14.01.2013
CO2-Regulierung
EU-Vorgabe macht Neuwagen teurer
Opel-Werk: Bei einer strengeren Abgasnorm würden sich die Produktionskosten erhöhen
Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Autobauer ihre Produkte umweltfreundlicher machen. Die Pläne aus Brüssel sehen vor, dass Neuwagen in Europa ab 2020 durchschnittlich nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Das könnte für die Hersteller - und damit auch für die Kunden - teuer werden: Laut einem Bericht der "Welt" steigen die Entwicklungskosten pro Neuwagen um 960 Euro, wenn die geplanten Abgasnormen der EU erfüllt werden sollen. Das Blatt bezieht sich dabei auf eine noch unveröffentlichte Studie des Internationalen Rats für sauberen Transport (ICCT).
Die Zusatzkosten der Hersteller hätten demnach eine kräftige Verteuerung der Neuwagenpreise zur Folge. Gleichzeitig können sich die Kunden über die Ergebnisse der Studie freuen - denn die Erhöhung ist damit nur halb so teuer wie von der EU-Kommission geschätzt. Als die Gesetzesinitiative vorgestellt wurde, rechnete Klimakommissarin Connie Hedegaard mit etwa der doppelten Summe.
Im Gegensatz zur EU, deren Prognose sich auf die Einschätzungen von Herstellern und Experten stützt, habe der ICCT eine andere Analysemethode angewandt: Demnach habe man die Einzelteile von Autos betrachtet und innovative mit herkömmlichen Bauweisen verglichen. Anschließend errechneten die Experten, wie sehr sich die Fertigungskosten verteuern, wenn die modernen Technologien in hoher Stückzahl verbaut werden.
Elektroautos sind nicht nötig
Laut ICCT-Studie sind die Technologien, um die EU-Vorgaben zu erreichen, "heute schon auf dem Markt". Es würden dazu "keine oder nur wenige Hybridfahrzeuge" benötigt - auch keine Elektroautos.
Dieser Ansicht widersprach Matthias Wissmann, Präsident des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA), in der "Welt": Um das 95-Gramm-Ziel zu schaffen, müsse ein erheblicher Anteil der Autos mit alternativen Antrieben ausgestattet werden. Es sei "unverzichtbar, dass sich alternative Antriebskonzepte am Markt durchsetzen", sagte Wissmann.
Die Pläne für eine strengere Abgasnorm sind umstritten: Umweltschützer kritisierten die Vorschläge als zu lasch, die Autoindustrie dagegen als sehr hart. Derzeit gilt eine EU-Regulierung, wonach der Durchschnittsausstoß von CO2 bis zum Jahr 2015 auf 130 Gramm pro Kilometer gesenkt werden muss. Momentan liegt er nach Angaben der EU-Umweltagentur bei 136 Gramm. Das Gesetzesvorhaben für die Bestimmungen für das Jahr 2020 wird derzeit von EU-Mitgliedstaaten und dem Europaparlament beraten.
cst/afp
