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22.12.2012
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Vorschrift zur Steuererklärung

Lkw-Fahrer werden bis aufs Klo verfolgt

DPA

Toilette an einer Autobahnraststätte: "Irrsinnig aufwendig"

Nach einem Toilettengang herrscht für Lkw-Fahrer künftig Beweispflicht: Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" müssen die Trucker jede Dusche und jeden Klobesuch während ihrer Dienstzeit nachweisen können - so will es das Bundesfinanzministerium.

Wie viel Geld muss ein Brummi-Fahrer durchschnittlich für seine Toilettengänge aufbringen? Das Bundesfinanzministerium interessiert sich brennend für diese Frage. Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet, schreibt das Ministerium den Finanzämtern vor, wie deutsche Lkw-Fahrer solche Aufwendungen in ihrer Steuererklärung anzugeben haben: Und zwar so exakt wie möglich. Das hat zur Folge, dass die Betroffenen über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg möglichst alle Belege für ihre sogenannten Reisenebenkosten nun sammeln und aufbewahren müssten.

Anhand der Quittungen berechne das Finanzamt einen Durchschnittswert für die täglichen Bedürfnisse der Fahrer und lege diesen für jeden Fahrtentag in der Steuererklärung zugrunde, heißt es weiter in dem Bericht. Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) bezeichnet das Verfahren in der "SZ" als "irrsinnig aufwendig". Bisher hätten viele Finanzämter eine Schätzung für die Kosten anerkannt. Zudem habe unlängst sogar der Bundesfinanzhof geschätzte fünf Euro für die täglichen Reisenebenkosten der Lkw-Fahrer als akzeptabel bezeichnet.

Das Bundesfinanzministerium stellte klar, dass es sich um eine "vereinfachende Lösung" handle: Demnach müssten die Lkw-Fahrer nur einmalig drei Monate lang ihre Zettel sammeln. Anschließend nutzen die Behörden die jeweils die aus diesem Zeitraum berechneten Durchschnittswerte.

Komplizierte Abrechnung

Rauhöft kritisiert vor allem, dass die Fahrer fortan von ihrem Aufwand auch den Wert von Raststätten- und Autohof-Bons abziehen müssten. In den Standgebühren, die von den Truckern dort bei Übernachtungen verlangt werde, seien oft Essengutscheine enthalten, erklärt Andreas Mossyrsch, Vorstand beim Transportverband Camion Pro in der "SZ". Dafür gebe es jedoch eigene steuerliche Pauschalen, weshalb die Gutscheine von den Finanzämtern nicht anerkannt würden.

Die Folge für die Fernfahrer: Weil viele Speditionen die Kosten nicht erstatten, blieben sie darauf sitzen. Verhindern ließe sich das laut Steuerexperte Rauhöft nur, wenn die Trucker auch noch über diese Aufwendungen genau Buch führten.

Die zusätzliche Zettelwirtschaft erschwert die Arbeitsbedingungen weiter und kommt für die Branche zur Unzeit: Denn viele Speditionen haben mittlerweile Schwierigkeiten, Fahrer für ihre Lastwagen zu finden. Schuld ist die schlechte Bezahlung des Jobs, das negative Image bei anderen Verkehrsteilnehmern - und zusätzliche Gängelungen wie der geforderte Nachweis von Toilettenbesuchen.

cst

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insgesamt 150 Beiträge
1. Einbau von Klo und Dusche
schandmaul1000 22.12.2012
und das Problem ist gelöst.Platz sollte genug in der Fahrerkabine sein und ein flächendeckendes Entsorgungssystem für Scheisse und Brauchwasser ist sicher kurzfristig einzurichten.
und das Problem ist gelöst.Platz sollte genug in der Fahrerkabine sein und ein flächendeckendes Entsorgungssystem für Scheisse und Brauchwasser ist sicher kurzfristig einzurichten.
2. typisch
pluuto 22.12.2012
tja so sind wir Deutschen eben: kleine Krämerseelen.
tja so sind wir Deutschen eben: kleine Krämerseelen.
3.
neu_ab 22.12.2012
Am besten direkt vor die Tür des Bundesfinanzministeriums.
Zitat von schandmaul1000und das Problem ist gelöst.Platz sollte genug in der Fahrerkabine sein und ein flächendeckendes Entsorgungssystem für Scheisse und Brauchwasser ist sicher kurzfristig einzurichten.
Am besten direkt vor die Tür des Bundesfinanzministeriums.
4. Es muss schließlich alles seine Ordnung haben!
zettelmeyer.freelancer 22.12.2012
Und diese Devise wird in Deutschland durchgezogen, sei die Ausführung wie in diesem Falle auch noch so unsinnig. Aber die Regierenden brauchen Geld zum verjubeln und da der Wähler bei dem Begriff Steuererhöhungen sofort sein [...]
Und diese Devise wird in Deutschland durchgezogen, sei die Ausführung wie in diesem Falle auch noch so unsinnig. Aber die Regierenden brauchen Geld zum verjubeln und da der Wähler bei dem Begriff Steuererhöhungen sofort sein Kreuz woanders macht, werden eben Methoden gefunden dem kleinen Mann das Geld mit anderen Möglichkeiten aus der Tasche zu ziehen. Grundsätzlich bietet sich das deutsche Steuer"recht" (Lach) dafür geradezu an. Denn nach diesem "Recht" müssen sie ihre Angaben "glaubhaft" machen. Soll heißen wenn der Beleg für den Beamten "nicht glaubhaft" ist streicht er ihn weg (und das darf er ohne eine weitere Begründung), weil bei uns schließlich alles seine Ordnung hat und ein Beamter würde von vorgesetzter Dienststelle ja auch nie die Anweisung bekommen den Bürger zu schröpfen wo es nur geht, das ist im Hinblick auf unseren Staat einfach undenkbar weil gerade der oberste Vorgesetzte dieses Beamten schließlich über jeden Zweifel erhaben ist (soweit es sein Gedächtnis jedenfalls zulässt). Ansonsten, sollte die Brummifahrer vielleicht ihre Touren so legen, dass sie in jeder Stadt am dort ansässigen Finanzamt vorbeikommen. Da können sie dann nach Herzenslust ihre Notdurft verrichten und können dann auch noch einen beglaubigten Verrichtungsbeleg abverlangen.
5. Zusammen mit der Anti-Korruptionskampagne bei der Müllabfuhr
Reg Schuh 22.12.2012
Zusammen mit der Anti-Korruptionskampagne bei der Müllabfuhr mag man da den Eindruck bekommen, daß die Ämter den allerkleinsten Arbeitnehmern ganz penibel auf die Finger schauen, um möglichst aktiv und gründlich zu wirken. [...]
Zusammen mit der Anti-Korruptionskampagne bei der Müllabfuhr mag man da den Eindruck bekommen, daß die Ämter den allerkleinsten Arbeitnehmern ganz penibel auf die Finger schauen, um möglichst aktiv und gründlich zu wirken. Damit kann man davon ablenken, wo bei den dicken Fischen in Sachen Korruption und Steuerbetrug weggeschaut wird. Motto: Fünfe nicht grade sein lassen können, aber fünfzig Millionen sind Peanuts?

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