19.12.2012
Autogramm Ford Kuga
Größer, sparsamer, billiger
Von Tom GrünwegDer erste Eindruck: Wir kennen uns doch! Ein schmaler, vom Stoßfänger geteilter Kühlergrill, stark modellierte Flanken und ein weit nach vorne geneigtes Heck - beim Design wurde im Vergleich zum Vorgängermodell wenig geändert, deshalb wirkt der neue Kuga vertraut. Außerdem tingelt Ford damit schon seit gut einem Jahr über die Automessen.
Das sagt der Hersteller: Projektmanager Michael Nentwig ist mächtig stolz auf den neuen Kuga, weil dieser nach seiner Ansicht natürlich besser geraten ist als das bisherige Modell - vor allem aber, weil der Wagen jetzt die ganze Welt erobern soll. "Der Kuga ist nach dem Focus das zweite Modell mit wirklich globalem Einsatz", sagt Nentwig. In Deutschland entwickelt und für den europäischen Markt im spanischen Valencia gebaut, wird das Modell seit ein paar Monaten auch in den USA und in China produziert und künftig in 100 Ländern verkauft. Im Gegenzug für die Entwicklungsleistung erhält Ford in Europa demnächst andere Geländewagen aus anderen Regionen. Aus Brasilien beispielsweise Anfang 2014 den Mini-SUV Eco-Sport und aus den USA 2015 das größere Modell Edge.
Optisch macht das Auto auf Offroader, und in den meisten Varianten steckt auch ein Allradantrieb, doch Nentwig sieht den Kuga eher als Familienkutsche und übersetzt SUV gern statt Sport Utility Vehicle als Smart Utility Vehicle. Die Begründung: Der Kuga sei vollgestopft mit Komfort- und Assistenzsystemen, von der Verkehrszeichenerkennung bis zur Einparkautomatik.
Worüber Projektmanager Nentwig überhaupt nicht spricht, sind Eigenschaften, die normalerweise einen Geländewagen auszeichnen: etwa Wattiefe, Böschungswinkel oder Steigfähigkeit. Selbst der Allradantrieb kommt lediglich als Instrument der Fahrdynamik vor.
Das ist uns aufgefallen: Durch Matsch und Schlamm möchte man den Kuga eher nicht steuern - selbst wenn das wahrscheinlich geht. Um das Auto kennenzulernen eignet sich stattdessen eine eng gewundene Landstraße viel besser. Denn dort spielt der knackig abgestimmte und handliche Allradler seine Qualitäten aus: Wendig, agil und ambitioniert fegt er durch die Provinz und lässt den hohen Aufbau sowie die rund 1,7 Tonnen Gewicht beinahe vergessen. Und auf der Autobahn merkt man bei hohem Tempo, wie leise der Kuga insgesamt geworden ist - und wie präsent der Dieselmotor ist, wenn der Fahrtwind nur noch flüstert.
Einen sportlichen Eindruck hinterlässt auch das Design des Cockpits. Als Fahrer wird man im Kuga vom Armaturenbrett und der breit aufragenden Mittelkonsole förmlich eingerahmt, da kommt fast Rennwagenatmosphäre auf. Das ist einerseits gut, weil man so alles unter Kontrolle hat. Andererseits aber wirkt der Wagen dadurch enger, als er tatsächlich ist.
Eine etwas schlankere Mittelkonsole hätte übrigens den weiteren Vorteil, dass Ford mal intensiver über das Bedienkonzept nachdenken müsste - es gibt einfach viel zu viele Knöpfe. So drückt man sich fast Blasen an die Finger, bis irgendwann die gewünschte Anzeige auf dem kleinen und weit entfernten Monitor erscheint.
Das muss man wissen: Eineinhalb Jahre nach dem Messedebüt in Los Angeles 2011 kommt der Ford Kuga im März 2013 in den Handel. Trotz besserer Ausstattung beginnen die Preise bei 24.000 Euro und liegen damit 1000 Euro unter denen des Vorgängermodells. "Damit geben wir den Kostenvorteil durch die größeren Stückzahlen an die Kunden weiter", sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Außerdem wird der Kuga so einen Hauch billiger als der wichtigste Wettbewerber, der VW Tiguan.
Gut acht Zentimeter länger wurde das Auto und bietet nun spürbar mehr Platz. Im Fond haben Erwachsene ordentlich Platz, und der Kofferraum fasst 438 Liter - 28 Liter mehr als früher. Weil sich zudem die Neigung der Rücklehne verstellen lässt, kommt man schon bei voller Bestuhlung auf maximal 481 Liter.
Was die Kunden freuen wird: Der Kuga wird um bis zu 26 Prozent sparsamer. Das ist vor allem ein Verdienst des Ecoboost-Benziners, den es in einzelnen Varianten auch mit Start-Stopp-Automatik gibt. Der 1,6 Liter große Turbo-Direkteinspritzer wird mit 150 oder 182 PS angeboten und kommt im besten Fall mit 6,1 Litern aus. Daneben gibt es einen Diesel mit zwei Litern Hubraum, den Ford wahlweise mit 140 oder 163 PS anbietet. Die Verbrauchswerte liegen zwischen 5,3 und 6,2 Liter. Es könnte sogar noch weniger sein, wenn Ford nicht ausgerechnet beim Diesel auf die Start-Stopp-Automatik verzichten würde.
Das werden wir nicht vergessen: Den angedeuteten Fußtritt unter den hinteren Stoßfänger, mit dem man die elektrische Heckklappe automatisch aufschwingen lassen kann. Das gab es bislang nur bei Kombimodellen und zeugt von der neuen Positionierung des Kuga. Nicht Stock und Stein, sondern Kind und Kegel waren oberste Priorität bei der Entwicklung. Das Allrad-Symbol im Tacho, das exakt so aussieht wie jenes bei Land Rover, ändert daran nichts.


