und Antriebssystem, in denen bei jedem Knopfdruck orange Leuchtscheiben schweben und sich neue Menüs öffnen. Das ist cool gedacht, aber altbacken gemacht: Grob verpixelt und farblich trist wirkt das bei einem Hightech-Auto ebenso anachronistisch wie das Head-up-Display mit Ziffern im Stile eines Radioweckers aus den siebziger Jahren. Und noch ein Wort zur Ergonomie: Welcher Held hat eigentlich die Schalter für die Sitzheizung unter der wuchtigen Mittelkonsole versteckt, so dass man sie erst nach fünf Tagen findet?

Sechster Tag: Fahren auf der Autobahn. Dort lässt die Begeisterung für den Antrieb nach. Während sonst das Sparen Spaß macht, schwimmt man hier einfach nur mit und hofft, dass der Verkehr schön dicht bleibt. Dann merkt man nicht, wie zäh die Beschleunigung jenseits von 120 km/h ist und der Motor heult nicht so oft auf, wenn das stufenlose Getriebe die Drehzahl mal wieder hochjagt. Der Elektromotor kann hier nur selten helfen, der Blick auf den Bordcomputer ist entsprechend entmutigend: Zwischen acht und neun Liter verbraucht der Wagen jetzt - das kann ein herkömmliches Auto auch.

Siebter Tag: Zeit für eine Bilanz, und die könnte zwiespältiger nicht sein. Wer zu Hause und am Arbeitsplatz eine leicht zugängliche Steckdose hat, dem bringt die Plug-in-Technik tatsächlich etwas. Denn immer wieder haben wir erlebt, dass man mit einem vollen Akku überraschend weit kommt. Morgens ins Büro, in der Pause schnell was einkaufen und abends wieder nach Hause - das funktioniert mit diesem Auto auch ganz ohne Sprit. Und wenn man am Wochenende einen Ausflug unternimmt, muss niemand nach der Reichweite schauen.

So weit, so gut. Doch dafür zahlt man einen hohen Preis. 36.200 Euro kostet der Prius-Plug-in, 8600 Euro mehr als ein normaler Prius. Für diese Summe könnte man man verdammt viel tanken. Zumal sich der elektrische Fahranteil in ernüchternden Grenzen hält. Das zumindest meldet der Bordcomputer des Testwagens, der mittlerweile schon durch einige Redaktionen getingelt und knapp ein halbes Jahr auf der Straße ist: Von den insgesamt mehr als 5000 Kilometern in dieser Zeit hat das Auto lediglich 200 rein elektrisch zurückgelegt.

Forum

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insgesamt 287 Beiträge
1. interessant...
Wile_E_Coyote 25.12.2012
...Daihatsu Sirion 1.3 bj. 2002, gesamtverbrauch ueber 185000km 6.0/100km. allerdings geht das ding um einiges besser...
...Daihatsu Sirion 1.3 bj. 2002, gesamtverbrauch ueber 185000km 6.0/100km. allerdings geht das ding um einiges besser...
2. Teures Spielzeug!
the_rover 25.12.2012
btw: mein 17 Jahre (!) alter Astra verbraucht bei verhaltener fahrweise zwischen 5,5 und 6,0 l/100km Super ... ganz ohne Steckdosensuche.
btw: mein 17 Jahre (!) alter Astra verbraucht bei verhaltener fahrweise zwischen 5,5 und 6,0 l/100km Super ... ganz ohne Steckdosensuche.
3. Hallo !
mitbestimmender wähler 25.12.2012
"Zwischen 8-9 Liter zeigt der Bordcomputer jetzt an" Nun mein aussländischer Diesel zeigt auf der Schnellstrasse beim Gas geben auch mal 16 und mehr Liter an.......... Aber mit Jahrgang 2005 genehmigt es sich 4,8 [...]
"Zwischen 8-9 Liter zeigt der Bordcomputer jetzt an" Nun mein aussländischer Diesel zeigt auf der Schnellstrasse beim Gas geben auch mal 16 und mehr Liter an.......... Aber mit Jahrgang 2005 genehmigt es sich 4,8 Liter bei der Ferienfahrt und 5,1/100km im Alltags-Einsatz. Und mit einer Tankfüllung fahre ich nach Südfrankreich und noch paar Tage rum. Dafür braucht man keinen laut von der Werbung angepriesenen überteuerten Öko VW, Bio BMW oder Grün Mercedes mit knappen Zubehör oder teuren Hybrid. DAZU REICHT AUCH EINE 10-12 jährige Karre und Sie können mit dem Ersparten Euro und Treibstoff tanken bis zum abwinken bis der "Neue" auf ihrer Augenhöhe ist.
4. Verbrauch
steven69 25.12.2012
Der Verbrauch auf der Autobahn zwischen 8-9 Liter ist sicherlich der Momentan-aber nicht der Durchschnittsverbrauch. Der Autor ist schon oft für seine sehr unqualifizierten Beiträge aufgefallen-sehr einseitig und schlecht [...]
Der Verbrauch auf der Autobahn zwischen 8-9 Liter ist sicherlich der Momentan-aber nicht der Durchschnittsverbrauch. Der Autor ist schon oft für seine sehr unqualifizierten Beiträge aufgefallen-sehr einseitig und schlecht recherchiert geschrieben.
5. Elektro-Auto ist tot
kdshp 25.12.2012
Also zahlt man am ende drauf im vergeich zum rein benziner prius. Rechne ich noch was der akku an umwelt kostet ist er nicht mal in dem vergleich eine ökologische alternative.
Zitat von sysopToyotaDas Elektro-Auto ist tot, es lebe der Plug-In-Hybrid - das ist momentan die Stimmung bei vielen Autobauern. Toyota hat so einen Batterie-Benziner mit Anschluss für die Steckdose bereits im Angebot. Wie oft nutzt man den Akku wirklich? Wir haben es ausprobiert. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/toyota-prius-plug-in-hybrid-das-teure-teilzeit-elektroauto-a-872425.html
Also zahlt man am ende drauf im vergeich zum rein benziner prius. Rechne ich noch was der akku an umwelt kostet ist er nicht mal in dem vergleich eine ökologische alternative.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Toyota
Typ: Prius Plug-In-Hybrid
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Hybridantrieb mit Plug-In-Technik
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 99 PS (73 kW)
Leistung (E-Motor): 82 PS (60 kW)
Drehmoment: 142 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 2,1 Liter
CO2-Ausstoß: 49 g/km
Kofferraum: 443 Liter
Preis: 36.200 EUR

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