Lade Daten...
11.01.2013
Schrift:
-
+

Software-Entwicklungen fürs Auto

Komfort programmiert

Aus Las Vegas berichtet Michail Hengstenberg
Foto: Audi

Die lästige Parkplatzsuche, die frickelige Sitzverstellung, das ständige An- und Ausknipsen der Fernlichter - Schluss damit. Auf der CES in Las Vegas zeigt die Fahrzeugindustrie, wie digitale Innovationen das Autofahren erleichtern. Die nötige Technik wird schon in Serie gebaut.

Ein Auto, das auf Knopfdruck vollkommen selbständig ins Parkhaus fährt und dort passgenau in eine Lücke zirkelt - diesen Service bekamen bislang nur Filmhelden wie James Bond geboten. Auf der CES in Las Vegas konnte man aber nun genau dieses Kunststück mit eigenen Augen beobachten. Und das Auto, das da ganz allein fuhr, war auch kein aufwendig präpariertes Einzelstück - sondern ein weitgehend handelsüblicher Audi.

Etwas ungelenk zwar, aber vollkommen eigenständig, steuerte sich eine Audi-Limousine aus einer Parklücke heraus vor das Parkhaus - und von dort wieder zurück auf den Stellplatz. Wie von Geisterhand zündete der Motor, schaltete sich das Licht an und bewegte sich der Wagen langsam vorwärts. Sollte das System in Serie gehen - und es gibt wenig, was dagegen spricht - dann fällt die nervige Parkplatzsuche in schummrigen Parkhäusern in Zukunft weg. Einfach das Auto verlassen, die Einparkassistenz aktivieren - der Rest erledigt sich von selbst.

Fotostrecke

Software-Entwicklungen fürs Auto: Bequem auf Knopfdruck
Das Beste dabei: Alles, was es dazu noch braucht, sind Parkhäuser, die die nötigen Informationen über freie Plätze und das Layout der Parkgarage an das Auto funken können. Der Rest ist im Prinzip vorhanden. Der Audi-Prototyp zumindest war lediglich mit bereits in der Serie erhältlicher Technik ausgestattet, von der W-Lan-Schnittstelle für die Kommunikation mit dem Parkhaus einmal abgesehen, aber die wird ebenfalls schon bald zum automobilen Alltag gehören.

Mit diesem Prototypen veranschaulichte Audi auf der CES einen Trend, der die Automobilindustrie in den nächsten Jahren maßgeblich verändern wird: Durch neue Software werden spektakuläre Innovationen ermöglicht. Die Hardware-Basis muss dafür gar nicht großartig revolutioniert werden. Stattdessen geht es darum, die Informationen, die die verschiedenen Sensoren schon heute registrieren, noch genauer auszuwerten - und noch cleverer zu nutzen.

Audis hellste Leuchte

Was dabei zu erwarten ist, zeigt Audi auf einem der aufsehenerregendsten Stände der Messe CES. In einem schwarzen Kubus, in den ein gleißend hell erleuchteter Tunnel geschlagen ist, präsentieren die Autobauer aus Ingolstadt ihren sogenannten Matrix-LED-Scheinwerfer.

In einem dunklen Separee im Kubus ist ein Scheinwerfer aufgebaut, dessen LED-Leuchten einen hellen Streifen Fernlicht durch den Raum schicken. Der Clou: Wenn man sich mit einer Taschenlampe vor dem Scheinwerfer aufbaut und ihn blendet, schaltet er exakt jene LEDs ab, die dem Lichtkegel der Taschenlampe begegnen. Bewegt man die Taschenlampe, werden die entsprechenden LEDs an- und ausgeknipst.

Der Matrix-LED-Scheinwerfer ist also, konkret gesagt, ein Fernlicht, das die entgegenkommenden Autos sozusagen ausschneidet - den Rest der Straße aber weiterhin hell ausleuchtet. Das lästige An- und Abschalten des Fernlichts entfällt. "Rund 50 Prozent aller Unfälle ereignen sich nachts", sagt Jürgen Wilhelmy, bei Audi für die Entwicklung von Lichtsystemen zuständig, "und das, obwohl es zu später Stunde lediglich 20 Prozent des Verkehrsaufkommens im Vergleich zur Zeit bei Tageslicht gibt".

Möglich macht diese Funktion in erster Linie eine neue Software. Die nötige Hardware für das System ist dagegen in vielen Autos der Ingolstädter schon verbaut. "Wir mussten lediglich den Chip, der die LEDs ansteuert, geringfügig ändern. Der Rest, wie Kameras und LED-Scheinwerfer, sind bei den meisten unserer Autos schon an Bord", sagt Wilhemy.

Doch nicht nur entgegenkommende Autos werden vom Matrix-Scheinwerfer anders als bislang behandelt, auch auf Fußgänger reagiert er vorausschauender. Erkennt das System einen Menschen, wird er von einer einzelnen LED drei Mal hintereinander hell erleuchtet - und so quasi in ein wandelndes Warnsignal verwandelt. Hier zeigt sich, wie weit sich bereits bestehende Systeme allein durch das Schreiben neuer Programme weiterentwickeln lassen.

Der zuvorkommende Sitz

Ein weiteres Beispiel dafür, wie bestehende Hardware durch neue Software revolutioniert werden kann, ist der Fahrersitz, den der Automobilzulieferer Continental auf der Messe in Las Vegas im Konferenzraum eines Hotels zeigte. Die Basis ist dabei nichts Ungewöhnliches: Ein in alle Richtungen verstellbarer Autositz mit integrierter Heizung, Gebläse und Massagekissen in der Rückenlehne sowie aufblasbaren Sitzwangen. Ein Komfortsessel also, wie es ihn heute in Zigtausenden von Oberklasselimousinen gibt.

