Lade Daten...
15.01.2013
Schrift:
-
+

SUV-Studie Cross-Blue

Volkswagens Blauwal

Aus Detroit berichtet
Tom Grünweg

Passat und Jetta reichen nicht mehr: Um in den USA schneller zu wachsen, setzt Volkswagen auf schwere Geländewagen. Die nun in Detroit präsentierte Studie Cross-Blue ist das bisher größte Modell im Sortiment der Wolfsburger.

800.000 verkaufte Autos pro Jahr - das ist die Zielvorgabe, die Volkswagen-Chef Martin Winterkorn seinem US-Statthalter Jonathan Browning für 2018 vorgegeben hat. Mit rund 438.000 Fahrzeugen und einem Plus von gut 35 Prozent im vergangenen Jahr liegt Browning auf Kurs. Dennoch werden der US-Passat aus dem Werk in Chattanooga und Mexiko-Importe wie Jetta oder Beetle nicht genügen, um das Ziel zu erreichen.

Aus diesem Grund wollen die Niedersachsen so rasch wie möglich die größte Lücke in ihrem USA-Modellprogramm schließen: mit einem sogenannten Midsize-SUV. In diesem Segment werden jährlich mehr als 1,2 Millionen Neuwagen zugelassen. In den nächsten Jahren wird diese Zahl voraussichtlich um weitere 20 Prozent wachsen, weil immer mehr Fahrer vom Minivan auf SUV umsatteln.

Das Fahrzeug, mit dem Volkswagen Chart zeigen den Trend nutzen will, wurde nun auf der Auto-Show in Detroit enthüllt: als Studie Cross-Blue. Das Schaustück ist außen wie innen noch ein wenig überzeichnet. Denn weder die aufwendigen LED-Scheinwerfer oder die markanten Felgen noch die ausfahrbaren Bedienelemente im Cockpit oder die frei programmierbaren Instrumente und iPads in den Kopfstützen wurden sofort in die Tat umgesetzt. "Dennoch hatten wir bei der Konzeption des Cross-Blue ein Serienmodell im Sinn", sagt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg.

Eine Produktion in großen Stückzahlen dürfte sich wohl auch deshalb umsetzen lassen, weil die Studie auf dem sogenannten modularen Querbaukasten von Volkswagen basiert. Dieser bildet unter anderem das technische Rückgrat des aktuellen VW Golf.

Gewissensberuhigung zum Einstöpseln

Für den Cross-Blue allerdings wurde die Bodengruppe deutlich gestreckt. Der Radstand misst knapp drei Meter, das Auto ist insgesamt 4,99 Meter lang. Damit überragt die Wuchtbrumme aus Wolfsburg sogar noch den VW Touareg um 20 Zentimeter. Doch Größe ist relativ, in Gesellschaft der in den USA üblichen Pick-ups und Geländewagen dürfte der VW-SUV kaum überdimensioniert wirken.

Zumindest bis man die Türen öffnet und in den Innenraum schaut, wo es sechs Einzelsitze in drei Reihen gibt. Später dürfte eine Dreier-Sitzbank die mittlere Position einnehmen. Auf jeden Fall soll die Bestuhlung flexibel sein. Schließlich gilt es, Minivan-Kunden zu ködern. Je nach Sitzkonfiguration soll der Cross-Blue zwischen 335 und knapp 2000 Liter Ladevolumen bieten.

Obwohl der Cross-Blue das bislang dickste Ding aus Wolfsburg ist, hat er einen Verbrauch wie ein Kleinwagen. Zumindest als Studie, denn auf der Messe steht der wuchtige Allradler mit Plug-in-Hybridantrieb. Der zwei Liter große TDI-Motor und die beiden Elektromaschinen an Vorder- und Hinterachse kommen zusammen auf 306 PS und bis zu 700 Nm Drehmoment. Das reicht für einen Sprint auf Tempo 100 in gut sieben Sekunden und ein Spitzentempo von 200 km/h.

Weil die Energie für den Vortrieb nicht nur aus dem Dieseltank, sondern auch aus einem Lithium-Ionen-Akku im Mitteltunnel kommt, kann der Cross-Blue gut 30 Kilometer weit und mit bis zu 120 km/h rein elektrisch fahren. Als Normverbrauch gibt VW 2,1 Liter je 100 Kilometer an - was natürlich ein theoretischer Wert ist, weil die Rechnung stets einen vollen Akku voraussetzt.

