Lade Daten...
02.01.2013
Schrift:
-
+

Umstrittenes Kältemittel

Daimler widersetzt sich weiterhin der EU

dapd

Daimler-Konzernzentrale: Der Konzern verweigert die Verwendung von R123yf

Im Streit mit der EU-Kommission um das Kältemittel R1234yf bleibt Daimler hart. Obwohl dem Autobauer Strafzahlungen drohen, will er das Mittel aus Sicherheitsbedenken nicht einsetzen. Die Frist zur Umsetzung der EU-Vorgabe ist unterdessen abgelaufen.

Stuttgart - In der Diskussion um das umstrittene Kältemittel R1234yf bleibt Daimler auf Konfrontationskurs mit der EU-Kommission. "Wir gehen davon aus, dass uns nichts anderes übrigbleibt, als das neue Mittel nicht einzusetzen", sagte ein Sprecher in Stuttgart. Es berge hohe Risiken für Insassen und Ersthelfer im Falle eines Unfalls.

Laut EU-Richtlinie dürfen Kältemittel in Klimaanlagen von Fahrzeugen, die ab 1. Januar 2011 zertifiziert sind, einen bestimmten Grenzwert zur Umweltverträglichkeit nicht überschreiten. Seit 1. Januar 2013 drohen ansonsten Strafzahlungen oder sogar der Entzug der Zulassung von Modellen. Weil die Hersteller des neuen Kältemittels Lieferschwierigkeiten hatten, wurde das alte Kältemittel bei neuen Modellen noch bis Ende 2012 geduldet, in alten Modellen kann es gemäß Richtlinie noch bis Ende 2016 eingesetzt werden.

Auf das neue Mittel mit dem Namen R1234yf hatte sich die Autoindustrie weltweit geeinigt, weil es vergleichsweise gute Umwelteigenschaften hat. In einem Crashtest von Daimler fing es allerdings Feuer. Der Konzern kündigte danach an, weiter auf das eigentlich verbotene Kältemittel R134a zu setzen.

Die Schwaben fordern mehr Zeit

Bei Daimler wurden die neue A- und B-Klasse nach dem neuen Kältemittel zertifiziert, auch das neue Modell des Sportwagens SL ist betroffen. Dem Daimler-Sprecher zufolge ist es fraglich, ob es zu Strafen für den Konzern kommt. Der Konzern befinde sich in Abstimmung mit den EU-Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA). "Die Gespräche verlaufen gut", sagte der Sprecher. Beim KBA hieß es lediglich, es handle nach den gesetzlichen Vorgaben.

Im Streit mit der EU setzt Daimler nun darauf, eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung von R134a zu erhalten. Mindestens sechs Monate will der Konzern herausschlagen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt das Vorgehen und wirbt ebenfalls um eine Übergangsfrist, um Sicherheitsbedenken auszuräumen.

Auch BMW will weitere Tests

Daimler kann auch auf Unterstützung der anderen Hersteller zählen. VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn hatte sich bereits im vergangenen Jahr für eine Übergangsfrist von mindestens einem halben Jahr ausgesprochen. "Es muss klar sein, dass ab 1. Januar 2013 weiterhin das herkömmliche Mittel 134a eingesetzt werden kann. Hier ist - auch von Brüssel - eine klare Abwägung zwischen Klimaschutz und Sicherheit vorzunehmen", sagte er dem Magazin "auto, motor und sport".

Einem VDA-Sprecher zufolge werden nach dem Daimler-Test jetzt zusätzliche Tests durchgeführt. Auf den Vorschlag von Eichhorn habe es noch keine Reaktion der Behörden gegeben. Es gebe allerdings auch keine Ansage, dass Strafzahlungen vorgesehen sind.

Auch BMW spricht sich für weitere Tests aus. "Wir nehmen sehr ernst, was sich da ergeben hat", sagte ein Sprecher. Das Unternehmen befinde sich im Dialog mit dem VDA. Allerdings drängt bei BMW die Zeit nicht, da aktuell kein Fahrzeug nach den neuen Anforderungen zertifiziert werden muss.

cst/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 58 Beiträge
1. Die Entstehung von hochaggressiver Flußsäure..
michaelkaloff 02.01.2013
... ist das zentrale Sicherheitsproblem im Falle eines Unfalls mit diesem Kältemittel. Eindrucksvolle Versuche durch div. Automobilzeitschriften, u.a. AutoBild, belegen dies. Erst wenn sich der erste EU-Kommissar verätzt hat, [...]
... ist das zentrale Sicherheitsproblem im Falle eines Unfalls mit diesem Kältemittel. Eindrucksvolle Versuche durch div. Automobilzeitschriften, u.a. AutoBild, belegen dies. Erst wenn sich der erste EU-Kommissar verätzt hat, setzt in Brüssel vielleicht ein Umdenken ein. Man wird ja noch hoffen dürfen, oder?
2. Kältemittel
Doktor_Seltsam 02.01.2013
Jedes Kältemittel ist brennbar. Es kommt aber auf die vorhandenen Drücke an, wann es brenzlig wird.
Jedes Kältemittel ist brennbar. Es kommt aber auf die vorhandenen Drücke an, wann es brenzlig wird.
3. N + ö = nö
dr.u. 02.01.2013
Die Technologie für CO2 basierende Klimanlagen ist weitesgehend entwickelt. Und CO2 ist nicht brennbar; auch nicht toxisch, zumindest nicht ansatzweise so toxisch, wie FKWs. Die Zulieferindustrie stand ja bereits vor [...]
Zitat von Doktor_SeltsamJedes Kältemittel ist brennbar. Es kommt aber auf die vorhandenen Drücke an, wann es brenzlig wird.
Die Technologie für CO2 basierende Klimanlagen ist weitesgehend entwickelt. Und CO2 ist nicht brennbar; auch nicht toxisch, zumindest nicht ansatzweise so toxisch, wie FKWs. Die Zulieferindustrie stand ja bereits vor einigen Jahren Gewehr-bei-Fuß, um die entsprechenden Systema der Automobilindustrie anbieten zu können. Da sich aber viele (vor allem außereuropäische) Automobilhersteller vor den den (geringen)Mehrkosten dieser Systeme scheuten, wurde dieser halbgare Kompromiss mit dem Kältemittel R1234yf ausgebrütet...
4. optional
tyskie 02.01.2013
Mal eine dumme Frage: Welchen genauen Nutzen soll das neue Kältemittel im Bezug auf die Umwelt haben? Ich hab gehört, es soll schonender gegenüber der Ozonschicht sein. Das kann ich mir aber angesichts der Tatsache, dass das [...]
Mal eine dumme Frage: Welchen genauen Nutzen soll das neue Kältemittel im Bezug auf die Umwelt haben? Ich hab gehört, es soll schonender gegenüber der Ozonschicht sein. Das kann ich mir aber angesichts der Tatsache, dass das Ozonloch so klein ist, wie niemals zuvor in den Aufzeichnungen, kaum vorstellen.
5. @ auf # 2:
fuzzi-vom-dienst 02.01.2013
CO2 ist also brennbar. Dito CF2Cl2. Chemie ist nicht unbedingt Ihre Stärke, werter Mitforist? Oder irre ich mich da? Schönen Tag noch!
CO2 ist also brennbar. Dito CF2Cl2. Chemie ist nicht unbedingt Ihre Stärke, werter Mitforist? Oder irre ich mich da? Schönen Tag noch!

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema Kältemittel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten