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16.01.2013
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Die teuersten Oldtimer 2012

Wenn Blech zu Gold wird

Von Heiko Haupt
Pawel Litwinski / RM Auctions

Zwölf Millionen Euro für einen alten Mercedes, elf Millionen Euro für einen alten Ford - auch im Jahr 2012 bewährten sich automobile Raritäten als gewinnbringende Geldanlage. Krise hin oder her, beim Altmetall ziehen die Preise weiter an, wie das Top-Ten-Ranking der teuersten Oldtimer 2012 zeigt.

Was vor mehr als zwanzig Jahren im amerikanischen Greenwich geschah, ist etwas, wovon unzählige Oldtimer-Liebhaber träumen: Jemand öffnete das Tor einer Garage, und das Licht fiel auf ein seit rund 40 Jahren fast unberührtes Automobil. Im Innenraum lagen, akkurat zusammengefaltet, Seidenhandschuhe, Straßenkarten und ein paar Zigarettenkippen, an deren Filter sich noch Lippenstiftspuren erkennen ließen.

Es handelte sich dabei nicht um irgendein Auto. Es war ein Mercedes 540 K Spezial-Roadster mit Achtzylinder-Reihenmotor. Der offene Zweisitzer aus dem Jahr 1936 war seinerzeit so ungefähr das Edelste, was an Auto für Geld zu bekommen war. Gekauft wurde der Wagen von der wohlhabenden preußischen Adelsfamilie von Krieger. Gefahren hat ihn Baroness Gisela von Krieger, die man heute wohl als internationale Jet-Set-Lady bezeichnen würde. Sie reiste mit dem Wagen im Gepäck per Luxusliner nach Amerika und ließ ihn dort zurück, als sie später in die Schweiz zurückkehrte. Bis zum Tod der Baronin 1989 befand sich der Mercedes in Familienbesitz, wurde dann erst verkauft und restauriert.

Dass dieser Wagen die vom Marktbeobachter Classic Car Tax ermittelten Auktions-Top-Ten anführt, ist für Experten kein Wunder. Schließlich erfüllt er all das, was Classic-Car-Tax-Analyst Frank Wilke als Basis für hohen und weiter steigenden Wert anführt: Das Auto an sich ist selten, hat in diesem Fall auch noch eine lückenlos nachvollziehbare Geschichte, befand sich ewig in erster Hand und lässt sich mit einer bestimmten Person verbinden.

Neun Millionen Euro - für altes Blech

Die erzielten 11.770.000 Dollar - umgerechnet gut neun Millionen Euro - kamen allerdings auch für Klaus Wilke etwas überraschend. "Man sagt sich jedes Jahr, dass preislich das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Im kommenden Jahr zahlt dann aber doch jemand noch einmal mehr." Vor wenigen Jahren sei ein Mercedes dieses Typs für acht Millionen verkauft worden - was schon als extremer Preis galt.

Dabei ist der Mercedes vermutlich noch nicht mal das teuerste Auto des vergangenen Jahres: Im Sommer 2012 soll auch ein Ferrari 250 GTO den Besitzer gewechselt haben, ohne dass der Preis öffentlich gemacht wurde. Kolportiert werden aber 35 Millionen Dollar, umgerechnet also knapp 27 Millionen Euro - dagegen wirkt selbst der Mercedes der Baroness wie ein Schnäppchen.

Aber es sind eben oft die Eigenheiten eines Fahrzeugs, die Bieter bei Auktionen noch die eine oder andere Million drauflegen lassen. Etwa bei der Nummer drei der Top Ten, einem Ford GT 40 von 1968, der immerhin noch elf Millionen Dollar erzielte (8,4 Millionen Euro): Das verkaufte Exemplar gilt als erstes sogenanntes Lightweight Modell des GT 40, ging mit der berühmten blau-orangen Gulf-Lackierung an den Start und war zudem als Kamerawagen bei den Dreharbeiten des Rennfilms "Le Mans" mit Steve McQueen im Einsatz.

Ein Spielzeugauto für fünf Millionen Euro

Manchmal sind es auch Kindheitserinnerungen, die Begehrlichkeiten wecken. Zwar wird sich kaum ein heute noch lebender Mensch an einen Rolls-Royce Silver Ghost Jahrgang 1912 in Originalgröße erinnern. Es gibt jedoch ein ganz spezielles Exemplar, das als maßstäblich verkleinertes Spielzeug in unzähligen Kinderzimmern seine Heimat fand: Der für 7.343.000 Millionen Dollar (5,6 Millionen Euro) versteigerte "The Corgi" erhielt seinen Spitznamen, weil er als Vorbild für ein oft verkauftes Modellauto der Marke Corgi Toys diente.

Die erzielten Preise und auch die Autos an sich sind natürlich absolute Ausnahmen in der Welt der Klassiker. Und niemand sollte wirklich damit rechnen, dass der eigene Old- oder Youngtimer einmal zum Millionenschatz wird. "Vor allem bei den Nachkriegsfahrzeugen scheitert das schon an den Stückzahlen", so Frank Wilke.

Zwar gibt es zahlreiche Modelle, deren Preise beharrlich steigen - aber auf einem Niveau, über das die Edel-Auktionshäuser nur lachen können. Ein perfekter Mercedes SL aus der meist als Pagode bezeichneten Baureihe W 113 nähert sich zwar nach und nach dem oberen Ende der fünfstelligen Preisskala. Doch selbst wenn irgendwann einmal jemand 100.000 Euro dafür zahlt, ist es noch ein weiter Weg bis zur ersten Million.

Ausnahmen von der Regel gibt es natürlich trotzdem. Manchmal steigen Preise eines bestimmten Modells überraschend, weil ein anderes sich in absolut unerschwingliche Regionen verabschiedet hat. Frank Wilke nennt als Beispiel den Iso Grifo. Der italienische Sportwagen wurde von 1964 bis 1974 gebaut, litt in Sachen Wertbeständigkeit lange Zeit darunter, dass unter seiner Motorhaube ein schnöder, amerikanischer V8 werkelt. Erst als vergleichbare Ferrari und Lamborghini immer teurer wurden, besannen sich italophile Autoliebhaber auf den Grifo. Heute kratzt das einst verschmähte Auto bereits an der 200.000-Euro-Marke.

Für die meisten Anhänger klassischer Fahrzeuge ist natürlich auch das zu viel. Ohnehin ist die Oldtimer-Welt nicht so abgehoben, wie es die genannten Beispiele vermuten lassen. "Der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland beträgt etwa 15.000 Euro - den meisten Besitzern ist der Spaß am Auto wichtiger als der Wert." Das kann man wohl so stehenlassen.

Forum

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insgesamt 32 Beiträge
1. 11 Mio Dollar?
BoMoUAE 16.01.2013
Fuer diese Summe muesste es moeglich sein, jedes, aber auch wirklich jedes Auto komplett neu zu bauen. Damit sollten die Spitzenpreise fuer gut erhaltene oder restaurierte Orginale erreicht sein. Letztendlich ist es nur ein Stueck [...]
Fuer diese Summe muesste es moeglich sein, jedes, aber auch wirklich jedes Auto komplett neu zu bauen. Damit sollten die Spitzenpreise fuer gut erhaltene oder restaurierte Orginale erreicht sein. Letztendlich ist es nur ein Stueck Technik, die mehr oder weniger gut aussieht und funktioniert.
2. Ja, aber...
andreas_aus_flensburg 16.01.2013
...ein nachgebautes Auto, und sei es noch so perfekt, ist eben kein Original... :)
...ein nachgebautes Auto, und sei es noch so perfekt, ist eben kein Original... :)
3.
artbond 16.01.2013
Falsch, eine Replika ist einfach nur eine Replika und den Materialwert wert. Bei Oltimern dieses Formates geht es nicht um die Technik. Es geht darum ein seltenes Original zu besitzen mit dem man ein Geschichte verbinden [...]
Zitat von BoMoUAEFuer diese Summe muesste es moeglich sein, jedes, aber auch wirklich jedes Auto komplett neu zu bauen. Damit sollten die Spitzenpreise fuer gut erhaltene oder restaurierte Orginale erreicht sein. Letztendlich ist es nur ein Stueck Technik, die mehr oder weniger gut aussieht und funktioniert.
Falsch, eine Replika ist einfach nur eine Replika und den Materialwert wert. Bei Oltimern dieses Formates geht es nicht um die Technik. Es geht darum ein seltenes Original zu besitzen mit dem man ein Geschichte verbinden kann, dass macht die Kiste einzigartig. Der Wert ist ja eigentlich virtuell... aber es gibt halt Leute die haben das Kleingeld und Spass daran. Und ganz oft machen Die auch noch richtig Kasse wenn die das Auto nach ein paar Jahren wieder verkaufen...
4. Ich habe noch einen 30 Jahre alten....
pm40 16.01.2013
....Golf I GTI Pirelli im Topzustand zu verkaufen. Vielleicht erziele ich ja einen ähnlichen Verkaufspreis :-) Dann melde ich mich wieder für eine weitere "Topstory" aus SPON.
....Golf I GTI Pirelli im Topzustand zu verkaufen. Vielleicht erziele ich ja einen ähnlichen Verkaufspreis :-) Dann melde ich mich wieder für eine weitere "Topstory" aus SPON.
5. Der Wert eines Oldtimers
drsindelfaenger 16.01.2013
besteht nicht nur aus dem Wert des Blechs, der Technik oder dem Design - bezahlt wird insbesondere die Geschichte dahinter!
besteht nicht nur aus dem Wert des Blechs, der Technik oder dem Design - bezahlt wird insbesondere die Geschichte dahinter!

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