Doch selbst im reinen Dieselbetrieb soll der 190 PS starke Selbstzünder lediglich 4,9 Liter verbrauchen - was bei diesem Format beachtlich wäre. VW nutzt den Elektroantrieb übrigens nicht nur zum Spritsparen, sondern setzt ihn auch anstelle klassischer Allradtechnik ein. So funktioniert die Übertragung des Drehmoments vom Motor auf die Achse im Cross-Blue zum Beispiel durch eine elektrische Kardanwelle. Das drückt nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht und damit ebenfalls den Verbrauch.

Ein wichtiger Wagen für VW

Für die Outdoor-Fans unter den potentiellen Kunden hat sich VW außerdem ein Gimmick einfallen lassen: Unter der Tankklappe befindet sich zusätzlich zur Ladebuchse für den Akku eine konventionelle Steckdose, über die man auch in der Prärie eine Kühlbox, einen Elektrogrill, einen Scheinwerfer oder eine Musikanlage betreiben kann. So wird der Cross-Blue zum mobilen Notstromaggregat.

Ob und wann der Cross-Blue in Serie gehen wird, will aktuell noch kein VW-Mitarbeiter sagen. Zugleich jedoch lässt auch keiner einen Zweifel daran, wie wichtig das Auto für VW in den USA und wohl auch in China wäre. Unsere Einschätzung: Es wird noch zwei oder drei Jahre dauern, dann dürfte der Wagen - vermutlich im US-Werk Chattanooga - tatsächlich vom Band laufen. Für Jonathan Browning, den VW-Chef in den USA, käme er dann gerade recht, um auf die Zielgerade zu den angepeilten 800.000 Zulassungen zu biegen.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
1. Drollig
Sherlock70 15.01.2013
Hat jetzt also VW bei Land Rover abgeguckt, oder umgekehrt? Konsequent war keiner von beiden. Die horizontalen Sichtschlitze sind noch viel zu groß, da geht noch was. My car is my castle.
Hat jetzt also VW bei Land Rover abgeguckt, oder umgekehrt? Konsequent war keiner von beiden. Die horizontalen Sichtschlitze sind noch viel zu groß, da geht noch was. My car is my castle.
2.
copenista 15.01.2013
noch so ein überflüssiges Monstrum in einer Zeit, in der jeder alleine zur Arbeit fährt...
noch so ein überflüssiges Monstrum in einer Zeit, in der jeder alleine zur Arbeit fährt...
3. Was überflüssig ist und
Luke1973 15.01.2013
was nicht, entscheidet immer noch der Kunde. Oder möchten Sie sich vorschreiben lassen, wieviel CO2 Sie auf der nächsten Urlaubsreise verballern dürfen?
was nicht, entscheidet immer noch der Kunde. Oder möchten Sie sich vorschreiben lassen, wieviel CO2 Sie auf der nächsten Urlaubsreise verballern dürfen?
4.
Business Ethics 15.01.2013
So ein Unsinn, solche Werte kann eine (Zitat) "Wuchtbrumme" mit dem cw-Wert eines Panzers und 190 PS ja kaum im Stand erreichen. Warum ist die Autoindustrie eigentlich auf solche dumpfbackigen Lügen angewiesen und [...]
Zitat von sysop... Doch selbst im reinen Dieselbetrieb soll der 190 PS starke Selbstzünder lediglich 4,9 Liter verbrauchen ...
So ein Unsinn, solche Werte kann eine (Zitat) "Wuchtbrumme" mit dem cw-Wert eines Panzers und 190 PS ja kaum im Stand erreichen. Warum ist die Autoindustrie eigentlich auf solche dumpfbackigen Lügen angewiesen und wann hört das endlich auf ?!?
5. da sieht man mal wieder,
dbrown 15.01.2013
daß weder VW (oder die anderen) noch der gemeine Ami gemerkt hat, daß die Zeiten fetter Spritfresser eigentlich vorbei sein sollten. Aber solange es Muttis gibt, deren Auto gar nicht groß genug sein kann, um damit vor'm [...]
daß weder VW (oder die anderen) noch der gemeine Ami gemerkt hat, daß die Zeiten fetter Spritfresser eigentlich vorbei sein sollten. Aber solange es Muttis gibt, deren Auto gar nicht groß genug sein kann, um damit vor'm Kindergarten vorzufahren oder auf der Kö das Einparken zu probieren werden wir weiterhin von solchen Ungetümen umgeben sein, deren Besitzer diese als Steuerspar-Firmenfahrzeug aus nur diesen Gründen kaufen. 4WD, aber beim kleinsten Fleckchen Dreck sofort in die Waschanlage!

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Detroit Auto-Show 2013

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema VW-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten