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21.01.2013
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Größte Auto-Auktion der Welt

Oktoberfest der Oldtimer-Fans

Aus Scottsdale berichtet
Tom Grünweg

In Europa finden Oldtimer-Auktionen im elitären Kreis statt - ganz anders in den USA: In Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona zelebrieren 300.000 Enthusiasten bei Bier und Burgern jedes Jahr das weltgrößte Spektakel dieser Art. Die Versteigerungen des Hauses Barrett-Jackson erzielen Millionen.

Der Geruch von Bier, Burger und Benzin hängt in der Luft, dazu der Sound von aufgebohrten Achtzylindermotoren. Ein fast hypnotischer Singsang dringt dazu aus einem riesigen Zelt. Durch die angrenzende provisorisch errichtete Stadt schieben sich Zehntausende Besucher. Willkommen in Scottsdale. Willkommen bei Barrett-Jackson, der größten Auto-Auktion der Welt.

Beinahe eine Woche dauert das Spektakel im Januar. Verkauft wird sechs Tage lang vom Morgen an bis spät in die Nacht - insgesamt 1400 Autos aller Preis- und Leistungsklassen. Amerikanische Musclecars, Hot-Rods, Oldtimer aus der ganzen Welt, Rennautos, Filmfahrzeuge und immer mal wieder auch ein spektakulärer Neuwagen rollen auf die Bühne, "The Block" genannt.

Über dem Automobilaltar ist eine US-Flagge aufgespannt, groß wie ein Tennisfeld. Hinter den Autos auf der Bühne thronen die Auktionatoren, ihnen zu Füßen stehen die neugierigsten Bieter. Die billigsten Fahrzeuge gibt's für weniger als 10.000 Dollar. Spätestens um die Mittagszeit gehen die Preise auf 30.000 Dollar und mehr hoch, am Nachmittag werden die Summen rasch sechsstellig, und zum Ende des Tages flimmern im Minutentakt Millionenwerte über die Info-Bildschirme im klimatisierten Zelt mit 5000 Sitz- und noch einmal so vielen Stehplätzen. Der Clou: Lediglich 18 der 1400 Fahrzeuge wurden dieses Jahr mit einem Mindestpreis aufgerufen - bei allen anderen zählte jedes Gebot.

Es ist eine einzige gigantische Party

Während sich europäische Autosammler für Auktionen in Nobelhotels treffen und in geschlossenen Zirkeln bei Champagner und Austern mit dem kleinen Finger bieten, ist die Barrett-Jackson-Auktion in Scottsdale im US-Staat Arizona eine gigantische Party, Pin-up-Girls in knappen Bikinis, hektoliterweise Dosenbier und Fast Food inklusive. Es ist fast wie auf dem Oktoberfest - nur kommen hier noch die irrsten Autos dazu. Das lockt nicht nur rund 5000 registrierte Bieter, sondern in den sechs Tagen auch etwa 300.000 Schaulustige, die bis zu 55 Dollar Eintritt zahlen.

Das Auktionshaus Barrett-Jackson weiß, dass es dafür eine gute Show bieten muss. Die Autos auf dem "Block" sind daher für das Gros der Gäste nur die chromblitzende Dekoration. "So einen Klassiker könnte ich mir nie leisten", sagt zum Beispiel Rob, der aus Los Angeles hierher gefahren ist. "Aber ich komme trotzdem seit Jahren und genieße es, so viele Traumwagen an einem Ort zu sehen."

Stundenlang flaniert Rob durch die Zeltstadt, unternimmt Testfahrten bei Ford und Chevrolet, lässt sich von Profifahrern in Sportwagen durch einen Hindernis-Parcours schleudern und steht Schlange vor dem größten Barbecue-Grill der Welt. Frau und Kinder hat er natürlich mitgebracht.

4,2 Millionen Dollar für das Batmobil

In den mehr als 40 Jahren, in denen die Auktion mittlerweile abgehalten wird - das Fernsehen überträgt 40 Stunden live aus Scottsdale -, ist die Versteigerung zu einem Event aufgepumpt worden. Es gibt Verkaufsstände für Tuning- und Werkstattbedarf, es werden Golf-Karren im Cobra-Style und sogar Privatflugzeuge angeboten. Darüber hinaus auch Whirlpools, Pizzaöfen für den Vorgarten sowie Urlaubsreisen.

Am Samstag um 17 Uhr, zur Primetime in Scottsdale, wird das alles zur Nebensache. Dann schiebt sich Chefauktionator Tom "Spanky" Assiter die Brille auf die Stirn, und seine Helfer rollen die "Saloon Collection" auf den Block. Es sind die seltensten und teuersten Autos, die dann unter den Hammer kommen, und stets treibt Barrett-Jackson dafür echte Raritäten auf.

In diesem Jahr sind es ein Pick-up-Truck von US-Präsident George W. Bush , der Mercedes 300 SL von Hollywood-Legende Clark Gable und das originale Batmobil, das George Barris im Jahr 1965 für die Dreharbeiten zum ersten Batman-Film in nur 15 Wochen für 15.000 Dollar auf die Räder stellte. Unter dem Jubel von Zehntausenden im Zelt wurde der Wagen für 4,2 Millionen Dollar verkauft.

Versteigert wird im Schichtdienst

Die Auktionatoren halten den Laden auf Drehzahl. Die Zeremonienmeister der Show sprechen schneller als Rapper, um sie auch nur ansatzweise zu verstehen, muss man sich eine Weile einhören. Neun Männer gehören zum Team von Chefauktionator Spanky, versteigert wird im Schichtdienst, und jeder hat wiederum ein Dutzend Helfer im Saal. Diese beobachten jeweils einen Zuschauerblock und leiten die Gebote theatralisch weiter zur Bühne.

Der Mann hinter der Show ist Craig Jackson, der das Geschäft von seinem Vater übernahm und in den mehr als vier Jahrzehnten in Scottsdale schon mehr als eine Milliarde Dollar umgesetzt hat. Daneben organisiert er noch Auktionen in Palm Beach, Las Vegas, Florida und Reno und hat damit ein Vermögen gemacht. Jackson fährt einen Bugatti Veyron, den er vor ein paar Jahren bei sich selbst kaufte, weil der Bieter nach dem Zuschlag durch den Hinterausgang getürmt war.

Jetzt sitzt Jackson neben Auktionator Spanky auf dem Podium, schaut zufrieden ins Publikum und treibt mit launigen Bemerkungen die Preise in die Höhe. Allein in Scottsdale setzt er rund 100 Millionen Dollar um. Mit einer in Zeiten des Internets eigentlich überkommenen Art des Verkaufs.

"Wir haben jedes Jahr mehr Autos, mehr Besucher und mehr Umsatz. Alle Kurven weisen beständig nach oben", sagt Jackson. Selbst die Wirtschaftskrise konnte seinem Geschäft nichts anhaben. "Im Gegenteil", freut sich der Autonarr, der selbst eine riesige Sammlung besitzt, "in solchen Zeiten flüchten die Leute in Sachwerte. Und selbst wenn die Preise mal sinken sollten, kann man mit einem Oldtimer immer noch herumfahren. Mit einer Aktie geht das nicht."

Forum

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insgesamt 13 Beiträge
1. Guter Bericht!!!
flug430 21.01.2013
So tickt Amerika bzw. die amerikanischen Autonarren! Jackson findet jedes Jahr ein Auto - Juwel!! Er kennt den Markt aus dem ff.
So tickt Amerika bzw. die amerikanischen Autonarren! Jackson findet jedes Jahr ein Auto - Juwel!! Er kennt den Markt aus dem ff.
2. optional
gnoib 21.01.2013
Jedes Jahr werden auf diesen Auktionen auch Auo fuergute Zwecke verseigert und Millionen fur Soziale Organisatonen zusammen gebracht
Jedes Jahr werden auf diesen Auktionen auch Auo fuergute Zwecke verseigert und Millionen fur Soziale Organisatonen zusammen gebracht
3. Kann das jemand bestätigen?
gummiball2 21.01.2013
Mal eine Frage in die Runde... Auf DMAX laufen eine Menge Serien, die sich mit dem Aufmotzen ("Tuning") von alten US-Autos beschäftigen. Aber immer, wenn ich sehe, wie die Amis arbeiten, bekomme ich das kalte Grausen. [...]
Mal eine Frage in die Runde... Auf DMAX laufen eine Menge Serien, die sich mit dem Aufmotzen ("Tuning") von alten US-Autos beschäftigen. Aber immer, wenn ich sehe, wie die Amis arbeiten, bekomme ich das kalte Grausen. Da werden Federn einfach gekürzt zwecks Tieferlegung, gefräst und geflext anstatt feinmototisch zu arbeiten. Hauptsache das Auto ist am nächsten Morgen fertig für die Auktion. TÜV, was ist das? Schön sehen sie ja aus, aber taugen die was?
4.
razer 21.01.2013
Von meinem bisherigen USA-Reisen und meinen Verwandten aus Kanada kann ich nur sagen was bei DMAX gezeigt wird, ist oft nur barer Unsinn(Entertainment). Selbstverständlich gibt es in den Staaten, wie bei uns, Schrauber die im [...]
Zitat von gummiball2Mal eine Frage in die Runde... Auf DMAX laufen eine Menge Serien, die sich mit dem Aufmotzen ("Tuning") von alten US-Autos beschäftigen. Aber immer, wenn ich sehe, wie die Amis arbeiten, bekomme ich das kalte Grausen. Da werden Federn einfach gekürzt zwecks Tieferlegung, gefräst und geflext anstatt feinmototisch zu arbeiten. Hauptsache das Auto ist am nächsten Morgen fertig für die Auktion. TÜV, was ist das? Schön sehen sie ja aus, aber taugen die was?
Von meinem bisherigen USA-Reisen und meinen Verwandten aus Kanada kann ich nur sagen was bei DMAX gezeigt wird, ist oft nur barer Unsinn(Entertainment). Selbstverständlich gibt es in den Staaten, wie bei uns, Schrauber die im Wesentlichen nur Schrott verkaufen und excellente Tuner. Die Kunst ist nur beides zu unterscheiden, wobei es hier wie da natürlich auch eine breite Grauzone gibt. Der TÜV ist hier, wenn überhaupt, nur ein kleiner Schutz bezüglich der Zulassungsbestimmungen und beim Gebrauchtwagenscheck. Die US-Bundesstaaten haben natürlich auch -teilwese unterschiedliche- Zulassungsbestimmungen. Also da darf, ähnlich wie bei uns, nicht alles rumfahren was den Leuten so einfällt.
5.
razer 21.01.2013
Genauso ist es mir auch gegangen-man fühlt sich mittendrin im Getümmel. Schade daß es sowas in D nicht gibt, mir sind die Veranstaltungen in EU zu elitär.
Zitat von flug430So tickt Amerika bzw. die amerikanischen Autonarren! Jackson findet jedes Jahr ein Auto - Juwel!! Er kennt den Markt aus dem ff.
Genauso ist es mir auch gegangen-man fühlt sich mittendrin im Getümmel. Schade daß es sowas in D nicht gibt, mir sind die Veranstaltungen in EU zu elitär.

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