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11.01.2013
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Detroit Auto Show 2013

Darum liebt Amerika deutsche Autos

Von Jürgen Pander
Fotos
Volkswagen

Stolz reisen die deutschen Autohersteller zur Auto Show nach Detroit - im vergangenen Jahr konnten sie Absatzrekorde auf dem wichtigen US-Markt feiern. Auf der Messe wollen sie nun mit neuen Modellen nachlegen. Und ein verloren geglaubtes Ziel wieder in Angriff nehmen.

"Find New Roads", so lautet der neue Slogan der General-Motors-Marke Chevrolet. Das klingt nach Aufbruch und Zuversicht - doch gemessen an der Realität ist es eher ein Pfeifen im Walde. Im vergangenen Jahr boomte zwar das Autogeschäft in den USA, aber die großen Konzerne General Motors und Ford profitierten davon nur geringfügig. Stattdessen sahnten vor allem die deutschen Hersteller ab. Für sie war 2012 das bislang erfolgreichste Jahr im US-Geschäft. In Zahlen ausgedrückt: 1,27 Millionen verkaufte Neuwagen, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von mehr als 21 Prozent.

Bei der Auto Show in Detroit, die in der kommenden Woche beginnt, werden die deutschen Autobauer also mit breiter Brust auflaufen.

Audi zeigt dort unter anderem einen extrasportlichen Q5, BMW den überarbeiteten Z4 und Mercedes die rundum renovierte E-Klasse."Generell profitieren die Autohersteller von der zuletzt positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den USA", sagt Matt Trommer, Global Manager des Automarktbeobachters Jato Dynamics in Detroit. "Vor allem das Leasinggeschäft brummt, und darüber können sich besonders die Luxusmarken freuen. Denn als Leasingwagen kommen meist Fahrzeuge aus hohen Preiskategorien in Betracht."

Das spielt den deutschen Herstellern in die Karten - sie werden in den USA allesamt als Premiummarken wahrgenommen. Fünf deutsche Autobauer überboten sich 2012 folgerichtig mit Zuwächsen in Amerika:

An den amerikanischen Nobelmarken ging der Aufschwung stattdessen vorbei. Der Absatz von Cadillac schrumpfte um zwei Prozent auf weniger als 150.000 verkaufte Autos, der von Lincoln ging um vier Prozent zurück.

Der Power-Passat

Den aus deutscher Sicht überraschendsten Erfolg fuhr der VW Passat ein, von dem die Niedersachsen in den vergangenen zwölf Monaten 117.023 Exemplare verkauften - gut ein Viertel des VW-Gesamtabsatzes in den USA. Der sogenannte Midsize Sedan wird in Chattanooga im US-Staat Tennessee gebaut und ist deutlich größer als das hiesige Modell gleichen Namens. 20.845 Dollar kostet die billigste Variante des Passat, der mit dem Slogan "That's the Power of German Engineering" beworben wird.

Das Hervorheben deutscher Ingenieursleistungen sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor in den USA, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "In puncto Technik, Design und Image sind die deutschen Hersteller meist führend, und die Kunden honorieren das. Lediglich bei den alternativen Antriebstechnologien, die in den USA stark durch Hybridautos geprägt sind, gelten Hersteller aus anderen Ländern als Vorreiter."

Obwohl die Hybridtechnik bei Autos in Amerika weiter verbreitet ist als bei uns, geht es auf dem US-Markt eher streng konservativ zu. Wie seit Jahrzehnten war auch im Jahr 2012 der Pick-up der F-Baureihe von Ford das mit Abstand meistverkaufte Pkw-Modell der USA (645.316 Exemplare, plus 10,3 Prozent).

Als vor einigen Jahren die Spritpreise vorübergehend in die Höhe schossen, wurden die durstigen Transporter zwar totgesagt, doch längst stehen die Kunden wieder Schlange. Und auch Muscle Cars klassischer Machart sind überaus beliebt, wie die jeweils deutlich über 80.000 Exemplaren liegenden Verkaufszahlen von Chevrolet Camaro und Ford Mustang zeigen; letzterer legte im abgelaufenen Jahr um satte 17,8 Prozent zu.

Neue Hoffnung auf einen alten Traum

Das große Interesse an Autos wie etwa dem VW Passat zeigt laut Bratzel, dass es für ausländische Hersteller sinnvoll ist, Fahrzeuge konsequent auf die US-Ansprüche abzustimmen. Wie zu hören ist, wird Volkswagen in Detroit ein brandneues Modell vorstellen, das den amerikanischen Geschmack bedient.

Jato-Analyst Matt Trommer weist außerdem darauf hin, dass der VW Passat das einzige Modell in seiner Klasse sei, das auch mit einem Dieselmotor angeboten werde. Immerhin jeder dritte Passat-Kunde in den USA wählte einen TDI. Die Zahl ist deshalb erstaunlich, weil Selbstzünder-Modelle in den USA eigentlich als unverkäuflich gelten. Auch im Jahr 2012 lag der Diesel-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen bei mageren 2,6 Prozent.

Der TDI-Erfolg könnte ein Motivationsschub für den Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sein: Mit einer Kampagne unter dem Motto "Clean Diesel. Clearly Better" will der VDA auf der Messe in Detroit einen erneuten Anlauf nehmen, das zuletzt leicht ansteigende Interesse der US-Kundschaft an Diesel-Pkw zu befeuern. Denn davon würden - mangels Angebotsmasse der anderen Autobauer - fast ausschließlich die deutschen Hersteller profitieren.

Forum

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insgesamt 129 Beiträge
1. Jubelartikel
dlmb 11.01.2013
Dieser Artikel müht sich redlich, die Realitäten zu verschleiern. Deutsche Autos haben gegenüber den Japanern lächerliche Verkaufszahlen. Man vergleiche nur mal Toyota Camry mit dem Passat... Auch das Image ist sehr durchwachsen, [...]
Dieser Artikel müht sich redlich, die Realitäten zu verschleiern. Deutsche Autos haben gegenüber den Japanern lächerliche Verkaufszahlen. Man vergleiche nur mal Toyota Camry mit dem Passat... Auch das Image ist sehr durchwachsen, VW hat dort beispielsweise den Ruf schlechter Qualität.
2. Wenn wir schon ein Hochlohnland ...
westerwäller 11.01.2013
...gegenüber den USA sind, so dass dort gebaute Autos viel billiger als die deutschen Pendants sind ... Warum werden dann auch die hier gebauten Autos dort für 2/3 des Preises verkauft, den der deutsche Verbraucher zu zahlen [...]
...gegenüber den USA sind, so dass dort gebaute Autos viel billiger als die deutschen Pendants sind ... Warum werden dann auch die hier gebauten Autos dort für 2/3 des Preises verkauft, den der deutsche Verbraucher zu zahlen hat ... Ah, verstehe! Der deutsche Michel lässt sich besser abzocken!
3. VW Passat für 15 400 Euro
vogelsberg 11.01.2013
Da könnten die auch in Deutschland noch ein paar mehr verkaufen. Durch dämliche Vorschriften wird der Import aus den USA verkompliziert. Wie teuer ist denn eigentlich ein Auto in der Herstellung, wenn man es für 15400 Euro [...]
Da könnten die auch in Deutschland noch ein paar mehr verkaufen. Durch dämliche Vorschriften wird der Import aus den USA verkompliziert. Wie teuer ist denn eigentlich ein Auto in der Herstellung, wenn man es für 15400 Euro verkaufen kann? Wo kommen dann die 25 000 Euro für den Basis Passat her? Das sind knapp 10000 Euro Unterschied. In der Endkonsequenz bezahlt es der Endverbraucher. Firmenwagen etc., deren Kosten dann in den Preis des Endprodukts einfließen. Für die Preise, wie sie ind D aufgerufen werden, würde kein Ami einen "Premium" VW kaufen. Da geht er lieber zum Infinity von Nissan, Lexus von Toyota oder Accura von Honda. Die Aufzählung ist nicht vollständig, aber das sind die eigentlichen Top-Marken auf dem amerikanischen Markt.
4.
Rätselrater 11.01.2013
Ist doch klar: Die Amis lieben deutsche Autos, weil diese mit ihrer martialischen, muskelschwelenden Anmutung am ehesten zur kindlichen Waffenliebe dieser Nation passen mit denen man in Schwarzenegger-Manier alles plattwalzen [...]
Zitat von sysopStolz reisen die deutschen Autohersteller zur Auto Show nach Detroit - im vergangenen Jahr konnten sie Absatzrekorde auf dem wichtigen US-Markt feiern. Auf der Messe wollen sie nun mit neuen Modellen nachlegen. Und ein verloren geglaubtes Ziel wieder in Angriff nehmen. Deutsche Hersteller profitieren vom Wachstum auf dem US-Automarkt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/deutsche-hersteller-profitieren-vom-wachstum-auf-dem-us-automarkt-a-876605.html)
Ist doch klar: Die Amis lieben deutsche Autos, weil diese mit ihrer martialischen, muskelschwelenden Anmutung am ehesten zur kindlichen Waffenliebe dieser Nation passen mit denen man in Schwarzenegger-Manier alles plattwalzen kann!
5.
thomas.b 11.01.2013
Da haben die Amis direkt mal Recht: German Engineering ist immer eine gute Wahl...
Da haben die Amis direkt mal Recht: German Engineering ist immer eine gute Wahl...

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