Das Besondere an diesem Sitz ist, dass er Senden und Empfangen kann - und es deswegen möglich ist, ihn beispielsweise über ein iPhone zu steuern. Das allein ist natürlich eher Spielerei - auch wenn Luigi Leonardi, bei Continental zuständig für die Entwicklung von Sitzsystemen, betont, dass man damit endlich auch bequem den Beifahrersitz verstellen kann, ohne sich zu verrenken.

Viel faszinierender aber ist die Möglichkeit, sich sein eigenes Sitzprofil zu erstellen - inklusive eigener Temperaturkurve für Heizung und Gebläse. Dieses Profil trägt man dann mit seinem Tablet oder Smartphone bei sich. Wenn man sich in ein anderes Auto hineinsetzt, das über das gleiche System verfügt, fährt der Sitz automatisch in die vom Profil voreingestellte Position - auch, wenn es sich bei dem Auto um ein anderes Modell handelt.

Wie stark sich bei der Entwicklung von Autos das Verhältnis von klassischer Automobiltechnologie und Digitaltechnologie verändern wird, zeigt sich am deutlichsten in der personellen Zusammensetzung der Unternehmen: Beim Zulieferer Continental arbeiten insgesamt rund 25.000 Ingenieure. Schon heute sind 10.000 davon für Software-Programmierung zuständig.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
1. Klar, super für Leute, die nicht weiter denken.
rodelaax 11.01.2013
Eine schöne neue elektronische Glitzerwelt ... ... und damit kommen, für jeden Autobesitzer, zusätzliche Werkstattaufenthalte und gigantische Zusatzkosten wegen Fehlern in immer mehr elektronischen Teilen. Und selber reparieren [...]
Eine schöne neue elektronische Glitzerwelt ... ... und damit kommen, für jeden Autobesitzer, zusätzliche Werkstattaufenthalte und gigantische Zusatzkosten wegen Fehlern in immer mehr elektronischen Teilen. Und selber reparieren kann man sowieso schon heute meist vergessen.
2. und nicht vergessen:
stubborn 11.01.2013
...jede Woche der notwendige update des Virenscanners. Damits auch beim nächsten Bremsen klappt. SchöneNeueWelt haben wir ja schon mit Windoof und der Nachbar zahlt 600 € Reparaturkosten, weil die Airbaglampe nicht ausgeht und [...]
...jede Woche der notwendige update des Virenscanners. Damits auch beim nächsten Bremsen klappt. SchöneNeueWelt haben wir ja schon mit Windoof und der Nachbar zahlt 600 € Reparaturkosten, weil die Airbaglampe nicht ausgeht und der TÜV das nicht mag....
3.
DJ Doena 11.01.2013
Jaja, immer dieser Fortschritt. Wo sind nur die gulten alten Zeiten, als man für einen Atlantikflug noch dreimal das Flugzeug wechseln musste, weil die guten alten Propellermaschinen keine so große Reichweite hatten? Oder [...]
Zitat von rodelaaxEine schöne neue elektronische Glitzerwelt ... ... und damit kommen, für jeden Autobesitzer, zusätzliche Werkstattaufenthalte und gigantische Zusatzkosten wegen Fehlern in immer mehr elektronischen Teilen. Und selber reparieren kann man sowieso schon heute meist vergessen.
Jaja, immer dieser Fortschritt. Wo sind nur die gulten alten Zeiten, als man für einen Atlantikflug noch dreimal das Flugzeug wechseln musste, weil die guten alten Propellermaschinen keine so große Reichweite hatten? Oder Waschmaschinen mit eingebauter Schleuderfunktion und Zeitprogrammierung!
4. Ein kleiner Schritt noch
gunman0815 11.01.2013
Der Schritt von der Beqeumlichkeit zur Entmündigung ist manchmal nur ein kleiner. Wenn diese Autos später einmal meinen, heute seien die Straßen einfach zu voll, dann springen sie vermutlich gar nicht erst an. Kommt hinzu, dass [...]
Der Schritt von der Beqeumlichkeit zur Entmündigung ist manchmal nur ein kleiner. Wenn diese Autos später einmal meinen, heute seien die Straßen einfach zu voll, dann springen sie vermutlich gar nicht erst an. Kommt hinzu, dass z.B. die Versicherungen demnächst gerne bei jeder Fahrt online dabei wären, um zu sehen, was ihre Versicherungsnehmer gerade alles falsch machen, um ihnen den "Das-bezahlen-wir-nicht-Strick" daraus zu drehen usw. usw.
5.
Guy Montag 11.01.2013
Unsere Autos benötigen dringend eine Alternative zu den fossilen Brennstoffen. Was unsere Autos als letztes brauchen, ist eine eigene IP-Adresse...
Zitat von sysopDie lästige Parkplatzsuche, die frickelige Sitzverstellung, das ständige An- und Ausknipsen der Fernlichter - Schluss damit. Auf der CES in Las Vegas zeigt die Fahrzeugindustrie, wie digitale Innovationen das Autofahren erleichtern. Die nötige Technik wird schon in Serie gebaut.
Unsere Autos benötigen dringend eine Alternative zu den fossilen Brennstoffen. Was unsere Autos als letztes brauchen, ist eine eigene IP-Adresse...

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Detroit Auto-Show 2013

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema CES
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten