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22.01.2013
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Smartphone-App verrät Verkehrssünder

Petze an Bord

52appsTeam

Smartphone-App "Canary": Protokoll der Regelverstöße

Der Filius fummelt beim Fahren immer am Handy herum? Dem können besorgte Eltern einen Riegel vorschieben: mit der "Canary"-App. Das verräterische Stückchen Software meldet die unerlaubte Handynutzung im Auto - und bietet Erziehungsberechtigten noch mehr Möglichkeiten der Fernkontrolle.

Viele Autofahrer werden sich vermutlich noch gut an die entwürdigende Prozedur erinnern, die vor ihrer ersten Ausfahrt stand: Bevor man die Schlüssel zu Papas Wagen bekam, war erst mal eine Moralpredigt angesagt: "Fahr nicht zu schnell - und lass im Auto die Finger vom Handy." Diese Ansprache kann jetzt entfallen. Mit der Smartphone-App "Canary" können Eltern jederzeit verfolgen, ob sich ihre Kinder an die Verkehrsregeln halten.

Die Überwachung hat einen ernsten Hintergrund: In den USA, wo die App nun eingeführt worden ist, steigt die Zahl der Unfälle, die sich durch abgelenkte Fahrer ereignen. Bei einer Umfrage eines amerikanischen Verbrauchermagazins unter Fahranfängern im Alter von 16 bis 21 Jahren gab über die Hälfte an, während der Fahrt das Handy zu benutzen. Das Paradoxe daran: Fast alle Befragten waren sich einig, dass dieses Verhalten gefährlich ist.

Ist die App erst mal aufs Handy geladen - und das geht auch in Deutschland über Umwege - ist Eltern beinahe die totale Kontrolle möglich. Das Programm funktioniert über GPS und schaltet sich bei einer Fahrzeuggeschwindigkeit von etwa 20 km/h ein. Versendet der Fahrer eine SMS, eine E-Mail, einen Tweet oder eine Facebook-Nachricht, werden die Eltern ihrerseits direkt auf ihrem Smartphone darüber informiert. Damit nicht genug: Erkennt die App, dass das vorgeschriebene Tempolimit überschritten wird, petzt sie ebenfalls.

"So gefährlich wie eine geladene Waffe"

Und nicht nur Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung werden gemeldet - "Canary" überprüft auch, ob der familiäre Regelkatalog eingehalten wird. Den Eltern ist es zum Beispiel möglich, den Raum einzugrenzen, in dem das Auto gefahren werden darf. Wird die Grenze überschritten, schlägt "Canary" Alarm. Das gleiche funktioniert auch für Uhrzeiten.

Es gibt bereits eine Reihe von Apps, die die Ablenkung durch das Handy im Auto verhindern sollen. Die meisten funktionieren aber nach dem Prinzip, dass bestimmte Funktionen des Smartphones während der Fahrt gesperrt werden. Bei "Canary" können die Jugendlichen dagegen frei damit hantieren - müssen aber anschließend die Konsequenzen fürchten. Die App ist eine Art elektronische Fußfessel - nach Ansicht der App-Entwickler aber gerechtfertigt: Schließlich, so ist auf ihrer Webseite zu lesen, ist "ein Handy in einem Auto so gefährlich wie eine geladene Waffe".

Die Macher des Überwachungsprogramms verdeutlichen ihre guten Absichten dann auch mit dem historischen Namensbezug ihrer Entwicklung: Canary heißt auf Deutsch Kanarienvogel. Die kleinen Zwitscherer wurden früher in Käfigen unter Tag in Kohleminen gehalten. Fielen sie von der Stange, war das ein Anzeichen dafür, dass gefährliches Gas in der Mine ausströmte und der Sauerstoff knapp wurde. Ein Frühwarnsystem also - und so soll auch "Canary" verstanden werden.

Wer jetzt denkt, dass er sich den Fängen der App einfach entziehen kann, indem er sie ausschaltet, muss sich etwas Schlaueres einfallen lassen: Bevor "Canary" zum Schweigen gebracht wird, sendet sie eine letzte Nachricht ab - natürlich an die Eltern.

cst

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insgesamt 55 Beiträge
1. Extrem bedenklich
Malshandir 22.01.2013
Eltern sollte klarsein, dass Sie mit so einer App massivst in die Persönlichkeitsrechte ihrer erwachsenen Kinder (Autofahren darf man in Europa erst mit 18) eingreifen. Dies ist m.E. durchaus im strafbaren Rahmen. Vor allem [...]
Eltern sollte klarsein, dass Sie mit so einer App massivst in die Persönlichkeitsrechte ihrer erwachsenen Kinder (Autofahren darf man in Europa erst mit 18) eingreifen. Dies ist m.E. durchaus im strafbaren Rahmen. Vor allem aber zerstören Eltern so das Vertrauen.
2. findige Kids
hanfiey 22.01.2013
Da haben die Eltern aber die Rechnung ohne die Kids gemacht, die finden einen Weg. Ansonsten bin ich besorgt über die Ausschnüffelung, was Eltern können kann die Polizei schon lange. Ich habe kein Handy und fühle mich freier.
Da haben die Eltern aber die Rechnung ohne die Kids gemacht, die finden einen Weg. Ansonsten bin ich besorgt über die Ausschnüffelung, was Eltern können kann die Polizei schon lange. Ich habe kein Handy und fühle mich freier.
3. Akkusauger
krassmann 22.01.2013
Wenn die App wirklich permanent die Position bzw. Geschwindigkeit mittels GPS ermittelt, dann dürfte das in kurzer Zeit den Akku leeren. Schätzungsweise maximal vier Stunden.
Wenn die App wirklich permanent die Position bzw. Geschwindigkeit mittels GPS ermittelt, dann dürfte das in kurzer Zeit den Akku leeren. Schätzungsweise maximal vier Stunden.
4. Komplett falscher Weg
WRM58 22.01.2013
Bereits die ständige Erreichbarkeit druch elektronische Medien nimmt den Menschen große Teile ihrer echten privaten Freiräume und bindet sie an die ihnen zugeschriebenen sozialen Rollen. Der Mensch braucht Freiräume, in denen [...]
Bereits die ständige Erreichbarkeit druch elektronische Medien nimmt den Menschen große Teile ihrer echten privaten Freiräume und bindet sie an die ihnen zugeschriebenen sozialen Rollen. Der Mensch braucht Freiräume, in denen er sich ohne Rückhalt und ohne Beobachtung bewegen, ausprobieren und bewähren kann. Ganz abgesehen von der rechtlichen Bedenklichkeit einer solchen elektronische Fußfessel wie Canary snd solche System darum ein großer Schritt auf dem Weg zum unfreien, unselbständigen Menschen. Kontrolldruck wird höher bewertet als Einsicht, extrinsische Motivation wird höher eingeschätzt als die intrinsische. Jugendliche müssen über die Stränge schlagen, Grenzen verletzen, auf die Nase fallen. Das ist gefährlich und geht nicht immer gut. Aber so ist das leben. Anders ist es kein Leben. Und: der Vergleich mit den Kanrienvögeln unter Tage hinkt gewaltig: Die Kumpel hatten sie zum Selbstschutz mit - sie wurden ihnen nicht untergeschoben und sie petzten auch nicht dem Boss, dass etwas falsch war - und sie halfen gegen eine unsichtbare Gefahr. Die App dagegen kann untergeschoben werden, sie petzt, aber sie hilft nicht, verborgenen Gefahren wahrzunehmen. Es ist schlicht und einfach eine Wanze.
5.
Th.Tiger 22.01.2013
Kennt Herr Friedrich schon die App? So als Vater Staat und damit unser aller Elternteil hat der natürlich auch ein Interesse daran, dass wir nichts Dummes anstellen. Schön, dass man den Parasiten (als Virus würde es sich [...]
Zitat von sysop52appsTeamDer Filius fummelt beim Fahren immer am Handy herum? Dem können besorgte Eltern einen Riegel vorschieben: mit der "Canary"-App. Das verräterische Stückchen Software meldet die unerlaubte Handynutzung im Auto - und bietet Erziehungsberechtigten noch mehr Möglichkeiten der Fernkontrolle. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/app-canary-ueberwacht-autofahrer-a-878453.html
Kennt Herr Friedrich schon die App? So als Vater Staat und damit unser aller Elternteil hat der natürlich auch ein Interesse daran, dass wir nichts Dummes anstellen. Schön, dass man den Parasiten (als Virus würde es sich selbst verbreiten) auch heimlich installieren kann.

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